Neues von Klaus

Klaus Walter (62) im Wohncontainer unserer Bürgerinitiative (Foto: Max Bryan)
 
Gibt es nicht mehr auf Papier - den Obdachlosen Klaus Walter (62). Die Krankenkasse hat seine Daten einfach gelöscht ...
Einige hier erinnern sich bestimmt an den Obdachlosen Klaus Walter (62), den wir letztes Jahr im Wohncontainer an der Elbe unterbrachten. Bei "Strand Pauli", um genau zu sein. Eine Zeit lang war Funkstille in Sachen Klaus und seit damals ist viel passiert. So war es uns gelungen, Klaus in einer Art Pflegeheim unterzubringen. Lange Zeit hatte er dort eine sichere Bleibe und wurde umsorgt, bis das Personal wechselte und er sich nicht mehr verstanden fühlte. Von "erheblichen Problemen" war die Rede und am Ende hatte Klaus das Heim freiwillig verlassen - zum Ärger der Heimleitung, der er jetzt gut 12.000 EUR schuldet.

Sozialamt zahlt nicht

Normalerweise - und so war es besprochen - zahlt das Sozialamt die Heimgebühren für Fälle wie Klaus, die mittellos und ohne Einkommen sind und so wurde das auch im Sommer letzten Jahres zugesagt. Geld floß am Ende aber nicht. Man müsse erst einmal "feststellen, wo Klaus zuletzt versichert war", in welcher Krankenkasse also und von da an wurde es schwierig.

Daten gelöscht

Über 30 Jahre lang lebte Klaus auf der Straße. Seine Daten bei der Krankenkasse sind gelöscht. Es gibt keine Unterlagen mehr. Einzig die Rentenversicherung hatte noch ein paar verbliebene Datensätze auffinden können. Demnach war Klaus in den 70-igern mal angestellt, mal selbstständig. Rente wird er dafür aber nicht bekommen. Dazu reiche "die Anzahl der versicherungspflichtigen Zeiten einfach nicht aus", so die nette Dame am Tresen der zuständigen Rentenversicherungsanstalt.

Für Menschen wie Klaus bleibt dann nur der Gang zum Sozialamt - die ihn aber nur aufnehmen, wenn seine Krankenkasse mitzieht. Sprich - eine "obligatorische Anschlussversicherung" wäre das Ziel. Angeblich gibt es da so eine übergeordnete Krankenkasse in Bremerhaven, die auf genau solche Fälle spezialisiert sei - da sind wir derzeit noch dran. Es wird dauern.

Hilfsbereite Bürger

Indes fand Klaus hier und da auch liebe Menschen von unterwegs, die ihn immer mal mit aufnahmen - und sei es nur kurz mal zum baden - wie bei dieser netten Dame hier (Foto s. Anhang), die ihre heimische Badewanne für Klaus zum baden zur Verfügung stellte. Respekt!

Ein Riesenherz und wir alle müssen uns wohl fragen, wie weit die Bereitschaft Obdachlosen zu helfen wirklich ginge und wer wirklich bereit wäre, einen völlig fremden Menschen bei sich aufzunehmen, respektive baden zu lassen. Das hat auch mich schwer beeindruckt und ich habe schon viele hilfsbereite Menschen getroffen. Chapeau also vor dieser beherzten Dame mit "Biss", die Klaus am Ende sogar die Fußnägel stutzen wollte.

Nächstenliebe pur

"Diakonie" heißt übersetzt eigentlich "Dienst am Menschen" und wie dieses wunderschöne Beispiel zeigt, ist es durchaus möglich Hemmschwellen gegenüber Obdachlosen abzubauen. Manchmal hilft einfach schon ansprechen, etwas schenken und so ins Gespräch kommen. In dem Fall hatte die Dame uns in einem Einkaufszentrum stehen sehen und ihre Hilfe angeboten. So etwas passiert nicht oft. Schon gar nicht in so krassen Fällen wie Klaus, der nun wirklich optisch ein wenig aus dem Rahmen fällt. Berührungsängste sind da eher die Regel.

Hemmschwellen abbauen

"Bloß nicht zu nahe kommen" und "Wer weiß, was der für Tiere in den Haaren hat". So Sprüche hat Klaus alle schon gehört und im Altenheim wollten sie ihm die Haare sogar abschneiden. Mit Klaus war das natürlich nicht zu machen. Seine Dreads sind ihm heilig, die gingen auch an diesem Tage nicht unter Wasser. Das sei eine "extra Operation", schmunzelte Klaus mir in die Kamera und bedankte sich bei der beherzten Dame, die ihm dieses Wannenbad ermöglicht hatte.

Außergewöhnliche Gastfreundschaft

Am Ende gab´s noch Kaffee und Kuchen und ein Abendschmaus oben drauf. Klaus hätte sicherlich auch die Nacht bleiben können, doch danach würde er selbst nie fragen. Er ist eben auch ein sehr bescheidener Mensch und will Niemanden zur Last fallen. So lebt er schon sein ganzes Leben lang. Einen Orden wird er dafür nicht bekommen. Verdient hätte er ihn aber.

Kaffee, Kuchen und Abendbrot

Wie es mit Klaus danach weiterging ist eine längere Geschichte, die in einer Fortsetzung dieses Berichts noch erscheint. Für den Moment schauen wir erstmal, dass wir Klaus in einer Krankenversicherung unterbringen, weil nur dann zieht auch das Sozialamt mit und nur dann zahlt das Sozialamt die Unterbringung in entsprechenden Wohnheimen und dergleichen.

Mit Macht hatte man versucht Klaus einen Betreuer "aufzudrücken", jemand vom Gericht wollte auf Biegen und Brechen Zugang zu ihm. Dabei ist Klaus noch völlig klar im Kopf und entscheidet immer noch selbst über sein Leben. Diese "Altenpflege" ist eben auch ein Riesengeschäft und dagegen sträubt Klaus sich schon mal grundlegend. Und das nicht erst seit gestern!

Ausblick

Der Einzige, dem er vertraut, ist ein Mensch wie er. Jemand der selbst mal auf der Straße gelebt hat, der die Sorgen und Nöte der Obdachlosen wirklich kennt. Bereits im Sommer letzten Jahres hat Klaus mir Generalvollmacht übertragen und ich gebe mein Bestes seinem Willen und Wunsch zu entsprechen, einen Weg zu finden, heraus aus der Obdachlosigkeit. Dieser Weg wird kein leichter sein. Wir gehen ihn gemeinsam.

"Dieser Weg" --> https://www.youtube.com/watch?v=VS4fyxuFZvA
(passt grad so schön)

www.hamburger-obdachlose.de
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