"DF 7 HS" grüßt den Rest der Welt - Hans Joachim Stoppert aus Geesthacht ist leidenschaftlicher Amateurfunker

Geesthacht: Geesthacht | Geesthacht. Ein sphärisch-heller Ton, unterbrochen von unzähligen Knister- und Rauschgeräuschen, erfüllt den winzigen Dachbodenraum. Mitten in einem Gewirr aus Kabeln und Geräten sitzt Hans-Joachim Stoppert an seinem Yaesu-Funkgerät, dreht am Knopf, vernimmt schließlich zwei Stimmen. "Molto bene" und "Grazie Mille" ist zu verstehen. "Da sind wir wohl in Italien gelandet", sagt Stoppert, hört einen Moment zu und versucht sich dann mit seinen Spanisch- und Portugiesischkenntnissen in das Gespräch einzuschalten. "DF 7 HS, buenas tardes amigos", spricht er in den Äther.

DF 7 HS ist Stopperts Rundfunkzeichen. Seit 1979 - damals erwarb er seine Lizenz zum Funkamateur - heißt er in der Welt der elektromagnetischen Wellen so.

Auf den Geschmack kam Stoppert mit 15 Jahren. Damals, es war kurz nach dem Krieg, lebte er in einem Hamburger Kinderdorf und baute dort sein erstes Radio. "Ich habe mir zwei gebogene Bleche und zwei Röhren genommen und daraus ein Gerät gebastelt. Es hat funktioniert", erinnert er sich. Die Sache mit dem selbst gebauten Radio gefiel ihm, Stoppert besorgte sich das Buch "Der Kurzwellenamateur" und tauchte ein in die Welt des Amateurfunks. Bis heute hat sie ihn nicht losgelassen. Nicht als er seine Ausbildung zum Fernmeldetechniker machte, nicht als er seine Frau kennenlernte, 1963 zu ihr nach Geesthacht zog und im Helmholz-Zentrum zu arbeiten anfing.

Nachdem Stoppert seine Lizenz zum Funkamateur hatte, legte er richtig los. Und rüstete auf: Verschiedene Transceiver-Geräte und Funkscanner, einen Funkfernschreiber, dazwischen Tausende geflickte Kabel - der kleine Dachboden im Aprikosenweg ist voll davon. Auffällig sind auch die drei Uhren mit verschiedenen Zeitzonen an seiner Wand. "Damit ich niemanden wecke", sagt der Hobbyfunker. Auf dem Hausdach hat Stoppert eine riesige Antenne angebracht. "Sie ist jetzt auf 225 Grad in Richtung Südamerika ausgerichtet", sagt der 71-Jährige. Denn seit er seine Lizenz hat, funkt Stoppert am liebsten mit Brasilien. Dort lebte lange die Mutter seiner Ehefrau. "Anfangs hat meine Frau beim Funken übersetzt, dann habe ich in den 80er-Jahren selbst etwas Portugiesisch und ein bisschen Spanisch gelernt", erzählt Stoppert.

So konnte er sich mit seinen Funkerkollegen fortan auf "Portignol" unterhalten. "Das ist meine Mischung aus Portugiesisch und "Español", damit bin ich bisher gut durchgekommen." Mit Südfranzosen, Italienern, Spaniern, Argentiniern und natürlich Brasilianern hat er sich schon in dieser Sprache unterhalten. Über das Wetter, den Heimatort oder die Kinder. "Politische Themen sind auf Funk tabu, da kann man großen Ärger bekommen", erzählt Stoppert. Er berichtet von Stör- und Prasselgeräuschen, die nordkoreanische und chinesische Transceiver aussenden, um Frequenzen zu stören.

Mit einem Funkkontakt aus dem brasilianischen Porto Alegre hat sich mit der Zeit sogar eine Freundschaft entwickelt. "Bei unserem ersten Gespräch stellte sich heraus, dass sein Vater aus Soltau stammte", erinnert sich Stoppert. Der Brasilianer und seine Frau kamen zu Besuch nach Geesthacht und auch Hans-Joachim Stoppert und seine Frau flogen nach Brasilien. Immer wieder macht Stoppert im Äther die Erfahrung, wie klein die Welt ist. Er erzählt von einem Funkkontakt nach Chile. Der südamerikanische Funker wollte Stopperts Standort wissen. "Geesthacht, kennen Sie sowieso nicht", antwortete Stoppert. Doch siehe da: Stopperts chilenischer Funkpartner stammte aus Wentorf.

Wie die meisten deutschen Amateurfunker gehört Stoppert dem DARC, dem Deutschen Amateur Radio Club, an und geht regelmäßig zu den Treffen der Ortsverbände Büchen oder Sachsenwald. Hier versucht er, mit seinen Mitstreitern, auch die Jugend für das Amateurfunken zu begeistern. Doch in Zeiten von E-Mail, Chat und Skype ist das keine leichte Aufgabe. "Nur noch wenige wollen das Funken lernen", sagt der Vater zweier erwachsener Töchter. Auch sein Enkel Thilo hat nur mäßig Interesse. "Ich höre manchmal zu, wenn Opa mit Brasilien funkt. Aber ich gehe eher ins Internet", sagt der 13-Jährige.

Sein Großvater nimmt's gelassen. Für den 71-Jährigen ist es immer wieder faszinierend, in seiner kleinen Dachkammer die Tür hinter sich zuzuziehen, sein Funkgerät anzuschalten und sich irgendwo zwischen Frankreich und Chile in ein Gespräch einzuklinken.
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