Wie viele Wildschweine sind eine Plage?

Der Jäger Wolfgang Müller lädt zur Treibjagd ein - um der Lage in seinem Revier Herr zu werden und möglichst viele Wildschweine zu erlegen.
 
Sie zerwühlen Felder und fressen die Ernte: Wildschweine sind Allesfresser, haben sich mancherorts zu einer Plage entwickelt. Foto: Fotolia
Sie sind schwarz, sie sind groß – und sie sind schnell. Vor einigen Tagen hat Wolfgang Müller seine Jägerfreunde zu einer Treibjagd zusammengetrommelt. Die Hälfte von ihnen scheuchte Wildschweine im Wald auf und trieb sie Richtung Waldrand. Die anderen warteten mit geladener Flinte am Feld. Mehrere Stunden dauerte die Jagd. Die Ausbeute: null. „Wir haben nicht ein Tier erlegt“, sagt Wolfgang Müller. Der Grund: „Wildschweine sind extrem schwer zu jagen.“ Und das, obwohl sich das Schwarzwild auf Wolfgang Müllers Feldjagd, einem 443 Hektar großen Revier zwischen Bartelsdorfer Forst und Gülzow, alles andere als rar macht. Im Gegenteil: In den letzten Jahren hat es sich hier anscheinend zu einer echten Plage entwickelt.

Das Schwarzwild hat sich für manche Jäger zu einer Plage entwickelt

„Es ist fürchterlich“, sagt der 64 Jahre alte Pächter. „Die Tiere richten so viel Schaden auf den Feldern an. Reicht die Nahrung im Wald nicht aus, wo sie wohnen, greifen sie auf die Felder über. Sie verstecken sich zu Dutzenden im Mais, und sogar im Raps und Weizen kann man sie nur schwer entdecken. Neulich habe ich den Bauern, von denen ich die Jagd gepachtet habe, viel Entschädigung für Wildschweinschäden gezahlt – 800 Euro für Mais und 600 Euro für Kartoffeln.“
In Berlin dringen die schlauen Tiere sogar schon bis an die Bushaltestellen vor. So schlimm ist es in der Gegend um Schwarzenbek nicht. Aber die Rotten sind überall. Sie ziehen revierübergreifend durch die Felder, zum Beispiel aus dem Geesthachter Raum über Hohenhorn und Fahrendorf in den Sachsenwald, erzählt Jens Voß, Jäger und Fleischermeister aus Geesthacht. „Doch sobald der erste Schuss fällt, sind blitzschnell alle weg.“

Immer auf der Suche nach eiweißreicher Nahrung

Sie sind aber nicht nur schnell – sie sind auch hungrig. Im Wald lockern die Allesfresser mit ihrem Rüssel den Boden auf bei ihrer Suche nach eiweißreicher Nahrung – neben Eicheln und Bucheckern fressen sie auch Würmer, Mäuse und Engerlinge. Wolfgang Müller weiß natürlich schon, wie er es anstellen muss, um immer mal wieder einen der gefürchteten Feldräuber zu erwischen. Zum Beispiel mit Kirrung. Um die Tiere anzulocken, legt er Maiskolben im feldnahen Wald aus, dicke Äste darüber und wartet auf seinem Ansitz am Feldrand, bis sie sich dort zeigen. Wenn er Glück hat, meist im Morgengrauen oder bei Mondlicht, denn die nachtaktiven Tiere sind scheu, kann er eins erlegen. Doch der Masse an Wildschweinen Herr zu werden ist nicht einfach.

Nicht alle Jäger sehen darin ein Problem

Umgepflügte Maisfelder, verwüsteter Raps und zerwühlte Kartoffelfelder – für die Bauern der Umgebung, von denen auch Müller seine Jagd gepachtet hat, ist das ein Problem. Doch bei weitem nicht alle Jäger sprechen von einer Plage. „Die Bestände sind recht hoch, aber von einer Überpopulation kann nicht die Rede sein“, sagt Hubertus Meyer-Loos, Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Gibt es nun eine Wildschwein-Plage oder nicht? Eine Frage der Perspektive. Eins steht jedenfalls fest: „Die intelligenten Tiere haben keine natürlichen Feinde und sind mittlerweile so abgebrüht, dass es für sie ein Leichtes ist, sich weiter auszubreiten“ sagt Wolfram Staudte vom Naturschutzbund (Nabu) in Geesthacht.
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