Virginia für die Südsee – veredelt und gereift in der Tabakmanufaktur am Elbhang in Lauenburg

Firmengründer Dr. Heiko Behrens (68, rechts), im Gespräch mit seiner Tochter Laura (23) und Lagermeister Müntaz Bolat. In ein paar Jahren übergibt er die Leitung an die nächste Generation - seine drei Töchter Laura, Lendita und Miriam. Fotos: Klotz
 
Vorarbeiterin Britta Holl aus Boizenburg wiegt den Tabak per Hand ab und verpackt ihn dann in Dosen.

Draußen donnern die Lkws vorbei, wer drinnen ist, merkt davon nichts mehr. In der ehemaligen Mälzerei von 1886 in der Hafenstraße riecht es schon im Treppenhaus angenehm aromatisch: stark, würzig und süß. Doch hier wird schon lange keine Gerste mehr gemälzt. Seit Dan Tobacco hier produziert, kommt der Geruch vom Pfeifentabak.

Dr. Heiko Behrens greift mit beiden Händen in eine Kiste aus Indien und holt helle Tabakblätter heraus: „Virginia, unser wichtigster Tabak. 1,4 Prozent Nikotin als Geschmacksträger und 15,7 Prozent Zucker. Ein Tabak muss die richtigen Bässe und Höhen haben – dann stimmt der Sound.“

Vier Jahrzehnte ist es her, da machte der Hamburger Sozialpädagoge sein Hobby zum Beruf. Nach einer beruflichen Auszeit gründete der damals 35-Jährige einen Versandhandel für Pfeifen und Tabak. Ein Schritt, den der ehemalige Beamte, der bereits das Rentenalter überschritten hat, nie bereut hat. „Was ich jetzt mache, ist kreativer.“ In ein paar Jahren will er die Leitung an seine Töchter Laura, Lendita und Miriam übergeben.

Vom beamteten Lehrer zum Unternehmer

Heute beschäftigt Behrens 35 Mitarbeiter. Eine kleine Erfolgsgeschichte also. „Unsere Nischenprodukte kommen sehr gut an.“ So gut, dass das Geschäft mit den Mixturen im letzten Jahr wieder fünf Prozent mehr Tonnage verzeichnen konnte. Und auch seine pädagogische Ader kommt als Firmenchef zum Tragen. Sechs junge Leute bildet er mit Geduld und Einfühlungsvermögen zu Industriekaufleuten, Groß- und Außenhändlern und Fachkräften für Lagerlogistik aus. Und auf die gute Stimmung in der Belegschaft ist er richtig stolz.

Nischen-Produktion und Export in die ganze Welt

Als 1990 der Grashof in den Vierlanden abbrannte, in dem „Dan Pipe“ untergebracht war, sah sich Behrens nach einer neuen Betriebsstätte um – und fand die alte Mälzerei in Lauenburg. Ein Glücksfall. „Stein für Stein in den steilen Elbhang gemauert und wegen wasserführender Bodenschichten massiv wie eine Burg angelegt – ideal für die Lagerung und Produktion von Pfeifentabak“, erzählt Behrens.
Die Blätter heißen Virginia, Latakia, Perique und Burley, und sie kommen aus Malawi, Zimbabwe, Südamerika, dem Orient und Asien. Zusammen mit 35 Mitarbeitern und sechs Auszubildenden verwandelt Heiko Behrens die Rohware in Tabakspezialitäten, per Hand zerbröselt und verpackt, fertig zum Export nicht nur ins europäische Ausland, sondern in alle Welt, bis nach Kiribati und Taiwan. „Wir haben Kontakte zu allen asiatischen Staaten, und im März stelle ich auf der Tabakmesse in Manila aus“, sagt Behrens.

Alles wird per Hand gemacht

Obwohl die Lauenburger Tabakmanufaktur international überall mitmischt – die Firmenstruktur ist überschaubar geblieben. Schließlich wird hier alles noch per Hand gemacht. Statt moderner Technik stehen uralte Maschinen in der Produktionshalle. Die hat Behrens vor zwei Jahren erstanden und zusammen mit Hauni-Pensionären mit relativ wenig Geld, aber ganz viel Liebe zum Detail gangbar gemacht.

Außer ihm stellen nur noch zwei Betriebe in Deutschland Starkpfeifentabak her, 350000 Menschen rauchen Pfeife. Für viele von ihnen ist es ein Muss, einmal einen Blick hinter die Kulissen der Manufaktur zu werfen. Dazu reisen sie von weither an. Aber auch, um in dem Ladengeschäft mit der schönen alten Apothekeneinrichtung zu stöbern. Tausende von Pfeifen liegen in den Schubladen, darunter viele handgefertigte Einzelstücke, und natürlich alle Tabaksorten und Utensilien. „Täglich kommen 10 bis 15 Leute, manche nehmen sich ein Hotelzimmer und bleiben über Nacht“, erzählt Behrens. Und sie sitzen in der gemütlichen Kaffeecke und fachsimpeln. Manchmal setzt sich auch Holmer Knudsen dazu. Der hat unten eine Werkstatt für handgemachte Pfeifen. Doch das ist noch mal eine andere Geschichte.
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