Meckerecke: Warum die Hackengeher nicht aussterben

Kann denn niemand mehr Abstand halten? Wo man geht und steht, rücken einem die Leute auf die Pelle. An der Kasse im Supermarkt nimmt der Hintermann Tuchfühlung auf, haucht einem seinen heißen Atem in den Nacken oder rammt einem den Einkaufswagen in die Hacken. Entschuldigung? Fehlanzeige! Und macht man einen Ausweichschritt nach vorn oder zur Seite, wird sofort aufgerückt.
Auch in anderen Alltagssituationen hat sich diese Art von Distanzlosigkeit eingebürgert. Im leeren S-Bahn-Wagon setzt sich ein Fahrgast genau neben mich, obwohl dreißig andere Plätze frei sind. Wildfremde Leute fragen mich nach dem Weg, was ja eigentlich völlig in Ordnung wäre, würden sie nicht erst einen Zentimeter vor meiner Nase stoppen oder mich am Ärmel festhalten.
Für mich bleibt dieses Verhalten rätselhaft. Am mangelnden Platz kann es nicht liegen, schließlich leben wir nicht in Tokio.
Am Nervigsten ist aber – wie es meine Wiener Freundin nennt – das Phänomen des „Hackengehers“. Das ist jener Zeitgenosse, der immer genau einen halben Schritt hinter einem bleibt. Wird man schneller, legt er ebenfalls einen Zahn zu. Fängt man an zu trödeln, passt er sich auch diesem Tempo an.
Doch für dieses Problem gibt es zum Glück eine Lösung: Konsequent so lange ausdauernd stehen bleiben, bis der Hackengeher aufgibt und dann doch überholt und dann selbst zum Hackengeher werden.
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