Diskussion über die Bergedorfer Kulturszene am 01. April 2014

Podiumsdiskussion am 1. April 2014 im Gewerkschaftshaus Bergedorf
 
Die Hamburger Kultursenatorin Prof. Barbara Kissler in Bergedorf
Hamburg: Gewerkschaftshaus |

Ist-Zustand

Die Hamburger Kultursenatorin Prof. Barbara Kissler

kam zu einer gut besuchten Podiumsdiskussion nach Bergedorf. In ihrer einleitenden Rede ging sie auf die vielen kulturellen Einrichtungen ein, die Hamburg gegenüber Berlin auszeichnen. Auch der Bezirk Bergedorf hat eine lebhafte Kulturszene.

Einrichtungen

Die Diskussion ging um die LoLa mit dem Ableger KiKu, welche beide am finanziellen Existenzminimum herumdümpeln, obwohl sie in ihrer Arbeit sehr erfolgreich sind. Das Kultur-A in Allermöhe bekommt überhaupt keine Kulturmittel.

Künstler und Chöre

Die schaffenden Künstler, vertreten durch Herrn Kraft beklagten, dass in Bergedorf nicht genügend für die Kunst getan würde. Ebenso wie die Vertreterin mehrerer Chöre klagten sie darüber, dass es zu wenig Nachwuchs gäbe. Der Nachwuchs an Künstlern ziehe in andere Stadtteile, und bei den Chören gäbe es eine Generationenlücke, weil Singen einige Zeit einfach out war, und so gibt es nur alte Chöre mit Senioren und Kinderchöre, aber nichts dazwischen.

Theater

Über die Theaterszene wurde auch berichtet, hauptsächlich aber aus Schulsicht. Sicher sind Bühnen wie im Haus im Park eine Bereicherung – besonders bei der demografischen Entwicklung. Durch die Ganztagsschule habe sich ein Wandel ergeben, der u. a. dazu geführt hat, dass die Schüler mehr oder weniger vollzeitbeschäftigt sind und für zusätzliche Aktivitäten keinen Spielraum mehr haben. Das verlagert kulturelle und soziale Aufgaben von außerhalb der Schule auf die Schule.

Kino

Das Thema Kino wurde auch angesprochen. In Bergedorf gibt es nur dieses eine Hansa Kino in der alten Holstenstrasse. (Immerhin!) Da wurde eingewendet, dass im Gewerkschaftshaus auch jede Woche ein Film gezeigt würde.

Literatur

Die Gesprächsrunde dauerte deutlich länger als man geplant hatte. Als letzte Sprecherin aus dem Publikum stellte ich mich vor. Ich bin Charlene Wolff und Königin aus dem TextLabor Bja, wir haben als Teil der Kultur auch Literatur in Bergedorf, und ich vertrete diese offene Lesebühne, die sich seit bereits über 3 Jahren großer Beliebtheit erfreut. Das TextLabor tagt jeden ersten Mittwoch im Monat im BeLaMi, und das sind immer richtig nette Kulturabende mit Literatur und Musik. Ich habe die Bergedorfer Lesebühne auf dem Königinnentag und auf der Grünen Woche in Berlin vertreten und bekannt gemacht. Von der Nordsee bis nach Polen und von der dänischen Grenze bis nach Bayern und ins Allgäu. In Hamburg bin ich auch keine Unbekannte in der Kulturszene mehr. Ich würde mir wünschen, dass die Literatur als wichtiger Teil unserer Kultur entsprechende Beachtung fände. Daran arbeite ich.

Klassische Komponisten

Es wurde von einem Zuhörer angesprochen, welche klassischen Komponisten wie Johannes Brahms Wurzeln in Bergedorf haben, was viel zu wenig Beachtung fände.

Moderne Musikszene

Gerne hätte ich noch erwähnt, dass wir dank des Engagements einzelner auch eine interessante Musikszene mit lebenden Musikern haben. Da gibt es z. B. den Club Am Donnerstag, und auch im TextLabor gibt es jedesmal Live-Musik.

Multi-Kulti

Ein wichtiger Einwand aus dem Publikum bezog sich auf die Frage nach interkulturellen Angeboten. Mir scheint, dass hier wirklich eine Lücke existiert. Wir haben dieses tolle Wort "Migrationshintergrund". Tatsächlich leben bei uns in Hamburg Menschen aus 180 Nationen. Den ganzen Abend wurde dazu praktisch nichts gesagt. Mein Eindruck ist auch der, dass bei interkulturellen Angeboten zwar Menschen aus anderen Kulturkreisen angesprochen werden, aber kaum Deutsche. Das ist schade. Auch wenn wir fremde Kulturen nicht übernehmen wollen, ist es doch ausgesprochen interessant, in sie hineinzuhorchen. Nicht alles ist bei uns perfekt. Wir können voneinander lernen oder in der anderen Kultur eine Bereicherung finden und dennoch unsere Identität behalten. Im Übrigen ist das TextLabor multi-kulti: Wir hatten schon Ungarn, Türken und Amerikaner, die ihre deutschsprachigen Texte vortrugen und auch Reiseberichte aus Marokko.

Kultur sind wir

Kultur fällt letztlich nicht vom Himmel herab. Die Einrichtungen geben uns die Möglichkeit, Kultur zu konsumieren, aber eigentlich sind wir die Kultur. Wir leben die Kultur, und dadurch bekommt Kultur überhaupt erst die nötige Dynamik.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.