Neue Liebe, neues Leben: Bille-Wochenblatt wird zum Ehestifter

Barbara und Hans-Heinrich Heymann lernten sich über eine Anzeige im Bille-Wochenblatt kennen - und lieben. Foto: Klotz

Er suchte eine Frau fürs Leben, sie wollte eigentlich keine neue Beziehung. Wie es kam, dass Hans-Heinrich und Barbara Heymann ein Paar wurden. Und wie das Bille-Wochenblatt dabei half.

Bergedorf/Geesthacht. Zuerst verliebte sie sich in seine Stimme. „Der Text, den er bei der Partnervermittlung auf Band gesprochen hatte, klang sehr schön, sehr fließend und locker gesprochen“, erzählt Barbara Heymann, die damals noch Werner hieß. „Dann kam er darauf zu sprechen, dass er Freizeitjäger ist, dass ihm sein Hund zwar wichtig sei, er aber genügend Platz in seinem Leben für eine Frau habe. Und dass er nur eine ernsthafte Beziehung sucht.“

Das war auch der Grund, warum sie den Telefonhörer gleich wieder auflegte. „Ich wollte zu dem Zeitpunkt eigentlich gar keine Beziehung.“ So geschehen an einem Samstagabend Anfang Oktober 2011. „Die Kinder waren nicht da, und ich griff mir das Bille Wochenblatt, las querbeet in den Kontaktanzeigen, nur so aus Spaß, ohne wirklich jemanden zu suchen“, erzählt sie jetzt, rund zweieinhalb Jahre später und lacht dabei ihren Ehemann an. Eine andere Anzeige weckte ihr Interesse. „Jemand wollte einen Kreis aufbauen zum gemeinsamen Ausgehen: Essen, Kino, Tanzen. Das war genau das Richtige für mich.“ Also rief sie dort an. „Er hatte aber keine Ansage. Ich sollte direkt zu ihm durchgestellt werden, das wollte ich nicht. Der nächste, den ich hörte, war stark alkoholisiert. Also legte ich auf und warf das Wochenblatt ins Altpapier.“

Das Wochenblatt wieder aus dem Altpapier geholt

Die Stimme des Mannes mit dem Hund ging ihr nicht aus dem Kopf. Am Dienstag holte sie die Zeitung aus der Tonne und rief wieder die Nummer an. Das Band hatte sich geändert. Erst an achter oder neunter Stelle hörte sie ihn sprechen. Nach diesem Schreck bat sie nur kurz um Rückruf und legte auf. Am gleichen Abend klingelte bei ihr das Telefon. Und hier beginnt die gemeinsame Geschichte von Barbara und Hans-Heinrich Heymann.

„Eine Stunde dauerte unser erstes Gespräch“, erzählen die beiden und lachen sich verliebt an. „Wir quatschten über Gott und die Welt. Man hat sich ja viel zu erzählen, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat. Die Kinder, der Hund, der Wellensittich, die Fische... und was man sonst alles so macht“, meint Hans- Heinrich (61). Zwei Wochen lang ging das so. „Jeden Abend haben wir zusammen telefoniert. Dann wurde es Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen. Also haben wir uns verabredet: in Bergedorf um 15 Uhr vor der Kirche St. Petri und Pauli“, sagt Barbara Heymann (51).

Er hatte eine gelbe Rose in der Hand. Daran sollte sie ihn er-kennen. Fast hätte sie kurz vorher noch gekniffen, so aufgeregt war sie vor ihrem ersten Treffen. „Wenn meine Tochter Roxana nicht gesagt hätte: Mama, das kannst du nicht machen, er kommt extra aus Geesthacht nach Bergedorf, du gehst da jetzt hin.“ Nur kurz eine Tasse Kaffee zusammen trinken wollten die beiden. Dann kam alles anders. Die Sonne schien an diesem schönen 30. Oktober, sie gingen spazieren an der Bille, danach Kaffee trinken, wieder spazieren und „blieben dann im November hängen.“

Die beiden verstanden sich auf Anhieb. „Ihre Augen und ihr Lachen haben mir gleich gefallen“, sagt Hans-Heinrich Heymann. Und sie war von seiner lebendigen Ausstrahlung fasziniert. Erst als es schon dunkel war, trennten sie sich. Der Grundstein war gelegt. „Ich konnte kaum glauben, dass er so ganz ähnliche Lebenspläne und -wünsche hat wie ich.“ Doch noch war sich Barbara nicht sicher, ob sie wirklich bereit für eine neue Beziehung war. Viele weitere Gespräche folgten, auch ein sehr ernstes Gespräch war dabei. Denn für Hans-Heinrich stand fest: Oh- ne grenzenlose Ehrlichkeit und Offenheit von Anfang an kann das Ganze nicht funktionieren. „Das hat er mir deutlich gesagt“, sagt Barbara. Also legte sie „zwei, drei große Baustellen“ auf den Tisch. „Das war riskant“, sagt sie. Mit seiner Reaktion hätte sie nicht gerechnet. „Das schaffen wir“, meinte er nur.

Guter Zeitpunkt für einen Neuanfang

Es stimmt einfach alles zwischen den beiden. Gut zwei Jahre lang führten sie eine Wochenendbeziehung zwischen Geesthacht-Grünhof und Allermöhe. Solange ihre drei Kinder noch bei ihr wohnten, wollte Barbara die Wohnung behalten. Hans-Heinrich hatte zwei Ehen hinter sich. Auch seine Kinder gehen mittlerweile ihre eigenen Wege. Nur Sohn Patrick (22) wohnt noch bei ihm. „Jetzt war die Bahn frei für uns. Ein guter Zeitpunkt, noch mal neu anzufangen zu leben“, sagen beide.

Am 20. Juni haben sie in Geesthacht geheiratet. Barbara gab ihre Wohnung in Aller- möhe auf und zog zu ihrem Hans-Heinrich. Ein neues Leben angefangen haben sie tatsächlich. Mindestens zwei Mal pro Woche holt er sie von der Arbeit ab. Er arbeitet als kaufmännischer Angestellter in Billbrook, sie als Arzthelferin in Bergedorf. Dann fahren die beiden irgendwohin und trinken Kaffee, reden, schauen sich an. Abends gehen sie ins Fitness-Studio. Und sie haben zusammen einen Tanzkurs begonnen. Überhaupt lieben sie das Tanzen. „Fast jeden Samstag sind wir auf irgendeiner Party unterwegs. Ü30, Ü40, Ü44. Das ist das Richtige für unsere Altersgruppe. Oder wir gehen auf Flohmärkte, Stadtfeste, überall hin, wo etwas los ist. Jedes Jahr gehen wir zum Faschingfest Lilabe. Und beim Schlagermove in Hamburg sind wir auch im- mer dabei. Auf dem Sofa kann ich noch mit 80 liegen“, sagt Hans-Heinrich. Und Barbara fügt hinzu: „Ich komme mir mit ihm jünger vor als noch vor zehn Jahren.“

Am Wochenende gehen sie als erstes eine Stunde mit dem Hund spazieren. Manchmal begleitet Barbara den Freizeitjäger sogar zum Ansitzen. Aber nicht, weil sie muss, sondern, weil es ihr Spaß macht. Und das ist auch gut so. Denn gemeinsam macht das Leben einfach mehr Spaß. Das neue Glück sieht man den beiden regelrecht an.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.