Ärztemangel

Ein Arzt horcht einen Patienten ab. Die medizinische Versorgung auf dem Land wird schwieriger. (Foto: Benny Weber - Fotolia.com)
Geesthacht/Schwarzenbek. Es gibt immer weniger Ärzte auf dem Land. Auch dem Kreis Herzogtum Lauenburg droht ein Versorgungsproblem. Praxen, wie die von Asklepius in Börnsen, schließen. Die Patienten müssen deutlich längere Wege in Kauf nehmen, um zum nächsten Allgemeinmediziner zu gelangen.
231 Vertragsärzte gibt es laut der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) aktuell im Kreis Herzogtum Lauenburg. 128 von ihnen sind Haus- oder Kinderärzte, der Rest sind Fachärzte. „Im Moment reicht die Versorgung bei uns auf dem Land noch aus“, sagt der Vorsteher des Amtes Büchen, Martin Voß. Sein Kollege Walter Heisch vom Amt Hohe Elbgeest sieht das ähnlich.
Doch die Ärzte auf dem Land werden immer älter. „Jeder zweite Hausarzt in Schleswig-Holstein ist über 50 Jahre alt, jeder Vierte ist schon über 60“, sagt Marco Dethlefsen von der KVSH. In den nächsten Jahren gehen laut Dethlefsen in Schleswig-Holstein etwa 900 Hausärzte in den Ruhestand. „Für viele sind keine Nachfolger in Sicht“, sagt der KVSH-Sprecher. Aktuell gibt es in Schleswig-Holstein 25 offene Praxissitze, 24 davon sind Praxen für Allgemeinmedizin. „Junge Ärzte scheuen oft das unternehmerische Risiko und wollen nicht auf dem Land leben“, sagt Dethlefsen. Zudem seien nicht mehr so viele wie früher bereit, quasi rund um die Uhr und auf Kosten ihres Privatlebens für ihre Patienten in Bereitschaft zu sein.
Doch nicht nur zu wenig junge Mediziner, die aufs Land wollen, sind der Grund für immer weniger Praxen außerhalb der Städte. Auch die so genannte Bedarfsplanung verhindert, dass sich Ärzte einfach ansiedeln können. Diese Regelung wurde Mitte der 90er-Jahre eingeführt, um in überversorgten Regionen weitere Niederlassungen zu verhindern. Seitdem können Ärzte sich nur neu niederlassen oder anstellen lassen, wenn es einen freien Arztsitz gibt.
„Seit den 90er-Jahren hat sich viel getan: Die Bevölkerung verändert sich: Es gibt mehr alte Menschen, damit nehmen auch chronische Erkrankungen zu“, so Marco Dethlefsen. Rein statistisch gebe es laut der Bedarfsplanung in vielen Kreisen eine Überversorgung, doch dabei werde nicht beachtet, dass sich viele Ärzte nur in den Städten niederlassen, nicht aber in den kleinen Orten. „Das spielt alles in der noch geltenden Bedarfsplanung keine Rolle, daher ist sie überholt“, sagt Dethlefsen. Ändern soll dies das für 2012 geplante Versorgungsstrukturgesetz. Nicht nur die Einwohnerzahl in einer bestimmten Region, sondern auch die älter werdende Bevölkerung soll dann bei der Bedarfsplanung berücksichtigt werden. Zudem sollen Ärzte auf dem Land finanziell besser gestellt werden. Für die Praxis in Börnsen dürfte das zu spät sein: Asklepios hat Dr. Farhang Logmani (72) gekündigt, am 12. August war der letzte Öffnungstag.
„Außerdem geht auch das geplante Gesetz noch nicht weit genug. Denn das Nachwuchsproblem haben wir weiterhin“, sagt Marco Dethlefsen. Es sei wichtig, Anreize zu schaffen, die es für junge Mediziner attraktiv machen, auf dem Land zu leben: „Wir machen das zum Beispiel mit unserer Kampagne ‚Land.Arzt.Leben’.“
Auch Kirsten Lorenz von der Ärztekammer Schleswig-Holstein unterstützt die Aktion. Sie ist zuversichtlich, dass das Ärzteproblem gelöst werden kann, bevor es richtig entsteht: „Gut, dass der Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Universität Lübeck erhalten wurde. Von dort kommen doch die jungen Mediziner, die vielleicht bereit sind, sich hier auf dem Land niederzulassen. (22.08.11)
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1 Kommentar
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Bernd Hartmann aus Glinde | 02.09.2011 | 00:47  
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