„We mokt dat schon!“: Urtyp in Vierlanden feiert 60. Geburtstag

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Bäckermeister Heinz Hintelmann feiert heute seinen 60. Jahrestag. Die nachfolgenden Generationen mit Sohn André Hintelmann (32), ebenfalls Meister seines Fachs und im Betrieb tätig, sowie die Enkel Leon (3, re.) und Luca (1) stehen schon bereit.
 
...wir albern auch gerne mal herum!
 
Auch die Lütten Luca und Leon packen schon fleißig mit an und erproben das Backhandwerk - hier: leckere Mohnbrötchen à la Leon! Familienhund Sydney hofft übrigens, dass etwas herunterfällt...!

„Meine Familie und Backen sind meine Leidenschaften! Und ich koche gern.“
Heinz Hintelmann,
Bäckermeister


Ein typischer Morgen bei Bäcker Heinz: „Guten Morgen, Kathi!“ „Guten Morgen, Frau Müller!“ – Fröhliches Stimmengewirr im Verkaufsraum der Bäckerei Heinz Hintelmann am Schleusenhörn 3. Dazu Kindergeplapper, Kaffeeduft und das Telefon klingelt.
Oma Traude ist auch schon da und hält einen Plausch mit der Nachbarin.
„Na, möchten Sie heute gerne wieder mal das Vierländer Urtyp mitnehmen? Ist gerade im Angebot“, fragt Verkäuferin Kathi Möhring die Kundin, die gerade zur Tür hereingekommen ist. „Ja, gerne!“, antwortet diese. „Und dazu bitte noch zwei Kornys und ein Schokobrötchen.“ Noch kurz erzählt, was am Wochenende so los ist. Währenddessen schiebt Leon Hintelmann (3), seines Zeichens Enkel von Bäcker Heinz, die großen Brotkörbe zusammen. „Weg“, spricht der Nachwuchsbäcker energisch und bugsiert die Körbe vorsichtig Richtung Backstube. Sein jüngerer Bruder Luca (1) steht hinter dem Tresen, grinst verschmitzt und knabbert an einem Mohnbrötchen.

Plötzlich schallt es aus dem Flur, der vom Verkaufsraum zur Backstube führt: „Oh, Opa kommt!“ Die Körbe sind jetzt uninteressant: Leon flitzt so schnell er kann zurück und fliegt seinem Großvater in die Arme. „Ja, wer will denn mit zum Ausliefern?“, fragt Bäcker Heinz seinen Enkel. Die nächste Bäckergeneration ist gesichert: Schon hat Leon Opas Hand ergriffen, zieht ihn zur Tür: „Komm, Opa!“

Enkel Leon probt schon fleißig das Käsebrötchenbacken

„Gleich fahren wir“, beruhigt Hintelmann den Jungspund. Und nach kurzem Austausch der Neuigkeiten geht’s in den Lieferwagen. So gefällt es vielen, ein kleiner Schnack zwischendurch, mal kurz Pause machen. Heute wird bestimmt auch geklönt: An diesem Samstag feiert Bäcker Heinz 60. Geburtstag!
Hintelmann ist Traditionsbäcker, wie es nicht mehr viele gibt. „Es werden leider weniger Bäcker in Hamburg: In den Siebzigern gab es noch 262 Bäckereien, 1990 waren es dann 130, und jetzt sind es unter 30! Das ist zu wenig!“ Heinz Hintelmann muss es wissen, schließlich ist er seit 1991 Bezirksmeister, seit 1999 Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und schon über 10 Jahre stellvertretender Obermeister der Bäcker-Innung Hamburg.

Mit einem Gespür für ausgefallene Sahnetorten


1974 ist Heinz Hintelmann in den elterlichen Betrieb am Schleusenhörn eingestiegen, den sein Vater Adolf 1955 von seinem Vorgänger, Bäcker Lindemann, übernommen hatte. 1976 hat er dann den Meister gemacht, und in den Achtzigern begann die Erweiterung mit weiteren Filialen. Mittlerweile 7 Filialen und rund 50 Mitarbeiter versorgen Bergedorf und Umgebung mit frischen Backwaren. Und seit 12 Jahren liefert die Bäckerei in Tatenberg, Spadenland und Moorfleet noch frisch mit dem eigenen Verkaufswagen Rundstücke und Co. zum Frühstück bis an die Haustür.

Auch Torten sind seine Spezialität - egal, ob ausgefallene Hochzeitstorten, bunte Sahnebomben für den Sportverein, knackigen Obstkuchen oder schmackhafte Törtchen für den Sonntagnachmittag: Kein Wunsch, keine Idee bleibt ungehört!

Dass Bäcker Heinz nicht nur gerne Brötchen backt, zeigen seine Einträge im Guinness-Buch der Rekorde für die größte Matjesbrotscheibe und den größten Kopenhagener Rosenkuchen. Der Erfinder der Vierländer Erdbeertorte bietet seinen Kunden gerne neue Kreationen wie den Vierländer Urtyp, den Elbschipper oder auch den Heinz-Burger an. Er selbst isst am liebsten Rundstücke oder Baguettebrötchen und frühstückt zwei Mal am Tag, dafür fällt das Mittagessen aus. „Und abends natürlich noch was mit meiner Familie!“
„In einer Nacht werden im Schnitt 500 Brote und 5000 Brötchen am Schleusenhörn produziert, und die müssen jetzt ausgeliefert werden. In die Filialen und an die Haustür!“

Die ganze Familie packt mit an


Wer Heinz Hintelmann kennt, weiß, auf ihn ist Verlass. „Er ist immer für uns da“, sagt seine Frau Karin (57) über ihren Mann, den sie schon seit der Sandkiste kennt. Schwiegertochter Agnes Hintelmann (30), meist hinterm Brötchentresen am Schleusenhörn anzutreffen, ist begeistert von der fröhlichen Art, wie Opa Heinz mit seinen Enkeln umgeht: „Liebevoll-geradlinig - Leon und Luca wissen genau, was sie dürfen und was nicht! Ich freue mich, dass er immer für die beiden da ist.“
Auch Sohn André Hintelmann (32), Papa von Leon und Luca, ist Meister, ebenso sein Bruder Björn Hintelmann (34), der eine eigene Bäckerei in Schleswig-Holstein betreibt. Die Brüder haben beide im elterlichen Betrieb und bei Peter Becker gelernt. Schwester Christiane Marquard (30) ist Versicherungskauffrau, hilft oft in Laden und Backstube aus. Die drei Kinder bringen zusammen acht Enkel mit in die Familie: „Bei uns ist immer was los!“, sind sich alle Hintelmänner einig.

Fußball, Pferde und der Schützenverein


Doch Heinz Hintelmann ist nicht nur Bäcker mit Leib und Seele, er trainierte auch 10 Jahre lang die D-Jugendfußballmannschaft in Neuallermöhe, ist über 40 Jahre Mitglied im Schießclub Vierlandria und dabei zwei Mal Schützenkönig geworden – ein Mal sogar mit seiner Frau Karin gemeinsam. Gerne engagiert er sich im Freundeskreis für das Rieck Haus und findet Muße im Garten beim Pflegen von Nostalgie-Rosen. Sogar Shetland-Ponys hat er schon gezüchtet. „Wir hatten zehn Tiere auf der Weide in Curslack. Und ein Mal hatten wir das beste Pony-Fohlen Hamburgs“, schwingt ein wenig Stolz mit. „Die Großmutter der ersten Ponystute, der Fohlen-Mama, spielte übrigens mit beim ‚Immenhof’!“

„Mein Vater ist immer in Action“, erzählt André; dabei „wirbelt“ Hintelmann immer mit Bedacht und weiß genau, was er tut. Hat ein enormes Gedächtnis für Zahlen, insbesondere für Telefonnummern, diese nennt er ohne zu Überlegen aus dem Stegreif.
Vom Vater Bäcker Heinz klare Ansagen gelernt: „Ein ‚Nein’ reichte!“ Das beherzigt er heute auch: „Nicht streng, aber deutlich. So weiß jeder, woran er ist.“ Das hat ihm auch beim Training der Fußballjungs geholfen. „Früher habe ich auch selbst total gern gespielt, dann habe ich aber wegen der Arbeit aufgehört.“

Einmal ist er als 10-Jähriger auf dem Eis der Dove-Elbe bei der Schleusenbrücke eingebrochen. „Dann bin ich das restliche Winterhalbjahr zu Fuß zur Schule gegangen, ich durfte nicht mit dem Rad fahren wie sonst“, schmunzelt Hintelmann heute über die erzieherische Maßnahme. „Aber es hat geholfen, ich habe nie wieder zu dünnes Eis betreten!“ Solidarisch zeigte sich der Schulfreund und Nachbarsjunge Karsten Bock, der damals mit ihm zusammen durch den Schnee stapfte.

Mit dem Schlafrhythmus hat er keine Probleme, auch ein kurzes Nickerchen zwischendurch funktioniert, um Kraft zu tanken. Übrigens: „Als Kind wollte ich Weihnachtsmann werden, denn der muss ja nur ein Mal im Jahr arbeiten!“

Was für Wünsche hat Bäcker Heinz noch? „Gesundheit für meine Familie, dass alle Enkel gesund aufwachsen und ein bisschen mehr Zeit im Wochenendhäuschen. Im Urlaub klappt’s mit dem Loslassen schon ganz gut.“ Und es gibt immer wieder neue Pläne: Brot soll Unesco-Weltkulturerbe werden – diese Idee gibt’s schon länger, aber jetzt will Hintelmann Dampf machen, denn: „In keinem anderen Land gibt es so viele Brotsorten wie bei uns. Deswegen will ich es vorantreiben, dass das deutsche Traditionshandwerk zum Unesco-Weltkulturerbe wird: Wir Bäcker wollen Flagge zeigen!“
Am Ehrentag wird aber erst mal gemütlich im engsten Familienkreis gefeiert.
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1 Kommentar
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Der Bergedorfer aus Bergedorf | 21.07.2013 | 14:05  
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