Königin muss im Jazz Club vor Rührung heulen

Im Jazz Club ist es so urig, dass es sich schon deshalb lohnt, zu kommen
 
Wer ist bereit, den Soundyard zu unterstützen?
Hamburg: Jazz Club Bergedorf | Wer den Jazz Club Bergedorf noch nicht kennt, sollte unbedingt mal hingehen. Er ist im Suhrhof, das ist ganz nah am Bahnhof und von außen ein bisschen unscheinbar.

Von innen nicht:

Es gibt laufend Konzerte verschiedenster Musiker – nicht nur Jazz. Immer wieder gibt es auch sogenannte "Jam Sessions". Das sind Abende, an denen es keinen Eintritt kostet und jeder Musik spielen kann, der es möchte. Normalerweise kommen Musiker zusammen, die einfach Spitze sind.

So auch am 16.12.2015.
Zum Auftakt spielt die "Hausband". Natürlich kennt man die Königin der Texte dort schon.

Soundyard hat eine neue Lautsprecheranlage angeschafft, und weil das eine große Investition ist, bittet man um Spenden und bietet sogar Anteilsscheine über je 50 € zur Zwischenfinanzierung, die sich auch wieder zurücktauschen lassen. Damit liegt Soundyard im Trend. In anderen Ländern ist Crowd Funding schon sehr erfolgreich, warum also nicht auch in Bergedorf? Die neue Anlage klingt gut und steht Musikern im Jazz Club zur Verfügung.

Aber egal, wie teuer die Anlage ist, richtig Musik macht sie nur, wenn Musiker kommen und sie zum Klingen bringen.

Und das taten sie. Ich bin nun keine Kennerin der Songs, die bei der Jam Session dort gespielt wurden. Für die Musiker waren als "alte" Titel, für mich eben neu, aber sie gingen unter die Haut.

Interessant ist, dass die Musiker vorher nicht zusammen geübt oder Stücke einstudiert haben, sondern spontan zusammen spielen. Meist schlägt einer einen Titel vor und gibt die Tonart an, und dann geht es los.

Bei manchen Titeln spielen auch einige Musiker und andere greifen dann plötzlich ihre Instrumente und stimmen mit ein oder legen Soli hin.

Da war zum Beispiel dieser Saxophonist. Plötzlich legte er ein Solo hin, das mich so mitriss, dass ich tatsächlich Tränen in den Augen hatte. Die Musik war so emotional und ergreifend!

Milan schlug auch in die Saiten seiner E-Gitarre, und ich bebte förmlich vor Musik. Vielleicht ergriff mich die Musik so, weil ich momentan besonders empfänglich für Emotionen bin. Mit anderen Zuhörern konnte ich es leider nicht vergleichen; außer mir waren wohl fast ausschließlich Musiker da, die aber auch mitsangen, wo es sich ergab.

Die beiden hätte ich gerne mal im TextLabor – aber dann würden die Wände wackeln, vielleicht wäre das für zartbesaitete Literaten auch zu viel.

Die Musiker wechselten wieder, und es kam ein Trio mit Gitarre, Cajon und Mundharmonikas auf die Bühne.

Der riesige Mann mit den vielen Mundharmonikas war zunächst eigentlich nur am Rande zu hören. Aber es war ein uriger Typ, wie man ihn sich als Amerikaner vorstellt in Jeans-Latzhose und üppig gebaut und groß. Mit seinen Koteletten unverwechselbar.

Manchmal benutzte er ein Spezialgerät, das den Klang verzerrte. Aber die Mundharmonika war nicht dominant, die beiden anderen waren lauter, besonders der an der Gitarre, der manchmal gleichzeitig auf seiner viel lauteren Mundharmonika blies, die in einem Gestell um seinen Hals hing. Der Mann mit dem Saxophon spielte noch mehr Instrumente und stieg mal mit seiner Querflöte ein, die fast wie Jethro Tull klang und dann wieder mit einer Melodika und am Ende mit einem Bass.

Der Mann mit den Mundharmonikas entwickelte nach und nach noch mehr Energie. Dann wurde auch offensichtlich, dass er jede Menge unterschiedliche Mundharmonikas in so etwas wie einem Setzkasten hatte.

Die Musik spielte den ganzen Abend. Jede Session war wieder anders. Mal war es Rock'n'Roll, mal Jazz, mal Swing und wie die Richtungen alle heißen. Ich war jedenfalls begeistert und wollte nicht nach Hause gehen, obwohl ich längst müde war.

Irgendwann kam Peggie von der Arbeit. Den Musikern war sie allen bekannt; ich hatte sie auch schon mal gesehen, aber nicht persönlich kennengelernt. Sie erinnerte mich an Christall, die ja auch Musikerin ist und unter Musikern ähnlich aufgenommen wird.

Peggie hat für eine Frau eine sehr tiefe und kräftige Stimme, die oft mit Janis Joplin verglichen wird. Auf jeden Fall wurde sie aufgefordert, auch zu spielen und bekam dafür eine besonders tolle Gitarre geliehen, die sie bewunderte wie eine Stradivari.

Mit ihrer starken Stimme und der Gitarre legte sie eine Performance hin, bei der man nicht nach Hause gehen kann, auch wenn man vor Müdigkeit fast vom Stuhl fällt.

Wenn wieder Jam Session ist und ich es einrichten kann, werde ich wieder dabei sein. Zu gerne würde ich nicht nur zuschauen, sondern mitmachen. Aber das würde voraussetzen, dass ich die Lieder und vor allem die Texte kenne, was leider nicht der Fall ist.

Hier ist auch ein Video von einer früheren Jam Session im Jazz Club:
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