So seh ich das: Blinde nicht ausgrenzen

Fernsehen ist für alle da!

Im Zeitalter von täglich weiter entwickelten technischen Glanzleistungen mit immer schnelleren Übertragungsmöglichkeiten finde ich es unmöglich, dass bisher noch kein deutscher Privatsender einen barrierefreien Zugang für blinde und sehbehinderte Zuschauer eingerichtet hat.


Privatsender machen sich nicht die Mühe

Das heißt, es gibt für sämtliche Formate bei RTL, VOX, Sat1, Pro7 oder den anderen Sendern keine akustische Bildbeschreibung, die es Menschen mit Sehbehinderungen ermöglicht, mehr am Filmgeschehen, an Dokumentationen oder Spielshows teilzuhaben. Die sogenannte Audiodeskription (AD) beschreibt die rein sichtbaren Handlungen, die den Schwerpunkt der Sendung ausmachen. Bei der begleitenden Szenenbeschreibung erklärt ein Sprecher, was gerade auf dem Bildschirm passiert. So wird das Geschehen der Show erlebbar, auch wenn man es nicht sehen kann. Die Hörfilm-Spur kann vom Zuschauer optional ein- oder ausgeschaltet werden.


Noch immer zu wenig Sendungen mit Bildbeschreibung

Auch bei den Öffentlich-Rechtlichen sind eigentlich noch zu wenig Sendungen direkt unterlegt, es gibt etwa eine Szenenbeschreibung beim „Tatort“, bei „Wetten, dass…?“ oder bei einigen Dokumentationen, nicht aber bei Nachrichten- oder Sportsendungen – dabei sind solche Hörfilmproduktionen vergleichsweise günstig. Aktuell werden seit Mai 2013 Filme in Deutschland nur noch gefördert, wenn sie auch Bildbeschreibungen und Untertitel mit produzieren. Blinde und Sehgeschädigte zahlen übrigens auch einen verminderten Rundfunkbeitrag. So sind die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten verpflichtet, ihr Angebot mit Bildbeschreibung und Untertiteln auszubauen.

Und die Privaten sollten jetzt auch endlich reagieren: Denn die blinde Sängerin Joana Zimmer hat in einer Petition die Einführung einer sogenannten Audiodeskription für die RTL-Show „Let’s Dance“ gefordert. Und sie wendet sich in einem offenen Brief an die Verantwortlichen und schlägt eine Zwischenlösung vor, die sie gemeinsam mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. erarbeitet hat.


Vorschlag von Joana Zimmer

Zu Recht fühlt sich die Teilnehmerin der „Let’s Dance-Staffel“ von 2012 ausgegrenzt und schlägt vor: „Parallel zur Ausstrahlung der Sendung im Fernsehen wird RTL als Zwischenlösung für blinde und sehbehinderte Zuschauer ab 2014 die jeweilige Folge online mit einem Live-Kommentar in der Mediathek zur Verfügung stellen.
Dieses Verfahren ist bei der Sport-Berichterstattung seit Jahren Standard und sollte sich mit vergleichbar geringeren Mitteln realisieren lassen, als eine Bildbeschreibung im Fernsehen. Dies kann aus unserer Sicht jedoch nur ein erster, vorläufiger Schritt sein. Ziel muss eine hörbare Fassung im TV sein, damit wirklich alle blinden und sehbehinderten Menschen Zugang bekommen – nicht nur diejenigen mit PC und Internet.“
Ich kann dieser Forderung nur zustimmen und finde es mutig und richtig, dass sich Joana Zimmer für eine Verbesserung einsetzt! Jetzt können die TV-Macher zeigen, dass Teilhabe nicht nur eine leere Phrase ist.

Die Petition online: www.change.org/letsdance
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