Erste Grundschule mit Schulsanitätern nach neuem Konzept

Ein Fallbeispiel, bei dem die Kinder üben können.
 
Paulina und Clara (v.l.n.r.) sind jetzt Verbandprofis.
 
Fallbeispiel. Eine Mitschülerin hat sich am Knie verletzt.
Börnsen: Dalbek-Schule | Seit ungefähr fünf Jahren gibt es nun den Schulsanitätsdienst (SSD) vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in der Hansestadt und ist mittlerweile zu einem echten Erfolgsrezept avanciert.

Sieben der gut 25 Schulen in Hamburg gehören der Betreuung des Ortsverbandes Bergedorf/Rothenburgsort an. Zum vierten Mal nun füllen die gestandenen Schulsanitäter einen eigenen Sanitätshelferlehrgang im ASB in der Brokkehre, der den Nachwuchs im ASB Sanitätsdienst Bergedorf sichert.

Die Koordinationskräfte und Ehrenamtler bilden nicht nur aus, sondern halten die Schulsanitäter mit regelmäßigen Fortbildungen auf dem Laufenden und begleiten Schule und Schüler kontinuierlich durch die Höhen und Tiefen des Schulalltages.
Ohne diese permanente Betreuung gäbe es die Schulen mit SSD nicht, die von den Hamburger Ortsverbänden Tipps und Know-how mit auf den Weg bekommen. Denn dran bleiben, serviceorientiert arbeiten und kompetent auftreten ist das A und O, was die Schulen am ASB schätzen.

So dauerte es nicht lang, bis auch die Grundschulen davon Wind bekamen, wie wertvoll ein Schulsanitätsdienst ist. Gerade in der Grundschule treten in den Pausen immer wieder kleinere Verletzungen auf, die der aufsichtführenden Lehrkraft den Blick für weitere Ereignisse nehmen.
Verletzungen, bei denen Kinder der dritten und vierten Klasse für Entlastung bei den Lehrkräften und Mitarbeitern des Sekretariats sorgen können, indem sie sich gegenseitig helfen.

Angefangen hat der Ortsverband Bergedorf/Rothenburgsort mit abgestimmten Erste Hilfe Kursen für Viertklässler. Aufgeweckt, interessiert und durchaus begabt zeigten sich die Schüler bei der Wundversorgung. Doch das war wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Die Kinder waren so motiviert, doch nach drei Tagen war der Kurs schon wieder vorbei. Wie Start und Landung von einem Hubschrauber.
So traf es sich, dass die Dalbek-Schule in Börnsen den ASB auf einen Schulsanitätsdienst für Grundschüler ansprach. Die Direktorin Bianca Oldenburg wurde selbst von Kindern angesprochen, dessen Geschwister bereits in den weiterführenden Schulen beim ASB Schulsanitätsdienst mitmachen.
Wochen lang wurde in Zusammenarbeit mit dem ASB-Bundesverband in Köln an einem Konzept und selbstverständlich einem Kursbuch gefeilt.
Heraus kam ein nachhaltiger Lehrgang mit vielen neuen Methoden. Die Dalbek-Schule ist nicht nur die erste Grundschule bundesweit, die nach diesem Konzept ausbilden läßt, sie ist im Raum Hamburg und Schleswig-Holstein die erste Grundschule überhaupt mit einem Schulsanitätsdienst.

Bei diesem neuem Konzept wird das Augenmerk besonders auf die psychische Betreuung gelegt. Trösten und kleine Wundschnellverbände anlegen wird ab der ersten Unterrichtseinheit vermittelt.
In den insgesamt 10 Unterrichtsstunden, verteilt auf fünf Tage greift das Konzept Themen, wie Notruf, AED, Bewusstlosigkeit und Atemnot, Wundversorgung mit Verbänden, Knochenbrüche und eben das behutsame Eingehen auf den verletzten Mitschüler auf. Dabei unterstützen Teddy Arnold, der die Kinder auch weiterhin bei ihren Diensten begleiten wird und das Jugendmaskottchen Xü auf seinem intergalaktischen Austauschprogramm für Schulsanitäter, den die Dalbek-Schüler gar nicht mehr gehen lassen wollten.

Schon am zweiten Tag geht es in die Fallbeispiele, darunter auch schwierige Situationen mit Lehrern, die alles besser wissen, Mitschülern, die gaffen und Sprüche machen und stärkere Verletzungen, die die Junior-Sanis in spe richtig fordern. „Wir möchten die Kinder auf alle Eventualitäten vorbereiten.“, erklärt Ausbildungsleiter Daniel Doberenz „ Wenn wir dies nicht tun, wird die erste unangenehme oder unbekannte Situation die Kinder demotivieren und das möglicherweise für immer.“
Die Herz-Lungen-Wiederbelebung lehnt das Konzept ab und rennt bei den Pädagogen der Grundschule offene Türen ein. Zu groß ist die Gefahr, dass die Kinder in solch einer Extremsituation vor Schreck wie gelähmt sind oder die Kraft nicht aufbringen können und sich dann Vorwürfe machen. Die Erfahrung zeigt auch, dass bei solchen Notfällen ein Erwachsener nicht weit ist. „Wir wollen die Stärken der Kinder fördern und sie nicht vor Aufgaben stellen, die sie z.B. auf Grund ihrer Körperstatur gar nicht bewältigen können.“ sagt Doberenz.

Prävention wird beim ASB Bergedorf groß geschrieben. Während des Lehrganges wurde nicht nur anhand eines rohen Eies und Schaumstoff demonstriert, wie wichtig ein Fahrradhelm ist, sondern auch Max und Flocke, die Figuren vom Bundesministerium für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zur Verstärkung aus dem Helferland geholt. Das BBK bietet dazu kostenfrei Broschüren und ein Online-Tutorial für Kinder an. So konnten die Kinder zu Hause noch einmal üben, was bei einem Notfall alles zu beachten ist.

Sozialverhalten fördern, das Miteinander stärken und der respektvolle Umgang mit Material und Mitschülern sind nur drei von vielen positiven Nebeneffekten, die auch die Dalbek-Schule am SSD schätzt. Was man in der Grundschule gelernt hat, behält man sein Leben lang. Und dass es nie zu früh sein kann, Gutes zu tun, beweisen die Junior-Sanitäter der Dalbek-Schule seit Mitte September täglich aufs Neue. Bis zu vier Einsätze hat jedes Dreierteam in jeder großen Pause auf dem Schulhof und im Gebäude. Da bleibt selbst Kritikern der Mund offen stehen.
Die kleinen Sanimäuse wissen genau, wo was passieren könnte. Denn sie haben mit ihren SSD-Kollegen einen Plan erstellt und eingezeichnet an welchen Stellen auf dem Gelände das höchste Unfallrisiko besteht. Den Plan haben sie zusammen mit dem Protokollklemmbrett, der Sanitätsdiensttasche und einer Box mit Kühlkompressen immer dabei. In ihren leuchtend rot-gelben ASB-Softshelljacken werden sie nicht nur von ihren Mitschülern und dem Rettungsdienst im dichtesten Schulhofgewusel schnell gefunden, sondern bekommen damit auch für sich und andere ein selbstbewusstes Auftreten.

Der Run auf den GrundschulSanitäterkurs war mit 49 Anmeldungen so groß, dass an der Dalbek-Schule gleich zwei Pilotlehrgänge für insgesamt 30 Kinder starteten. Müde und glücklich blicken die Ausbilder auf fünf spannende Tage. Kein Zweifel: Der Grundschul-SSD war ein voller Erfolg. Feierlich und unter den Augen von Presse und Eltern überreichten die Leiterin der Ganztagsschule Iris Falk und die Direktorin Bianca Oldenburg den stolzen Junior-Sanitätern am letzten Tag Urkunden und Ausweise. Traditionell gab es vom ASB Bergedorf eine Startbox für jeden Grundschulsani, mit nützlichen Dingen, wie Ausweishülle, Lanyard, Pflaster, Bleistift, Lineal, Reflektor und vielem mehr.

Film und Fotos können ab Ende Oktober auf der Homepage der Schule und des ASB Bergedorf bewundert werden. Bis dahin wird alles weiter fleißig unter Schulsanitäter_HH getwittert was es Neues von den Sanimäusen zu berichten gibt.
Der ASB Bergedorf bedankt sich ganz herzlich bei der Dalbekschule für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und beim Referat Katastrophen-, Zivilschutz, Rettungsdienst und der Abteilung soziale Dienste für die großartige Unterstützung! Wir freuen uns schon auf eine weitere Runde mit neuen motivierten Schulmäusen.
Informationen zum Schulsanitätsdienst erhalten Sie unter www.asb-hamburg.de oder 040 / 738 05 18 .
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