Wetten…dass?!? das TextLabor besser war als die Fernsehsendung?

TextLabor - gut besucht bis hinten hin
 
Rapper VicMC auf der Bühne im TextLabor
Hamburg: BeLaMi | Wo ist es geblieben, das große Unterhaltungsprogramm der staatlichen Fernsehsender? Wetten…dass?!? Mit Thomas Gottschalk war ein Showabend für die ganze Familie. Welche bekannten Promis waren nicht bei Gottschalk auf dem Sofa!

Nun kam die Sendung in die Jahre, die Wetten, um die es ging, mussten immer einschlägiger werden, da man alles andere schon gesehen hatte, und irgendwann passierte dann dieser schlimme Unfall, der Gottschalk bewog, die Sendung abzugeben. Es wurde viel diskutiert, ob das eine gute oder eine schlechte Entscheidung war und noch viel mehr, wer denn in seine riesigen Fußstapfen treten sollte.

Die Luft war raus. Man erkannte nicht, dass das Erfolgsrezept nicht "Wetten…dass?!?" hieß, sondern "Gottschalk". Mit Gottschalk verließen unzählige Zuschauer das Publikum der Sendung und über Markus Lanz wurde geschrieben, es sei zu steif und hätte keine Zugkraft mehr.

Wetten…dass!?! War wie die meisten Fernsehshows durchgeplant. Man wusste genau, wer kommen würde, auf die Minute genau, wann er auftreten würde und jedes einzelne Wort, das der Moderator sagen würde, den Titel jedes Songs, der gesungen wurde.

Ich glaube, Gottschalk hielt sich nicht immer daran. Er konnte es sich erlauben, weil er der Star war und die Zuschauer vor den Fernseher holte, selbst dann, wenn er mal nicht so besonders originell war. Man verzieh es ihm, weil man wusste, glaubte, dachte, dass er es wieder wettmachen würde.

Im TextLabor läuft es anders, und doch möchte ich es miteinander vergleichen. Jeder Kulturabend im TextLabor ist eine Überraschung. Im Gegensatz zu Fernsehshows ist nichts planbar. Es gibt keine Ankündigung, dass die und die Stars mit den und den Beiträgen auftreten werden. Niemand weiß vorher, wer kommen wird und ob es gut wird. Das gibt dem TextLabor Bergedorf eine Lebendigkeit und Dynamik, mit der Wetten…dass!?! Nicht mithalten konnte.

Die Besucherzahlen (es war wieder bis hinten hin voll) zeigen den Erfolg.

Als Moderatorin habe ichkeine Texte auswendig gelernt, mir nicht zurecht gelegt, was und wie ich es sagen will. Auch ich muss mich komplett überraschen lassen und aus der Situation das Beste machen. Mein Publikum bestätigt mir, dass ich es gut mache.

Einzig ist vorher bekannt, wer das musikalische Rahmenprogramm ausrichten wird. Es sind Profimusiker, die es ehrenamtlich tun. Was sie letztlich spielen, bleibt genauso eine Überraschung für alle, Moderatorin eingeschlossen, wie alles andere.

So ein TextLabor-Abend ist wie ein großer Sack voller Geschenke. Wir packen eines nach dem anderen aus, erfreuen uns dran, bejubeln es und halten es in unserem Herzen fest. Dargebracht werden die Geschenke von der bezaubernden Königin der Texte. Und jedes Mal ist es nicht nur spannender als bei Quiz Shows wie der von Günter Jauch, es braucht auch keine in die Länge gezogenen Zitterpartien mit Untermalung durch gruselige Klänge. Ein Highlight folgt dem nächsten.

Und das mit den Star-Interviews, macht Charlene jetzt auch. Vielleicht spendet irgendjemand dann noch das rote Sofa, das bei Wetten…dass!?! Ja jetzt nicht mehr gebraucht wird. Aber TextLabor ist nicht Wetten…dass!!

Seit einiger Zeit hat man das Gefühl, das TextLabor wächst über sich hinaus. Die Beiträge werden immer professioneller und mitreißender und die Moderation übertrifft sich jedes Mal selber. Und trotzdem kriegt Charlenees immer wieder hin, dass sich auch neue Besucher trauen, ihre Beiträge darzubieten.

VicMC zum Beispiel, ein junger Rapper, der bei seinem ersten Auftritt hoffnungslos seinen Text vergessen hatte. Er steht jetzt souverän seinen Mann auf der Bühne und zieht auch sehr komplexe Raps durch.

Cleo zum Beispiel. Sie traute sich zum ersten Mal auf die Bühne des TextLabors, denn sie ist gerade erst nach Bergedorf gezogen, und mit ihrem Auftritt im TextLabor ist sie auch gut in Bergedorf angekommen.
Auch die altbekannten Gesichter bringen immer wieder Beiträge, die sich gewaschen haben.

Bert, der letztes Mal das Potential von Backpulver erforscht hat und damit sehr viel Beifall erntete, war am Schalsee zum Modedesigner geworden, der die abgefahrensten Schals präsentierte.

Arne Poeck verulkte ihn als ModeR-Designer, aber bei dem Auftritt der großartigen Christall (Christiane Seebach) kochte er vor Freude und Begeisterung förmlich über. Deren Redeschwall überforderte unseren Spezialisten für Wortsalat und Dadaistische Texte zum ersten Mal. Überhaupt waren sowohl die literarischen als auch die musikalischen Beiträge phänomenal.

Chili & Honey als musikalischer Rahmen, Christoph Biermann mit seinen Liedern und wie schon erwähnt Christall mit ihren beiden Liedern drangen direkt in die Herzen der Besucher. Dabei kann man das dramatische Lied "Gräser" von Christall auch noch als Welturaufführung bezeichnen. Es geht dabei um die Abrechnung mit den tragischen und erniedrigenden Erlebnissen aus der Kindheit, und je mehr Menschen ich kennenlerne, desto öfter höre ich von tragischen Kindheiten. Dies einmal hinauszuschreien, ist wichtig.

Stolz bin ich darauf, dass der Turnarond erreicht ist: großartige Musiker fragen jetzt, ob sie im TextLabor spielen dürfen. Im Oktober macht Christoph Biermann das Musikprogramm, am 3. Juni beim letzten TextLabor-Abend vor der Sommerpause gestaltet Christall die musikalische Begleitung. Es lohnt sich also, ins BeLaMi zu kommen, denn Christall ist der Hammer!

Ob das TextLabor nun jeden ersten Mittwoch im Monat aufgezeichnet und dann als Samstagsabendprogramm in ZDF gezeigt wird?

Nun, ich würde nicht drauf wetten. Aber sollte es so kommen, dann würde ich es mir ansehen. Wetten…dass!?!
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