25 Jahre Elmenhorster "Herbstzeitlose": Sechs Damen radeln ihrem Jubiläum entgegen

Seit fast 25 Jahren ist freitags Radfahrtag in Elmenhorst. Von links: Margret Relling (80), Walli Tanger- mann (77), Sigrid Krause (78), Christa Otto (67) und Edith Ehlers (81).
 
Die "Herbstzeitlosen" in ihrem Kaffee-Hauptquartier, der Roseburger Kartoffeldiele.
Ein kühler, grauer Freitagnachmittag Anfang November. Wildgänse ziehen laut schnatternd über das Dorf. Sigrid Krause sitzt auf ihrem Fahrrad und schaut nach oben. Die 78-jährige Elmenhorsterin ist auf dem Weg zu ihrer Radlerfreundin Margret Relling (80). „Dort treffen wir uns, um alle zusammen zum Kaffeetrinken nach Roseburg zu fahren“, erzählt sie. Heute allerdings nicht mit dem Fahrrad. „Sobald die Uhren im Herbst umgestellt sind, haben wir Winterpause“, sagt Sigrid Krause. „Deshalb nehmen wir heute das Auto.“

Freitags ist Radfahrtag

„Wir“, das ist eine Gruppe von sechs Damen im Rentenalter, die von Elmenhorst aus regelmäßig zusammen auf Fahrradtour gehen und sich „die Herbstzeitlosen“ nennen. Den ganzen Sommer über waren sie mit dem Rad unterwegs. Immer freitags um halb drei ist Treffpunkt bei der Bushaltestelle an der Bundesstraße. Zu spät kommt niemand. Im Gegenteil. „Man ist traurig, wenn man freitags irgendwo eingeladen ist. Da kann der Papst kommen – freitags ist Radfahrtag“, sagt Sigrid Krause. Kurz wird an der Haltestelle beratschlagt, wohin es gehen soll. Dann sieht man von den sechs Damen nur noch die Rücklichter.

Verein ohne Satzung

Doch jetzt ist Herbst und die Saison vorbei. Vor dem Haus von Margret Relling begrüßen sich die fünf Damen mit großem Hallo. Die Büchnerin Elsa Günther wird erst in Roseburg zu ihnen stoßen. Gern nehmen die anderen Aufstellung mit Fahrrad auf dem Rasen – nur fürs Foto. Ein bisschen stolz sind sie schon, schließlich sind sie nicht mehr die Jüngsten. „Denkt dran, nächstes Jahr haben wir Silbernes“, sagt die Älteste von ihnen, die 81-jährige Edith Ehlers, scherzhaft. „Die Herbstzeitlosen sind wie ein Verein, nur ohne Satzung. Seit 25 Jahren fahren manche von uns schon zusammen Rad, und dabei haben wir jedes Mal eine Menge Spaß.“

Bei Kaffeedurst geht's nach Roseburg

Für heute haben die Räder allerdings ausgedient und kommen wieder in die Garage. Jetzt wartet Kaffee satt und der gute Kuchen in der Roseburger Kartoffeldiele. Auf der wunderschönen und leicht hügeligen Fahrt nach Roseburg gerät Sigrid Krause ins Schwärmen. „Hier kann man richtig sausen.“ In der Kartoffeldiele werden sie von der Chefin Doris Langhans erwartet. Sie kennt die Elmenhorster Fahrrad-Gang schon seit 2005. „Wir hatten noch gar nicht eröffnet, da standen sie vor der Tür und hatten Kaffeedurst“, sagt Doris Langhans. „Ich habe ihnen dann welchen gekocht und in zusammengewürfelten Tassen nach draußen gebracht. Seither kommen sie jedes Jahr mehrmals hierher.“

Nun sitzen sie allerdings nicht mehr draußen, sondern um den gemütlichen Tisch bei Kaffee satt und Quark-Mandarinen-Kuchen in ihrem „Hauptquartier“ und erzählen. Dass sie meist erstmal an die zehn Kilometer fahren, sich auf einen Baumstamm setzen und ausruhen. Dass dann die Flasche Sekt herausgeholt wird, die grünen Sitzkissen und die blauen Becher, und das Knabberzeug. Dass das anschließende Einkehren fast genau so wichtig ist wie das Radeln. Dass sie früher, als die Landwirtinnen Margret Relling und Edith Ehlers abends noch die Tiere füttern mussten, erst um 6 Uhr los gefahren sind und nach 40, 50 Kilometern im Dunkeln zurückkamen. Dass es in der Elmenhorster Gaststätte hieß: Die Radlerinnen sind noch nicht da, wir können noch nicht schließen“, und sie egal wie spät noch etwas zu essen bekamen.

Anekdoten haben sie genug zu erzählen

Oder wie sie bei der Weltmeisterschaft 2006 Deutschlandfähnchen am Rad hatten und ihnen in Köthel jemand „da kommt ja die Elmenhorster Oma-Rallye“ zugerufen hat. Und, und und. Geschichten haben sie viele zu erzählen. Eine Anekdote jagt die nächste. Zum Beispiel auch von dem Wildschwein, das ihnen bei Basthorst zwischen den Rädern durch gelaufen ist genau so wie das Reh, das plötzlich aus dem Wald hervor geschossen kam.

Ob von Elmenhorst über Wotersen nach Roseburg, über Büchen am Kanal entlang nach Mölln oder einfach nur durch Feld und Flur – keine Tour ist wie die andere. Und eine reife Leistung. Jetzt im Herbst und Winter, darin sind sie sich einig, wird man etwas steifer. Aber sobald im Frühling die Uhren umgestellt werden, geht es auf alle Fälle wieder auf den Sattel. Schließlich steht das Jubiläum an. Allerdings unter einer Voraussetzung: „Mal sehen, wie es uns dann geht“, sagt Edith Ehlers. „Das Absteigen wird leider zunehmend schwieriger.“
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