Die Liebe und das Leben - Michael Kahr lebt jetzt nicht mehr auf der Straße

Michel Kahr ist Straßenverkäufer des Hamburger Magazins Hinz und Kunzt. Er steht in der Sky-Passage in Geesthacht. Früher lebte er auf der Straße. Jetzt wohnt er in einem Wagen auf dem Campingplatz in Tespe.
Michael Kahr ist ein gebranntes Kind. Sein Vater war Alkoholiker, seine Mutter konnte die Kinder nicht aufziehen. Mit zwei Jahren kam er ins Kinderheim, danach ins Jugendheim, dann ins geschlossene Heim. „Morgens hieß es oft, zieh dich an, du wirst verlegt“, erzählt der 52-Jährige Hamburger, der in der Geesthachter Sky-Passage das Straßenmagazin Hinz und Kunzt verkauft. Was er 16 Jahre lang in den Heimen erlebte, hat er „irgendwo ganz weit nach unten gesteckt. „Damals machte ich dicht, ließ niemanden mehr an mich heran.“ Mit 18 wurde er entlassen – 30 Mark in der Tasche und eine Jeans, aber ohne Schulabschluss. Man war froh, mich los zu sein.“ Kahr verbrachte die meiste Zeit seines Lebens auf der Straße, machte Erfahrungen mit Alkohol und Drogen, arbeitete zwischendurch als Gabelstaplerfahrer und Bademeister.

Obwohl er so viel durchgemacht hat, dass es für mehrere Leben reichen würde, blitzen seine blauen Augen heute vor Energie und Lebensfreude, wenn er spricht. „Seit einem Jahr bin ich trocken“, sagt er, und man sieht ihm an, dass er es bleiben will.

Kein Wunder, schließlich hat der ehemalige Obdachlose endlich nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch die Liebe seines Lebens gefunden. Jahrelang schlief er in Hamburg unter der Kennedybrücke. Jetzt wohnt er in einem Wagen auf dem Campingplatz in Tespe und lebt von Hartz IV. „Ich bin viel draußen in meinem kleinen Garten und arbeite an meinem Wohnwagen“, erzählt Kahr. Auf Wunsch seiner Partnerin hat er schon eine Terrasse verlegt, ein Fenster ausgetauscht und das Bad umgebaut. „Frauen können anstrengend sein“, meint er lachend. „Aber ich möchte um nichts in der Welt mehr tauschen.“ Seit acht Jahren kennen ihn die Geesthachter als Zeitungsverkäufer. Und er kennt sie. Denn viele bleiben bei ihm stehen auf einen Plausch. „Sie sind sehr nett“, sagt Kahr. „Das ist mir sehr wichtig.“
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