Von Anfang an schützen

Schützt beim Spielen am Strand: Kinder brauchen höchsten Lichtschutz und beispielsweise auch Kappen mit Nackenschutz. Und mittags gilt für alle: In den Schatten! (Foto: Techniker Krankenkasse)
Jetzt in den Ferien wollen Jung und Alt „Sonne tanken“. Das Sonnenbad endet – trotz aller Warnungen – oft mit unansehnlichen und schmerzhaften Sonnenbränden.

Dabei ist der UV-Schutz unverzichtbar, gerade hellhäutige Menschen riskieren in der Sonne langfristige Hautschäden, die Tumore fördern können.
„Kindern sollte man wasserfeste Sonnencreme ab Lichtschutzfaktor 30 auftragen und das mindestens eine halbe Stunde, bevor sie in die Sonne gehen“, rät Dr. Elena Hekmat, Hautärztin in Schwarzenbek.
Auch das Nachcremen ist wichtig. Denn bei Kindern ist ein solches Lichttrauma (Sonnenbrand) unbedingt zu verhindern: Je höher die UV-Bestrahlung für das Kind, desto größer ist später sein Risiko, als Erwachsener Hautkrebs zu bekommen. Schwimmkleidung mit UV-Schutz und langen Ärmeln empfiehlt Rudolf Stadler, Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Babys sollten möglichst gar keine direkte Sonne abbekommen.

Wenn Eltern das nicht strikt beachten, handeln sie eigentlich schon grob fahrlässig. Jährlich werden derzeit in Deutschland etwa 250.000 Hauttumore und sogenannte Vorstufen entfernt. Die aktuellen Daten zeigen sehr deutlich, dass der Hautkrebs nicht mehr nur ein Problem des hohen Alters ist. Wie die Deutsche Krebshilfe auf ihrer Webseite ausweist, erkranken jährlich rund 171.000 Menschen hellem Hautkrebs, während der schwarze Hautkrebs bei 24.000 Menschen neu auftritt. Vor diesem Hintergrund spielt das Hautkrebs-Screening – die intensive Inspektion von Hautmalen, seit Mitte 2008 flächendeckend angeboten – eine zentrale Rolle. Mit dieser als Kassenleistung anerkannten Vorsorgeuntersuchung können Hautkrebserkrankungen frühzeitiger erkannt und erfolgreich behandelt werden.
„Gerade auch wer draußen arbeitet und der Sonne verstärkt ausgesetzt ist, etwa Bauern oder Straßenarbeiter, sollte sich regelmäßig untersuchen lassen. Das gesamte Screening von Kopf bis Fuß dauert nur rund 20 Minuten“, sagt Dr. Hekmat. Auch Hobbygärtner und Frischluftsportler müssen aufpassen: „Gesicht, Dekolleté, Unterarme und –beine werden häufig vergessen. Wer sich nicht eincremt, bekommt darüber hinaus schneller Falten und trockene Haut. Bei verminderter Hautelastizität können schneller Wunden auftreten“, warnt die Dermatologin.

Und Dr. Ute Moje, Dermatologin in der Hautarztpraxis Bergedorf, der Gemeinschaftspraxis mit Dr. Björn Ole Raasch, ergänzt: „Mechanischer Sonnenschutz im Sinne von bedeckender Kleidung ist ganz wesentlich, hierzu zählen auch insbesondere Sonnenhüte oder Kappen, die auch die Ohren und den Nacken abdecken (nicht nur für Kinder) und Sonnenbrillen (undurchlässig für UVA und UVB). Risikogruppen sind Kinder, ältere Menschen mit lichtgeschädigter Haut, Menschen mit angeborener erhöhter Lichtempfindlichkeit oder durch Medikamente bedingt, wie z.B. nach einer Organtransplantation.“
Weitere Tipps von Dr. Ute Moje:

* Aufenthalt im Freien möglichst nur in den Morgen- und Nachmittags- / Abendstunden und die Mittagssonne meiden.

* Alle unbedeckten Körperstellen sollten mit Sonnenschutzmittel eingecremt werden und auch mehrmals am Tag aufgetragen werden, da die Substanzen durch Schwitzen und Abrieb abgetragen werden können. Bei Wassersportaktivitäten nur wasserfeste Sonnenschutzmittel verwenden (Achtung: UV-Strahlung aufgrund der Lichtreflexion höher).

* Säuglinge und kleine Kinder bis 2 Jahren dürfen nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden.

* Bei der Einnahme von Medikamenten ist auf eine mögliche Lichtsensibilisierung als Nebenwirkung zu achten.

* Ein Lichtschutzmittel sollte sowohl im UVA- als auch im UVB-Bereich ausreichend wirksam sein (auf Deklaration achten). Sie sollten in ausreichender Menge aufgetragen werden (ca. 2 mg / cm² Haut), sonst können sie keine adäquate Wirkung erzielen. Je nach Sonnenexposition und Gefährdung sollte der LSF zwischen 15 und 50+ liegen. Eine Sonnencreme mit LSF 50+ ist auf alle Fälle Menschen mit lichtgeschädigter Haut anzuraten. Der LSF für Kinder sollte auch zwischen 30 – 50 liegen, ggf. ist auch Kleidung mit UV-Schutz anzuraten.

Die Techniker Krankenkasse (TK) gibt folgende Tipps:

* Während der ersten Urlaubstage vorwiegend im Schatten aufhalten.

* Mit Sonnencreme nicht geizen: Besonders Stirn, Nasenrücken, Ohren, Lippen, Schultern, Rücken, Brust und Fußrücken sollte man gut eincremen. Auch bei wasserfesten Produkten muss man nach dem Baden oder wenn man sehr geschwitzt hat, erneut Creme auftragen.

* Parfüms, Deodorants und Kosmetika können die hiermit benetzte Haut empfindlicher gegenüber der Sonne machen.

* Bei Sonnenbrand: Keine After-Sun-Lotionen benutzen, da diese wegen des Alkoholgehalts reizen können, eher die Haut mit fettfeuchten Umschlägen (Salbe und feuchte Tücher) oder mit Joghurtpackungen beruhigen. Bei jedem Sonnenbrand ist es wichtig, sehr viel zu trinken, der Körper verliert durch die geschädigte Haut vermehrt Flüssigkeit.

Die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention rät: Der textile Sonnenschutz ist wirksamer, weil leicht und einfacher anzuwenden als jede Sonnencreme. Dennoch sollten die nicht von Textilien bedeckten Körperteile mit einer Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 20 eingecremt werden, wobei auf eine Kombination aus UV-A- und UV-B-Schutz zu achten ist. Wichtig: Auch im Wasser vor der Sonne schützen!

Da immer häufiger auch junge Menschen an Hautkrebs erkranken, haben TK-Versicherte in Schleswig-Holstein seit 2010 ohne Altersbeschränkung alle zwei Jahre Anspruch auf eine Hautkrebsuntersuchung des gesamten Körpers bei einem Facharzt für Hautkrankheiten. Die TK Hamburg bietet die frühzeitige Früherkennung im Alter zwischen 15 und 25 Jahren alle 2 Jahre kostenfrei an. Besonders gefährdet sind junge Leute, die zu intensiv Sonnenbaden oder sich zu häufig auf die Sonnenbank legen. Um die jungen Hamburger zu schützen, ist es Minderjährigen seit letztem Jahr gesetzlich verboten, sich in Sonnenstudios zu bräunen.
Auch bei der IKK Nord in Schleswig-Holstein ist das Leistungsangebot erweitert, junge Patienten von 0 bis 35 Jahre können alle 2 Jahre Leistungen der Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen.

Weitere Infos: www.tk.de , www.ikk-nord.de .
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