Dr. Sittig - Ein Erfahrungsbericht

Im Januar 2012 erhielt ich einen liebevollen Anruf aus dem Hospiz Geesthacht.
Eine vertraute Stimme sprach eine Einladung zum 10. Jubiläum des Hospizes
aus. Gleichzeitig erwähnte Sabine Willers das genaue Sterbedatum meines
geliebten Mannes. Es berührte mich zutiefst, dass sich eine außenstehende
Person noch daran erinnert. Aber so sind sie, die Sabine und einige andere
Kolleginnen – mit Haut und Haaren haben sie sich dem Hospizgedanken
verschrieben.
Bei all der Liebe und dem Eifer, dieser Helfer gibt es die traurige Situation
der Kranken mit ihren manchmal unsäglichen Schmerzen und den dazu gehörigen Nöten und Leiden. Da braucht es einen M E N S C H E N, der diese
Not abwenden oder abfedern kann. Er muss über große medizinische/palliative
Sachkenntnisse, Lebenserfahrung und Menschlichkeit verfügen.
Genau diese Eigenschaften sind in Herrn Dr. Sittig vereint. Es war ein Freitag
vor ca. 5 Jahren, da riefen wir in der Praxis an und Frau Lachmann teilte uns mit, dass Herr Dr. Sittig ab kommender Woche praktizieren würde. Somit war
mein Mann Patient der „ersten Stunde.“ Mein Mann war gezeichnet von starken
Schmerzen, begleitet von einer Depression, hervorgerufen durch eine starke
Fehlstellung seiner Hüftgelenke. Eine Operation war wegen einer Herzerkrankung zu dem Zeitpunkt nicht möglich. Herr Dr. Sittig war es, der
meinen Mann aus seiner Depression herausholte und ihn lehrte, mit seinen
Schmerzen zu leben. Als 2008 dann- und wieder war es Herr Dr. Sittig, der als Erster feststellte, dass mit der Lunge etwas nicht stimmte. Nach zahlreichen
Untersuchungen und einer großen Operation, stand die gesicherte Diagnose
Asbest im Rippenfell (Pleura Mesoteliom), Pfingsten 2008 als Hiobsbotschaft
im Raum. Mein Mann wurde ganz schnell aus dem Krankenhaus entlassen. Zum
Glück wussten wir sofort wohin. Nun brauchten wir ihn dringend, diesen 100
prozentig verlässlichen und absolut kompetenten Arzt, der eben tags und wenn
es sein musste auch nachts für seine Patienten da war. Er war unsere „Bank“, ihm vertrauten wir beide. Herr Dr. Sittig trat mit all seiner Erfahrung und
Kompetenz in den Riss, wo wir uns hilflos und ausgeliefert fühlten. Mein Mann
wusste, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Erstickungstod zu erleiden, sehr groß war. Herr Dr. Sittig war es, der uns immer wieder versicherte, auch dieses für uns dramatische Szenario beherrschen zu können. Mir war klar, er musste noch
einige Pfeile im Köcher haben. Auch schalteten wir den Ambulanten Hospiz-
dienst ein. Frau Helga Spanier war uns, je nach Bedarf ein bis zweimal wöchentlich eine große Stütze und einfühlsame Begleiterin in diesen nicht ganz
drei leidvollen Jahren. Bis fast Ende Januar pflegte ich meinen Mann, nur mit Hilfe der Familie, allein zu Hause. Mein Mann hatte mir das Versprechen abgenommen, ihn nicht mehr ins Krankenhaus zu geben, für ihn kam nur noch das Hospiz Geesthacht, wo Herr Dr. Sittig tätig war, infrage. Und in genau dieser Situation waren wir vor einem Jahr. Meine Kraft war erschöpft , dem Zusammenbruch nahe griff ich zum Telefon und rief Frau T. , eine Assistentin
von Herrn Dr. Sittig an. Sie sagte nur:“ Frau Brüggemann, wir haben schon auf
Ihren Anruf gewartet.“ Sie war es dann, die alles Weitere veranlasste, Krankentransport, Zimmerreservierung. Am nächsten Tag wurden wir im Hospiz liebevoll von einer Schwester in Empfang genommen. Es wurde uns jeder Wunsch erfüllt. Ein Bett für mich wurde im Zimmer meines Mannes aufgestellt, so dass ich ihn auch weiterhin betreuen konnte. Herr Dr. Sittig und sein Team erfüllten meinem Mann seinen Wunsch nach einem würdevollen, schmerzfreien und menschenwürdigem Sterben.
Mein Mann ist am 12.2.2011 morgens gegen 5 Uhr friedlich eingeschlafen. Nun bin ich es meinem Mann, Herrn Dr. Sittig und dem gesamten Team mehr als schuldig, diese Zeilen zu schreiben.
Ihr Artikel in der BZ vom 24.1.2012 hat mich zutiefst erschüttert.
Einen Mann wie Herrn Dr. Sittig wie einen „Schwerverbrecher“ unter fadenscheinigen Vorwänden aus der Praxis zu eskortieren. Diesen Leuten hätte es doch die Schamesröte ins Gesicht treiben müssen, sich vor so einen Karren spannen zu lassen. Hätte Herr Dr. Sittig seine Patienten unversorgt lassen sollen?
Herr Dr. Sittig war es doch, der sich schon seit langem um einen zweiten Schmerzarzt bemühte.
Sollen doch die dafür Verantwortlichen noch einmal darüber nachdenken. Bei den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Jubiläum wurde viel über Ganzheitlichkeit, Respekt, Würde und Achtung vor der Menschlichkeit, dem Leben und dem Tod gesprochen. Wie müssen diese Wort Herrn Dr. Sittig,
Frau Lachmann, allen Mitarbeitern und Gästen, die genau diese Lebenshaltung vertreten, in den Ohren geklungen haben, da es doch unter ihnen einen Judas geben muss. Ist es Profit- und Machtgier, die auch vor der Menschlichkeit und der Würde eines Menschen nicht halt macht?
Ich wünsche Herrn Dr. Sittig als bekennende Christin Gottes reichen Segen.

P.S.: Anlässlich des ersten Todestages meines Mannes wünsche ich mir, dass sich die Menschlichkeit immer wieder Bahn bricht und ein Arzt wie Herr Dr. Sittig unbehelligt seinen segensreichen Beruf ausüben kann.

Gez. Barbara Brüggemann
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1 Kommentar
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Wolfgang Schneider aus Oststeinbek | 07.03.2012 | 21:25  
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