So seh ich das: Die Altersarmut kommt, weil die großen Parteien nicht handeln

Die Diskussionen um die Neugestaltung des Rentensystems zwischen Parteien und Verbänden halten weiter an. (Foto: dpa)
Oh, die SPD-Spitze denkt nach. Sie will auch etwas Gescheites in die Debatte um die drohende Altersarmut werfen und sich damit im beginnenden Wahlkampf in Stellung bringen. Hier mein Vorschlag für Sigmar Gabriel: „Was die rot-grüne Regierung vor zehn Jahren beschlossen hatte, war dumm. Wir schämen uns dafür.“ Er könnte noch etwas von verminderter Zurechnungsfähigkeit erzählen, und dass auch die Grünen damals politikgestalterisch einen auf dicke Hose machten, aber im Grunde reichen uns die ersten zwei Sätze und der folgende: „Das muss alles rückgängig gemacht werden!“
2002 wurde beschlossen, das Rentenniveau bis zum Jahr 2030 auf 43% (Durchschnittsrentner, vollzeitbeschäftigt, 45 Beitragsjahre) abzusenken. Als Ausgleich wird seitdem mit Riester- und Rürup-Rente die private Altersvorsorge gefördert. Nun hat Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) errechnen lassen, dass ab 2030 allen Arbeitnehmern, die weniger als 2500 Euro brutto im Monat verdienen und 35 Jahre Vollzeit gearbeitet haben, eine Rente unterhalb des Grundsicherungsbetrags von 688 Euro erwarten dürfen. Dazu muss man wissen, dass gegenwärtig rund 35 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten weniger als 2500 Euro im Monat verdienen. Rechnet man die Teilzeitbeschäftigten und Minijobber hinzu, droht etwa der Hälfte der zukünftigen Rentner das Sozialhilfeniveau.
Um das abzumildern, kam von der Leyen ja auf die Idee, Almosen („Zuschussrente“) unter sehr komplizierten Auflagen zu verteilen. Und die Deutsche Rentenversicherung beeilte sich mitzuteilen, dass die Rentner mit den Erträgen aus der privaten Altersvorsorge ja mehr hätten als vor der Rentenreform. Ja, sparen denn alle so fleißig? In diesem Jahr ließen Hunderttausende Sparer ihre Riester-Rente beitragsfrei stellen, da ihnen die mickrigen Rendite-Versprechen der Versicherungswirtschaft Angst einjagten. Andere schließen erst gar nichts ab, da ihnen am Ende des Monats schlicht das Geld fehlt. Je weniger die Leute verdienen, umso weniger sorgen sie vor.
Im Jahr 2033 werde ich 67 Jahre alt. Ich möchte dann nicht in einer Gesellschaft leben, in der ich Angst haben muss, von einem hungrigen Rentner überfallen zu werden, ich möchte keine prekären Verhältnisse massenhaft um mich herum. Das ist auch gar nicht nötig. Es gibt Lösungen jenseits der politischen Spielereien von SPD und CDU. Die „Solidarrente“ der SPD, die ähnlich wie von der Leyens Konzept funktioniert, repariert lediglich auf Kosten der Allgemeinheit, was die 40 Jahre vorher auf dem Arbeitsmarkt schief lief. Sinnvoll wäre ein Cocktail unterschiedlichster Maßnahmen wie ein Anreizprogramm für Betriebe, ältere Ungelernte auszubilden, um die Arbeitslosenquote noch weiter zu drücken, oder die zukünftige Beamtenschaft in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen zu lassen. Unabdingbar wären auch eine Tarifpflicht für Betriebe und der Abbau der Minijobs. Es gäbe viel zu tun, aber leider sinkt nicht nur das Rentenniveau.
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
509
Erich Heeder aus Kirchsteinbeck | 22.12.2012 | 19:17  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.