Und was kommt danach?

"Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren..." - doch genau das kann kaputt machen!
Zusammenbruch oder ertappt werden: Das ist so eine Sache mit der Heimlichtuerei bei Suchtkrankheiten wie etwa Alkohol- oder Drogenabhängigkeit.

Man wahrt die gutbürgerliche Fassade bis zum Zusammenbruch oder andere Personen decken es auf. Warum ist das so peinlich? So viele vermeintlich „normale“ Menschen sind schon in merkwürdige Abhängigkeiten geraten. Unterstützen muss man die, die mit ihren Süchten nicht alleine klarkommen. Ich meine, in unserer umtriebigen Gesellschaft, in der sich alle möglichen eitlen Selbstdarsteller tummeln, sollte es doch umso wichtiger sein, den Betroffenen zu vermitteln, dass sie wegen ihrer Sucht keine schlechteren Menschen sind. Oft sind sie durch Umstände, die sie selbst nicht zu verantworten haben, in einen Teufelskreislauf geraten.
Man muss sich bewusst machen, dass es eigentlich jeden treffen kann. Jeder erlebt Situationen, die es sehr schwer machen können, das Leben auszuhalten.
Und diese Süchte nehmen zu. Zu schnell, zu viel, zu lang. Alles meistern können, den menschlich machbaren Rahmen sprengen, um erfolgreicher als andere zu sein. Wer oder was dabei alles auf der Strecke bleibt, wird ignoriert, „ach, das mache ich später, das schaffe ich auch noch“. Also sucht man Stärkung oder Zuflucht. Oft geht das jahrzehntelang so. Die Spätfolgen sind hart für alle Beteiligten.
Die Betroffenen müssen den Absturz selbst erleben, schmerzhaft und ungeschützt. Weil sie solange vertuscht und sich versteckt haben, euphorische Stimmungen ebenso wie depressive Phasen durchlebten, dabei von der Perfektion getrieben, bei Arbeit und Haushalt, nur um den schönen Schein zu wahren.
Und die Co-Abhängigen, die Familie, die Freunde, die Arbeitskollegen, die Sportkameraden müssen sie fallen lassen. Erst dann können die Suchtkandidaten wieder aufstehen und den Neuanfang wagen, da sie nun neu lernen müssen. Sie müssen mit Ehrlichkeit umgehen.
Wie das funktionieren kann, ohne dass das Umfeld die Betroffenen verabscheut, weil sie so lange alles vertuscht und gelogen haben, ist fraglich schwer und nur individuell lösbar. Die Protagonisten haben einen sehr langen und steinigen Weg vor sich, müssen dabei erkennen, dass sie viele Fehler gemacht, andere verletzt, sich selbst erniedrigt haben.

Das wichtigste daran ist, dass die Co-Abhängigen sie nicht für Vergangenes verurteilen, beschuldigen, abschätzen. Sondern sich entscheiden: den Neubeginn mitmachen oder loslassen. Auch die Menschen im Umfeld müssen Zusammenhänge erkennen und neue Erfahrungen machen.
Wenn das „Problem“ dann ans Tageslicht gekommen ist, und Betroffene sowie Co-Abhängige ihre mitunter lange angeeigneten Verhaltensmuster vielleicht besser verstehen können (s. auch Leitartikel zum Thema: Was bedeutet co-abhängig? ), ist es nicht mehr so schwer, ehrlich miteinander umzugehen – nur der Weg dahin ist nicht leicht.

Ich finde dabei den Satz des Sängers Xavier Naidoo sehr treffend: „Der Mensch lernt nur, wenn er Scheiße frisst“. Drastisch, aber wahr.
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