Drogen-TÜV kommt nicht überall gut an

GEESTHACHT – Schleswig-Holsteins neue Regierung plant einen Drogen-TÜV. Dann können Konsumenten von Experten untersuchen lassen, ob ihre Drogen „sauber“ oder „gestreckt“ sind.
Ein kontrovers diskutiertes Thema. Denn was für die einen unter Gesundheitsschutz fällt, ist für die anderen eine gefährliche Entkriminalisierung von Drogen.
Zu der liberaleren Drogenpolitik, die SPD, Grüne und SSW im Koalitionsvertrag geplant haben, gehört neben dem Drogen-TÜV („Drug-Checking“) auch, die Freimengen zum „Eigenverbrauch“ anzuheben und Drogenkonsumräume rechtlich abzusichern. Nicht bei allen Fachleuten aus den Drogen- und Suchtberatungsstellen des Landes kommen diese Liberalisierungspläne gut an. Manche halten sie für ein falsches Signal. „Damit würde die ehemals verbotene Droge Cannabis fast legalisiert“, sagt Christoph Schmidt, Leiter des Sucht- und Drogenberatungszentrums Südstormarn.
„Besonders bei jungen Menschen, deren Gehirn noch nicht voll ausgereift ist, kann Cannabis zu Entwicklungsverzögerungen oder Schädigungen führen“, sagt der Reinbeker Drogenberater Paul Binet.
Diese Gefahren kennt natürlich auch Jürgen Eulenpesch, Leiter der Alkohol- und Drogenberatung im Kreis Herzogtum Lauenburg. Er findet jedoch, die Frage nach der Freimenge und dem Drug-Checking werde oft überbewertet.
„Wichtig ist, dass Jugendliche nicht frühzeitig kriminalisiert werden, weil dies kontraproduktiv ist und oft erst den Kontakt zur Drogenszene vertieft“, weiß Eulenpesch aus Erfahrung. Der Markt werde laufend und völlig unkontrollierbar von neuen Substanzen überschwemmt, deren Verfolgung längst aussichtslos sei. „Deshalb ist es umso wichtiger, die Präventionsarbeit erheblich zu verstärken, damit Kinder und Jugendliche frühzeitig lernen, nein zu sagen“, so Eulenpesch.
Allerdings sei diese Arbeit weiterhin völlig unzureichend, meint der Experte. „Sie muss dringend ergänzt werden, um frühzeitig an gefährdete und konsumierende Kinder und Jugendliche heranzukommen und möglichst früh in den Familien zu intervenieren, bevor sich eine Abhängigkeit manifestiert. Das ist zentraler Teil einer vorausschauenden aktiven kommunalen Sozialpolitik.“
Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) erklärte unterdessen, Prävention bleibe oberstes Ziel in der Drogenpolitik und stellte Mitte August einen Cannabis-Präventions-Parcours für Achtklässler vor. Ob die Landesregierung ihre im Koalitionsvertrag formulierten Ziele wie den der Drogen-TÜV allerdings in die Tat umsetzt, wird sich zeigen. Derzeit prüft das Land neben fachlichen Fragen die haftungsrechtlichen Risiken.
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