Ein (fast) vergessenes Symbol des Friedens im Zentrum von Geesthacht

Geesthacht: Berliner Straße | Wer hastig seine Einkäufe im Kofferaum verstaut, dem fällt die alte Eiche vermutlich nicht einmal auf. Einigen freuen sich allerhöchstens, dass sie sich in den Sommermonaten unter den kräftigen Zweigen einen schattigen Parkplatz am der Kreuzung Bergedorfer Straße/Berliner Straße sichern können. Dass der Baum aber vor fast 100 Jahren als lebendiges Mahnmahl für den Frieden gepflanzt wurde und heute das einzige Überbleibsel der Ländereien einer einst bekannten Geesthachter Handwerksfamilie ist, wissen nur wenige.

Die Geschichte des Baumes beginnt im Jahr 1916 in Frankreich. In den Schützengräben des Ersten Weltkriegs bereitet sich ein Geesthachter auf den Fronturlaub vor - und steckt vor der Abreise ein kleines Bäumchen in seinen Rucksack. Kaum angekommen in der Heimat Geesthacht, bittet der Geselle seinen Chef, den Zimmerer-Meister und Maurer Erdmann Stoffregen, den Baum als "Friedenseiche" in seinen Garten zu pflanzen. Ein zur Zeit des Ersten Weltkriegs in Deutschland verbreiteter Brauch, symbolisch den Frieden anzumahnen.

Stoffregen ist von der Idee begeistert. Wo heute der Baum über dem tristen Parkplatz gegenüber der Post blüht, endete früher das Anwesen der bekannten Geesthachter Familie. Die Stoffregens hatten hier neben einer Villa auch ein Baugeschäft und eine große Werkstatt mit vielen Angestellten. Das Grundstück erstreckte sich von der Eiche bis zur katholischen Kirche. Profitiert hat Stoffregen vor allem durch die großen Fabriken in Geesthacht, doch dann verlor er sein Geld durch die Inflation - um schließlich ein paar Jahre später wieder zu Vermögen zu kommen, als die Fabriken durch die Nazis wieder aufgebaut wurden. Die Werkstatt wurde schließlich durch einen Bombenangriff schwer beschädigt, andere Gebäude mussten dem Straßenbau weichen. Übrig geblieben ist nur die Friedenseiche.

Egal wie viele Autos auf der Hauptstraße vorbeirauschen - die Friedenseiche blüht jeden Sommer und sollte heute an Zeiten erinnern, in denen der Frieden nicht so selbstverständlich war wie heute. Nur der junge Geselle hat seinen Baum nie wieder gesehen: Nachdem er an die Front zurückgekehrt war, fiel er in Frankreich.
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jenengbingung jenengbingung aus Woltersdorf | 16.03.2016 | 12:54  
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