Büchens Bürger nehmen die Energiewende selber in die Hand

Auf dem Gebäude der Gemeinschaftsschule Büchen soll die erste Photovoltaikanlage der Energiegenossenschaft Region Büchen errichtet werden. Im Herbst soll sie in Betrieb genommen werden. Foto: W. Reichenbächer
Das erste Projekt der Energiegenossenschaft steht kurz vor der Umsetzung

Büchen (wre). Die am 9. März des Jahres gegründete Energiegenossenschaft Region Büchen e.G. (ERGB) steht kurz vor der Realisierung ihres ersten Projektes. In Planung ist eine Photovoltaikanlage auf dem Schulgebäude in Büchen. Eine Einigung mit dem zuständigen Schulverband gibt es bereits. Derzeit werden noch bauliche Voraussetzungen geprüft, und in wie weit die Anlage wirtschaftlich betrieben werden kann. Bereits während der Gründungsversammlung hatten sich 61 Bürger als Mitglieder registrieren lassen. Inzwischen sind viele weitere Mitglieder dazugekommen, und das Kapital konnte deutlich aufgestockt werden. Dabei gab es bereits beim Start Unstimmigkeiten unter den Mitgliedern. Es fand sich zwar schnell ein Aufsichtsrat, aber ein Vorstand war vorerst nicht zu finden. Knapp einen Monat nach der Gründung konnte der Aufsichtsrat, bestehend aus Eckehard Schwaneberger, Susanna Brauer-Bethge und Bernd Koch den neuen Vorstand präsentieren. Schwarzenbeks Bürgermeister Frank Ruppert und der Büchener Kaufmann Wolfgang Harten sind seit dem unermüdlich dabei, das erste Projekt auf die Beine zu stellen.

Warum wählte man die Form einer Genossenschaft?
Schon die ersten Ideen, die in die Richtung einer Energiegemeinschaft für Büchen gingen, bevorzugten die Form einer Genossenschaft. Bürgermeister Uwe Möller hat mit Unterstützung seines zuständigen Mitarbeiters Michael Kraus immer wieder betont, man wolle die Energiewende gemeinsam mit den Bürger vollziehen. Die öffentlichen Gebäude, die für solche Anlagen in Frage kommen, gehören den Bürgern, und diese sollen auch einen Nutzen daraus ziehen können , betont Möller immer wieder. Für die Anleger bringt die Form einer Genossenschaft den Vorteil, dass sie nur bis zur Höhe ihrer Einlagen haften. Würde die Energiegenossenschaft scheitern, und womöglich Schulden übrig bleiben, müssten die Anleger nicht noch einmal Geld in die Hand nehmen um das Defizit auszugleichen. Bei der Genossenschaft steht aber nicht nur die Rendite im Vordergrund, man will auch gemeinsam etwas für die Umwelt tun. Wer Anteile bei der ERGB zeichnet, ist meist auch ein Idealist, der sein Geld für einen guten Zweck angelegt sehen will.

Wie ist die Mitgliederentwicklung, über welches Kapital kann die Genossenschaft verfügen?
Schon auf der Gründungsversammlung konnten 61 Mitglieder gewonnen werden. Die Genossenschaft ging mit einem Kapital von 12.200 Euro an den Start. Es war vereinbart worden, dass jeder erst einmal nur die Mindesteinlage von 200 Euro zahlen soll. „Inzwischen haben wir knapp 100 Mitglieder, die Anteile für 100.000 Euro gezeichnet haben“, sagt Vorstand und Geschäftsführer Wolfgang Harten. „Ich gehe davon aus, dass nach der Realisierung unseres ersten Projektes noch mehr Mitglieder dazukommen werden“, ergänzt Harten.

Mit welcher Rendite können die Anleger rechnen?
„Wir rechnen mit einer Rendite, die knapp über den Sparbuchzins liegt“, erklärt Harten. Zurzeit werden die ersten Berechnungen angestellt, um eine mögliche Rendite veröffentlichen zu können. Die ist aber von diversen Faktoren abhängig, die noch nicht geklärt sind. Ein Teil der Investitionskosten wird von Raiffeisenbank Büchen kommen, die einen Kredit zur Verfügung stellen will. Die Höhe des Kredites und damit die Konditionen sind aber noch unklar. Wie groß die erste Anlage werden wird, muss noch festgelegt werden. „Je größer die Anlage sein wird, desto besser wird aber die Rendite sein“, verspricht Wolfgang Harten. „Die gesetzlichen Bedingen haben sich ja zum Glück wieder etwas gebessert, wir blicken etwas optimistischer in die Zukunft“, ergänzt der Geschäftsführer. So stand noch vor vier Wochen auf der Kippe, ob es überhaupt noch wirtschaftlich sei, in die alternative Energiegewinnung zu investieren. „Heute können wir aber sagen, dass es zu 80 Prozent mit der Anlage auf der Schule klappt“, freut sich Harten über die Entwicklung.
Wie geht es weiter, welche Schritte werden als nächstes unternommen?
„Derzeit prüft ein Statiker, ob wir auch das Hauptschulgebäude und die Turnhalle nutzen können“, sagt Wolfgang Harten. Davon ist es dann abhängig, wie groß die Photovoltaikanlage gebaut werden kann. In Planung ist eine „kleine“ Lösung, die 155 Kilowatt Peak liefert. Die große Lösung unter Einbeziehung der Sporthalle und des Hauptschulgebäudes soll 302 Kilowatt Peak bringen. Die Investitionskosten werden dann 250.000 Euro für die kleine Anlage und 400.000 Euro für die große Anlage betragen. „Wir hoffen, dass wir noch diesen Monat eine fertige Statik vorliegen haben, im Herbst soll dann der Bau der Anlage beginnen“, so Harten. Für die Schüler soll dann auch sichtbar werden, was auf den Schuldächern passiert: „Wir wollen im Schulgebäude eine Anzeigentafel installieren, die anzeigen soll, wie hoch die aktuelle Energiegewinnung ist. Es gibt aber noch weitere Pläne für die Schulgebäude. „Wir können uns vorstellen, dort eine kleine Windkraftanlage zu installieren, oder mit der Biogasanlage in Büchen-Dorf die Schule mit Fernwärme zu versorgen“, ergänzt Harten.
Sobald alle Zahlen für das erste Projekt vorliegen, will der Vorstand zu einer Mitgliederversammlung einladen. Dort werden dann auch die ersten Renditeprognosen verraten.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.