Lebensmittel in Hülle und Fülle

So schmeckt der Sommer! Früchte lecker verwertet
Ich bin auf einem Bauernhof mit zwei älteren Geschwistern aufgewachsen. Auch unsere Oma lebte mit uns im gleichen Haushalt. Meine Eltern gehörten zur Kriegsgeneration, haben also die sogenannte „schlechte Zeit“ mit machen müssen. Es gab wenig Lebensmittel und die Auswahl war gering. Alles, was der Garten her gab, wurde verarbeitet. Erdbeer-, Johannisbeer- und Holunderbeersaft wurde in unserer Küche vorbereitet und eingekocht.
Wie haben wir uns im Sommer über einen kühlen Erdbeersaft gefreut und am Sonntag den selbstgekochten Pudding genossen. Im Winter wurde die Erkältung mit einem heißen Fliederbeersaft vertrieben. Dieser Zeit- und Arbeitsaufwand für berufstätige Frauen heute kaum noch machbar.
Die Lebensmittelindustrie bietet uns unendlich viele Sorten von Quark, Joghurt, Pudding und Co. an. Doch neben diesen Fertigprodukten gibt es in meiner Küche auch noch oft traditionell zubereitete Süßspeisen.
Meine Eltern haben überwiegend Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten verzehrt. Ihnen war bewusst, wie viel Arbeit in den Kartoffeln steckt und wie oft man sich für ein Kilogramm Erdbeeren bücken muss. Heute wird alles im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt in den Einkaufskorb gepackt und nur noch die prall gefüllten Tüten nach Hause getragen.
Das Angebot ist reichlich und die Regale gut bestückt. Die Produkte werden immer wieder mit „NEU“ oder „NOCH BESSER“ angepriesen. Ich weiß nicht, wie viele Fertigmischungen zur Herstellung von Soßen und Fertiggerichten der Handel uns anbietet. Die Zubereitung ist einfach und schnell: Tüte auf … und fertig. Schnell, wie das heutige Leben. Auch ich verwende ab und zu diese kleinen Helferlein, aber muss die Menge an Geschmacksverstärkern wirklich sein?
Bei diesem Überangebot bleibt es nicht aus, dass sowohl im Haushalt als auch in den Supermärkten viele noch brauchbare Lebensmittel in der Tonne landen. Früher gab es auf fast jedem Hof noch Schweine und Hühner, an die die Reste verfüttert wurden, aber heute bleibt oft nur der Weg in den Mülleimer. Ein Joghurt ist beim Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht gleich verdorben. Ich setze zur Überprüfung meine Nase und meinen Geschmackssinn ein, bevor ich ihn weg werfe.
Einige Supermärkte bieten fast abgelaufene Produkte zum halben Preis an und auch bei vielen Bäckern wird Brot vom Vortag billiger verkauft. Lebensmittel, die kurz vor dem Verfall stehen, können an soziale Organisationen wie z. B. in unserer Region die „Bergedorfer Tafel“ gespendet werden.
Es ist schon eine feine Sache, ein so großes Angebot an Lebensmitteln zu haben, jedoch sollte dieses nicht übertrieben werden. Die Verbraucher – sprich wir alle – haben es in der Hand, das zu regeln. Wir als Landfrauen können die Kunden aufklären und durch unser Kaufverhalten auch die Industrie beeinflussen.
von Anke Zander, LandFrauen Ortsverein Allermöhe-Reitbrook
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