Familie Tomschi und der Traum vom Fliegen

Der Traum vom Fliegen: Christian (35) und Peter Tomschi (70) mit ihren Modellflugzeugen kurz vor dem Start auf der Wentorfer Lohe.
 
Auf Vater und Sohn übt das Fliegen seit Jahrzehnten eine große Faszination aus. Per Fernsteuerung lenken sie die Wege ihrer Modellflugzeuge.
Wentorf/Bergedorf. Blauer Himmel über der Wentorfer Lohe – ideales Fliegerwetter. Das neue Jahr ist noch jung, Peter und Christian Tomschi sind zum ersten Mal in diesem Winter unterwegs, packen ihre Flugzeuge aus. Surrend steigen die Elektroflieger in den Winterhimmel. Obendrauf: eine Kamera. Vater und Sohn sind zufrieden. Später werden sie die winterliche Lohe von oben sehen. Denn auf dem Flugzeugrücken ist eine Digitalkamera angebracht, die den Rundflug aufgezeichnet hat – die neueste Errungenschaft der Familie Tomschi.

Erst vor zwei Jahren brach für Peter und Christian Tomschi eine neue Ära an. Der Grund war eine neue Generation von Akkus. Seither können die beiden passionierten Modellflugzeugbauer aus Bergedorf ihre Flugzeuge steigen lassen, ohne immer gleich mit dem Schlimmsten zu rechnen. Denn dank der neuen Akkus sind die Flieger jetzt viel leichter, haben ein gutes Gewicht-Leistungs-Verhältnis und schaffen es daher meist unversehrt zurück auf die Erde.

So einfach wie heute war es bei weitem nicht immer. "Früher war der Crash vorprogrammiert“, erzählt Peter Tomschi (70). "Das lag an schweren Motoren und schlechten Akkus." Seit mehr als 40 Jahren ist der Bergedorfer, der früher bei Axel Springer in der Marktforschung gearbeitet hat, mit dem „Modellflieger-Virus“ infiziert. Seither verwendet er, wenn er nicht gerade Kontrabass im Hasse-Orchester oder Gitarre bei Guido and the campfire spielt, einen großen Teil seiner Freizeit darauf, Modellbausätze zu Flugzeugen zusammenzufügen. „Und am Wochenende ging es immer los“, erinnert sich auch der Sohn, Christian Tomschi (35), auf den das Virus natürlich übergesprungen ist. „Dann wurde das Auto für einen Tagesausflug gepackt. Leider währte das Glück meist nur kurz, wenn mein Vater das mühsam zusammengebaute Flugzeug steigen ließ und wenig später vor den Trümmern stand.“

Also drehte die Familie jedes Mal um und fuhr vorzeitig zurück nach Bergedorf – das kaputte Flugzeug im Gepäck. Denn Peter Tomschi gab so schnell nicht auf, baute in seinem gut ausgestatteten Hobbykeller aus mehreren zerschellten Fliegern einen neuen – und das Spiel begann von vorn. Ein, zwei Monate arbeitete er am nächsten Modell. Dann kam wieder der große Moment: „Wenn das Flugzeug in der Luft war, wurde es extrem aufregend. Denn beim ersten Fehler war alles umsonst.“

Kurzum: Früher wurde viel mehr gebastelt als geflogen. Heute ist es meist umgekehrt. Alles ist einfacher geworden. Die Modellbausätze kosten viel weniger Geld, sind häufig vormontiert und aus fast unzerstörbarem Schaumstoff anstelle von Balsaholz mit Bespannung und, vor allem, mit besserer Technik ausgestattet. „Heute fliegen sie fast von alleine“, sagt Christian Tomschi. Das gilt allerdings nicht für seine kleinen Helikopter, deren präzise Steuerung ein Höchstmaß an Konzentration erfordert.

Zur Zeit tüftelt der Junior in seinem Werkraum in Wentorf an einer sogenannten Drohne, einem Flugkörper, der völlig autonom fliegen soll, ohne Fernsteuerung, aber mit GPS, Gyroskop und Beschleunigungssensoren.

Ein anderer Traum von ihm ist das FPV-Fliegen. Dabei ist am Flugzeug eine Kamera angebracht - sie filmt das Geschehen aus der Luft und sendet die Bilder als Cockpit-Sicht an die Videobrille des Piloten. Der Pilot steht zwar am Boden, steuert das Flugzeug aber aus der Sicht des Flugmodells. Noch hat er zwar nicht das ganze Know-How für die neuen Technologienzusammen. Doch der gelernte Kfz-Mechaniker, Elektroniker und Servicetechniker, der beim Autohaus Krüll als After-Sales-Manager alle neun Filialen betreut, ist zuversichtlich. "Wenn die Drohne demnächst nach Plan funktioniert, schicke ich sie zum Pizza-Holen nach Bergedorf", scherzt der junge Mann.
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