Von Mund zu Nase beatmen

Beim Tierarzt Christian Bähr wird „Sam“ von Mund zu Nase beatmet. Bei Verletzungen des Tieres gilt in erster Linie: Ruhe bewahren und besonnen handeln.
 
Sams Pfote wird verbunden, der junge Rüde (7 Monate) hat keine Angst vor dem Tierarzt.
Was machen Hundebesitzer, wenn Wuffi beim Spaziergang in eine Scherbe tapst oder gebissen wird? Oder aber die Biene in den Hunderachen fliegt und nicht mehr rauskommt? Oder das Tier plötzlich verstärkt apathisch auf dem Boden kauert, hechelt und Speichelfluss hat? Da heißt es: keine Panik und Ruhe bewahren.

„Es gibt Handgriffe, die Sie anwenden können, bevor der Tierarzt ins Spiel kommt“, sagt Tierarzt Christian Bähr und legt los mit dem Kurs „Erste Hilfe am Hund“.
Sie heißen Dobby, Paula, Sam, Osito oder Schröder – und liegen noch ganz ruhig und entspannt auf dem Boden. Die mitgebrachten Hunde sind geduldig und warten, während Frauchen und Herrchen den Erläuterungen von Tierarzt Christian Bähr und Hundetrainerin Christine Petersen lauschen.
„Ich habe Angst um meine Französische Bulldogge Dobby, wenn sie von Insekten gestochen wird“, erklärt Susana Agüero aus Börnsen ihre Teilnahme am Kurs. Denn bei dieser Rasse ist die Schnauze kürzer, Insekten können schneller in den Rachenraum gelangen und dort für den Hund gefährliche Stiche setzen. Im Kurs geht es auch um die Vitalfunktionen: Wie atmet ein Hund? 10 bis 40 Atemzüge pro Minute sind normal. Wie hoch ist der Pulsschlag? Zwischen 70 und 160 Schlägen die Minute, je nach Größe des Hundes.
Sind Schleimhäute und Zunge rosarot? Dann ist alles okay. Sind sie bläulich, deutet das auf Sauerstoffmangel hin, blass bis weiß deutet auf einen Schock hin. Am wichtigsten ist es, Ruhe zu bewahren.
Denn sonst übertragen sich Panik und Angst auf das Tier, was noch mehr Stress bedeutet. Bähr empfiehlt ebenso: „Schnauze zubinden. Denn ein Hund, der Schmerzen hat oder im Schockzustand ist, würde auch seinen Besitzer beißen.“
Leider lässt sich nicht jeder Hund gern ins Maul schauen, damit sein Besitzer das verkantete Stöckchen entfernen kann.
Deshalb sollte schon ein Welpe daran gewöhnt werden, damit er keine Angst hat, wenn man ihm in den Fang greifen muss. Die Teilnehmer lernten, wie Blutungen zu stillen sind, wie man Vergiftungen erkennt oder Hitzschlag vermeiden kann. Am jungen, neugierigen Golden Doodle „Sam“ (7 Monate) zeigt der Tierarzt, wie man mit der Mullbinde die Pfote verbindet sowie die Mund-zu-Nase-Beatmung, bei der dem Hund circa sechs Atemstöße pro Minute in die Nasenlöcher gepustet werden (Atmung der Größe des Hundes anpassen).
Seine Besitzer Steffi und Patrick Leschhorn: „Wir haben die Bestätigung bekommen, dass man Ruhe bewahren muss. Und vieles macht wie beim Menschen auch“.

Notfall-Tipps:

Bei Verletzungen des Tieres gilt in erster Linie: Ruhe bewahren und besonnen handeln!

Hund ist gebissen worden: Die Blutung/Wunde desinfizieren oder mit Wasser auswaschen, und weil sich auch kleinere Bisse infizieren können, möglichst schell zum Tierarzt fahren.

Hund hat sich die Pfoten verletzt, ist in eine Scherbe getreten: Desinfizieren oder mit Wasser auswaschen, feste Watte zwischen die Zehen legen, Mullbinde drumwickeln, zur Not Socke drüber, damit der Hund den Verband nicht abknabbert; wenn die Wunde größer/tiefer sein sollte, zum Tierarzt fahren.

Hund hat einen Schock: Anzeichen dafür sind Schwächung, schneller Puls, blasse Schleimhäute und/oder kalte Gliedmaßen; diese Maßnahmen sind zu ergreifen: Hund beruhigen, Körper etwa mit Decke warm halten und zum Tierarzt fahren.

Hund hat ein Gift aufgenommen (eingeatmet oder gefressen): Anzeichen dafür können Krämpfe, Erbrechen, blutiger Durchfall und Urin (zum Beispiel bei Rattengift) sein. Hier sollte man innerhalb kürzester Zeit zum Tierarzt fahren, denn dort wird ihm ein Brechmittel verabreicht, um das Gift aus dem Körper zu kriegen.

Hund hat sich was gebrochen: Die Bruchstelle sollte geschient werden mit Stock, Zeitung oder Pappe zum Beispiel; gleichzeitig sollte der Hund beruhigt werden, so dass er sich nicht zuviel bewegt. Wenn möglich, zu zweit auf einer Decke vorsichtig ins Auto und zum Tierarzt tragen.

Lebensgefährliche Notfälle: Sofort zum Tierarzt!

Lungenödem: Hier ist Wasser in der Lunge eingelagert, der Hund kann nicht mehr ausreichend Sauerstoff in den Blutkreislauf aufnehmen. Als Symptome treten Atemnot, rasselnde Atmung und/oder ein schaumiger Auswurf auf.

Magendrehung: Symptome dafür: Der Hund speichelt stark und/oder würgt und versucht sich zu erbrechen. Der Bauch des Hundes bläht sich mehr und mehr auf, zunächst hinter dem Rückenbogen, dann über den gesamten Bauch. Der Hund hat starke Schmerzen und winselt. Die Atmung wird zunehmend schwerer bis hin zur Atemnot. Erste Maßnahmen: Bringen Sie Ihren Hund unverzüglich zum Tierarzt! Eine Magendrehung ist innerhalb von 6 Stunden tödlich. Tragen Sie Ihren Hund keinesfalls unter dem Bauch, da daraus weitere Verletzungen entstehen können. Der Hund soll sich selbst seine Liegeposition während des Transportes im Fahrzeug auswählen können, um Schmerzen zu vermeiden. Wenn möglich: Oberkörper höher, Hinterkörper abwärts geneigt legen.

Gebärmutterentzündung: Die Hündin ist ermattet, hat verstärkten Durst, sowie unangehm riechenden Ausfluß.

Schwerer Durchfall: Hält länger als 24 Stunden an, tritt besonders bei Jungtieren auf.

Wo kann ich Erste Hilfe am Hund lernen? Erste Hilfe Kurse kann man in der Regel bei Tierärzten machen, aber auch einige Rettungsdienste, die Kurse für den Menschen anbieten, widmen sich den vierbeinigen Patienten.
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