Die neue elektronische Gesundheitskarte: Erst mal nur ein Foto

Da steckt Zukunftsmusik drin: In 10 bis 20 Jahren könnte die Gesundheitskarte als Schlüssel zu allen Informationen und Untersuchungsergebnissen des Patienten dienen. (Foto: IKK)
Die elektronische Gesundheitskarte kommt mit dem Versprechen, die „Qualität der Behandlung“ zu verbessern und die Patientenautonomie zu stärken. Eines Tages sollen die heute verstreuten Informationen auf den Rechnern der Ärzte und Krankenhäuser zum Wohle der Patienten zusammengeführt werden und im Nebeneffekt die Kosten senken. Aber zunächst ändert sich nichts außer dass die Mitglieder ihrer Krankenkasse ein Foto von sich zusenden müssen.

Die elektronische Gesundheitskarte hat derzeit die gleichen Funktionen wie die alte Karte, soll aber in den nächsten 10 bis 20 Jahren als Zugang und Schlüssel zur elektronischen Patientenakte dienen, die alle Dokumente enthält, die bei Ärzten, Krankenhäusern und anderen Therapeuten über einen Patienten angelegt werden. Der Zugriff auf diese medizinischen Daten wird über mehrere Schranken und persönliche Geheimnummern gesichert, aber selbstverständlich besteht ein Interesse daran, verwertbares statistisches Material aus den Patientenakten zu ziehen, um die medizinische Behandlung zu verbessern.
John Hufert von der Techniker Krankenkasse Hamburg nennt ein Beispiel: „Wir wissen nicht, wie viele Diabetiker bei uns versichert sind und wie die Laufbahn eines Diabetikers aussieht.“ Hätten die Krankenkassen verwertbare Daten auf Basis der Gesundheitskarten, könnten Diabetiker gezielter behandelt werden. Ein anderes Beispiel: Depressionspatienten benötigen etliche Jahre, bis sie den richtigen Therapeuten finden. „Wir haben sehr ineffiziente Strukturen.“

Was ändert sich jetzt?
Mit Ausgabe der neuen Karte erhält jeder Versicherte eine neue Krankenversichertennummer. Diese bleibt ein Leben lang gleich.

Wozu ein Foto?
Eigentlich ist die alte Krankenkassekarte nur in Verbindung mit dem Personalausweis gültig, aber niemand hat dies praktiziert. Nun soll das Bild auf der Gesundheitskarte vor Missbrauch schützen. Kleiner Haken: Die Krankenkassen kontrollieren nicht, ob das abgelieferte Bild wirklich zu der Person gehört, in deren Namen die Karte ausgestellt wird.

Muss ich ein Foto einschicken?
Die Krankenkassen müssen bis Ende 2012 für 70 Prozent ihrer Versicherten eine elektronische Gesundheitskarte ausstellen, andernfalls werden ihre Verwaltungsausgaben gekürzt. Deshalb schreiben die Krankenkassen in diesen Wochen ihre Mitglieder notfalls mehrfach an, um sie dazu zu bewegen, ein Foto einzusenden. Foto-Verweigerer erhalten im schlimmsten Fall einfach keine elektronische Gesundheitskarte. Das würde dazu führen, dass sie die Kosten für Arztbesuche erst einmal privat übernehmen müssten und die Rechnung dann bei ihrer Krankenkasse einreichen. Die Zahl der Verweigerer ist aber sehr gering. Die meisten Deutschen betrachten den Streit um die Gesundheitskarte eher distanziert.
Weitere Informationen auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg unter www.vzhh.de.
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