Eisbrecher „Büffel“ ist für den Einsatz gewappnet

Das Eis kann kommen: Der „Büffel“ ist bestens vorbereitet. Das rund 33 Meter lange, knapp 9 Meter breite Flaggschiff der Eisbrecher-Flotte liegt zusammen mit neun anderen Eisbrechern auslaufbereit im Heimathafen Geesthacht. „Büffel“ wurde 1987 im Auftrag des Wasser- und Schifffahrtsamtes bei den Deutschen Werken in Berlin gebaut, ist 1170 PS stark. Der Tank fasst rund 25.000 Liter.
 
Jeder muss mal als Smutje ran und in der Kombüse den Kochlöffel schwingen, das Team trifft sich aber auch auf einen Kaffee zur Besprechung. „Wir kaufen für vier bis fünf Tage frische Lebensmittel ein und überlegen dann gemeinsam, was in den Topf kommt.“ Drei von fünf Besatzungsmitgliedern auf dem Eisbrecher-Flaggschiff "Büffel": Einsatzleiter Andreas Schultz, Maschinist Peter Voss und Matrosenmotorenwart Tino Lange (von links).
 
Die Kabinen im „Büffel“ sind vergleichsweise geräumig, mit eigener Waschgelegenheit. An Bord gibt es neben drei Einzelkojen auch eine Doppelkoje. „Zwischendurch kann man hier ganz gut schlafen“, sind sich die Kollegen einig.
Lauenburg/Geesthacht (mu). „Eis auf der Elbe“, berichtet Andreas Schultz und legt das Fernglas aus der Hand. Es ist Freitagmittag gegen 12 Uhr, als sich die ersten kleineren Eisstücke auf der Elbe sammeln.
Doch kein Grund zur Sorge: „Wir sind einsatzbereit“, erzählt der 45-jährige Einsatzleiter der Eisbrecherflotte in Geesthacht. Der erfahrene Binnenschiffer, seit 1990 bei der Eisbrecher-Besatzung an Bord des „Büffel“, koordiniert die Einsätze von der Brücke aus.
Der „Büffel“ ist das Flaggschiff der in Geesthacht stationierten Eisbrecher-Flotte des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Lauenburg. Stolze 1170 PS schlummern im Rumpf, verleihen dem Zweischraubenmotorschlepper jene Schubkraft, die er braucht, um die Fahrrinne auf der Elbe freizuhalten. Denn die Ladung der Binnenschiffer muss natürlich auch in den Wintermonaten ihr Ziel erreichen.
Vom Bauhof Geesthacht an der Wärderstraße aus starten die insgesamt zehn Spezialschiffe mit 38 Mann Besatzung erst dann in Richtung Hamburg nach Finkenwerder, wenn das Signal zum Einsatz kommt. „Das Eis bricht man von unten auf, also gegen den Strom, damit es in Richtung Nordsee abfließen kann“, erklärt Schultz die Vorgehensweise. Noch hat das Wasser zwei bis drei Grad, „aber wenn es anzieht, kann es recht schnell gehen“, weiß Schultz. Das Wasser fließt wegen geringer Niederschläge langsam, im Moment sind es unter 500 Kubikmeter pro Sekunde. „Im Februar dieses Jahres, als wir im Dauereinsatz waren, lag der Abfluss bei 2000 Kubikmetern pro Sekunde.“

Damit die Elbe bei Dauerfrost befahrbar bleibt, sind neben dem Flaggschiff dann auch „Widder“, „Stier“, „Elch“, „Bison“ und „Wolf“ – so einige Namen in der Flotte – durchgehend im Einsatz, für die Männer ein wahrer Knochenjob bei Eiseskälte.
Der Bug des Eisbrechers ist so geformt, dass sich das Schiff auf das Eis schiebt und es durch sein Gewicht zerbricht, dabei muss es möglichst genau in der Fahrrinne bleiben. Bei großen Eisblöcken hilft nur noch „Durchboxen“: Für das wiederholte Vor- und Zurückfahren wird dann die „Stampfanlage“ zugeschaltet, um die Fahrrinne freizurammen.
Bei Eintritt kritischer Eislagen werden acht Eisbrecher nach Hamburg verlegt, um von dort aus im Tidebereich bei Ebbstrom den Eisaufbruch zu beginnen und das Eis in Bewegung zu halten. Zwei Eisbrecher halten sich im Bereich der Staustufe Geesthacht auf, um hier die Eisabfuhr sicherzustellen. Der Eisaufbruch erfolgt meist auf einer Breite von 80 bis 100 Metern mit fünf bis sechs Eisbrechern nebeneinander. Das gewährleistet effektiv das ungehinderte Abschwimmen der Schollen auch hinter den Eisbrechern. Zwei bis drei Eisbrecher sorgen hinter den anderen dafür, dass die großen Schollen weiter zerknackt werden. Kleine Eisschollen treiben leichter auf dem Wasser und zerstören das Ufer nicht so stark. Sie stellen sich nicht ständig quer und blockieren die Hafenanlagen, sodass sich vor den Schleusen das Wasser staut.

„Büffel“ und seine Mannschaft sind gut vorbereitet
Zusammen mit Kapitän Michael Kropat, Maschinist Peter Voss, Steuermann Thorsten Pätow und Matrosenmotorenwart Tino Lange ist das gesamte „Büffel“-Team gut vorbereitet für die Eiszeit. „Hier auf dem Flaggschiff unserer Eisbrecherflotte bin ich in den Wintermonaten der fünfte Mann. In den letzten Wintern waren wir konstant im Einsatz, jetzt kommt der vierte kalte Winter auf uns zu“, sagt Schultz.

Im Moment sind sie zu dritt und bereiten den „Büffel“ weiter auf die Saison vor. Schultz, Voss und Lange überprüfen die Gerätschaften an Bord, außen wie innen: Sind die Schleppseile einsatzbereit, die Funkgeräte intakt, die Außenlampen funktionstüchtig? Jeder fasst mit an, kennt die Handgriffe, im Sommer übernimmt die Mannschaft alle erforderlichen Wartungsarbeiten selbst. Jetzt wurde die gesamte Flotte auf der Werft fahrtüchtig gemacht, die Einsätze im vergangenen Februar hatten die Schiffe ganz schön gefordert. Das Radarsystem ist bereit, der Verbandskasten noch vollständig. „Den haben wir zum Glück noch nie gebraucht“, sagt Schultz erleichtert. „Klar, hat mal jemand einen Schnupfen, das bleibt ja bei dem Hin und Her mit Schwitzen in der Kälte nicht aus.“
Auch unter Deck machen die Männer klar Schiff: „Wir wollen uns hier ja auch wohl fühlen, wenn wir schon ein paar Tage auf diesem engen Raum zusammen verbringen“, sagt Peter Voss (62). Der Maschinist ist seit 20 Jahren mit von der Partie auf dem „Büffel“ und insgesamt schon 40 Jahre im Dienst der WSA tätig.
„Jeder fasst mit an, ob als Smutje oder Saubermann.“ Und der Speiseplan kann sich auch sehen lassen, es gibt mal Schweinemedaillons mit Pilzen, Zwiebelchen und Pfeffersoße, Buletten mit herzhaftem Kartoffelsalat oder Bohnen mit Tomaten, durchwachsenem Speck und Rindfleisch.
„Das ist Peters Spezialität, den Bohneneintopf gibt’s immer zum Start in die Saison“, freuen sich die Mannschaftskollegen. Zu dritt oder viert wird dann in der Kombüse gegessen, während der Kapitän oder der Steuermann natürlich immer die Fahrrinne im Blick behalten und die Brücke besetzen. „Und wenn es gar nicht anders geht, werden Schnittchen gemacht“, ergänzt Voss.

Der längste Einsatz dauerte zweieinhalb Monate
Sie verstehen sich gut untereinander. Wenn einer mal weniger erzählt, wird er in Ruhe gelassen, irgendwann legt sich das wieder und man setzt sich zum Kartenspielen wieder zusammen. Auch der jüngste Kollege, Matrosenmotorenwart Tino Lange (22), seit Ende 2010 im Team, ist angekommen: „Ich bin sehr zufrieden.“
Es gab natürlich auch Kurioses im Laufe der Zeit: „Als wir im Winter 1989/90 mit der Flotte in Dömitz vorbeikamen, ist der große Festumzug vom Straßenkarneval gleich in Richtung Ufer abgebogen, um die Eisbrecher zu sehen“, erinnert sich Schultz an ein skurriles Ereignis. „Jetzt konnten die Bürger nach der Wende ja endlich nah ans Wasser kommen.“ Der längste Einsatz dauerte vom 13. Dezember 2002 bis zum 3. März 2003. Schultz: „Wir hielten den Elbeseitenkanal und die Elbe von der Staustufe Geesthacht bis zur Schleuse Uelzen eisfrei. Da waren die Eisschollen einen halben Meter dick.“ Immerhin: Weihnachten und Silvester waren die Männer für ein paar Tage zu Hause.
Wenn es wieder losgeht, packen die Männer vorsorglich für mindestens 14 Tage Sachen ein. Die Kälte, Schnee und Eis an Deck machen ihnen nichts aus. „Sonst kannst du den Job nicht machen. Ist doch die schönste Zeit, die es jetzt gibt“, sind sich alle in der Crew einig.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.