Zu viel Sitzen schadet Kindern

(Foto: Pink Sherbet Photography - flickr.com)

Evolutionsgeschichtlich betrachtet ist der Mensch fürs Sitzen nicht geschaffen. Zu häufiges und langes Sitzen kann fatale Folgen haben. Schon früh werden so spätere Rückenkrankheiten vorprogrammiert. Die jahrelange Fehlhaltung der Wirbelsäule macht aus einer Schwäche einen Schaden, der im Erwachsenenalter kaum noch zu beheben ist.


Gesellschaftlich anerkannt: Sitzen statt Laufen

Die kritischste Lebensphase ist der Beginn der Schulzeit, dann wird das einst spielende Kind ein zum Sitzen gezwungenes Kind. Nachmittags bei Hausaufgaben, am Computer oder Fernsehgerät wird das Sitzen weiter trainiert. Bereits Grundschulkinder verbringen täglich etwa neun Stunden sitzend. Zwar gingen Forscher bisher davon aus, das Zehnjährige aufgrund ihres starken Bewegungsdrang nicht allzu lange auf einem Stuhl sitzen bleiben können, doch durch die verstärkte Nutzung von PC, Videospielen und Gameboy ist Sitzen bei Kindern dieses Alters überhaupt kein Problem.

10 % der 6 - 10-jährigen haben Rückenschmerzen.
50 % sind es bei den 11 - 17-jährigen.
43 % der 6 - 10-jährigen klagen über Konzentrationsstörungen.
16 % in dieser Altersgruppe sind übergewichtig.
86 % der 11 - 14-jährigen haben Koordinationsschwierigkeiten.
(Quelle: Aeris)

Gesundheitliche Folgen von zu langem Sitzen

Die Folge können bereits im frühen Kindesalter schlechte Blutwerte sein, denn das lange Sitzen führt zu Stoffwechselveränderungen. Das wiederum lässt die Zuckerwerte ansteigen, gleichzeitig sinkt die Menge des "guten" HDL-Cholesterins. Auch Übergewicht ist ein Problem der "Vielsitzer". Forscher der Universität Texas ermittelten, dass pro zwei Stunden Sitzen das Risiko für Übergewicht um fünf Prozent ansteigt und somit auch die Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dauerhaft sitzende Erwachsene haben ein doppelt so hohes Risiko, einen Herztod zu sterben, wie Menschen, die sich mehr bewegen.
Eine ebenso gravierende Folge ist die Schwächung der Muskulatur insgesamt und besonders der Rückenmuskulatur. Dadurch schleichen sich schon früh Fehlhaltungen ein. Nicht nur, dass die Muskulatur erschlafft, die Bauch-, Gesäß-, Rücken- und Beinmuskeln verkürzen sich auch. Das Skelett wird unangemessen überlastet und frühzeitig stellen sich Rücken- und Gelenkkrankheiten ein. Sie mindern die Lebensqualität und machen nicht selten bereits im Kindesalter Schmerzmittel notwendig.
Selbst die Psyche leidet bei Kindern, die sie viel Zeit im Sitzen verbringen. Denn Sitzen hat auf das vegetative Nervensystem negative Auswirkungen. Einerseits steigt die Müdigkeit, andererseits können die Betroffenen Stress viel weniger abbauen. Und das ist der ideale Nährboden für Ängste und Depressionen.

Von der Gesellschaft erzeugte Krankheiten

Die Gesellschaft zwingt Kinder dazu, still zu sitzen, was verhaltensphysiologisch ihrer Natur widerspricht. Forscher der Universität Zürich konnten einen Zusammenhang zwischen dem mittlerweile häufig diagnostizierten ADHS-Syndrom und dem lang anhaltenden Sitzen herstellen. Was Psychologen gerne als verhaltensauffällig bezeichnen, ist im Grunde nur Ausdruck ihres von Natur aus angelegten Wunsches nach Bewegung. Unser Schulsystem ist dazu geeignet, Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeit der Kinder zu erzeugen. Doch das, was daraus resultiert, ist selten wirklich eine Krankheit.
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