Diskussion zur gegenwärtigen Situation und zur Zukunft in der Pflege mit Birte Pauls, SPD-Landtagsabgeordnete, Pflegepolitische Sprecherin,

Geesthacht: Gasthaus Hagen | Auf der letzten SPD-Versammlung war die Situation der Pflege das Hauptthema.
Knapp 30 Mitglieder und Gäste hörten einen interessanten Vortrag von Birte Pauls, der pflegepolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Birte Pauls ist vom Fach. Bevor sie Landtagsabgeordnete wurde, war sie viele Jahrein unterschiedlichen Bereichen der Pflege tätig. Sie hat sozusagen von der Pike auf gelernt und selbst erlebt, wovon sie berichtete und was sie bewertete. Unter der Überschrift „ Die Pflege braucht einen Rettungsschirm!“ informierte sie über die aktuelle Situation und die Vorstellungen der SPD:
Heute sind 800.000 Menschen, meist Frauen in der Pflege beschäftigt. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird der Bedarf an Fachkräfte steigen. Während es heute 2,3 Mio. Pflegebedürftige gibt (davon ca. 85.000 in Schleswig-Holstein), wird sich die Zahl bis 2050 nahezu auf 4,4 Mio. verdoppeln. Das bedeutet, dass bereits im Jahr 2020 rund 300.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt werden.
Aber schon jetzt gibt es wegen schlechter Arbeitsbedingungen, psychischen und zeitlichen Drucks, geringer Bezahlung, starker Arbeitsverdichtung, zu vielen artfremden Tätigkeiten wie Bürokratie usw. kaum noch Bewerbungen für eine Aus- oder Weiterbildung in den pflegerischen Berufen. Im europäischen Vergleich verlassen zudem in Deutschland die meisten Pflegefachkräfte innerhalb von wenigen Jahren ihren Beruf oder wandern ins benachbarte Ausland ab (z.B. Dänemark und Holland), wo sie wesentlich bessere Rahmenbedingungen vorfinden. Der erst seit kurzem eingeführte Mindestlohn in der Pflege von 8,50 €/Std. ist auch kein Anreiz, er dient allenfalls dazu, weiterem Lohndumping entgegenzuwirken.
Was ist zu tun:
• Verbesserung der Strukturen und Abläufe: Der SPD-Antrag auf Bürokratieabbau und Reduzierung von doppelten Kontrollstrukturen in der Pflege, die sehr viel Zeit der Pflegenden bindet, wurde von der schwarz-gelben Ein-Stimmen-Mehrheit im Kieler Landtag abgelehnt. Die Dokumentation sämtlicher Pflegetätigkeiten ist unerlässlich, sie muss aber deutlich einfacher und weniger aufwendig gestaltet werden, um mehr Zeit für Pflegetätigkeiten zu gewinnen.
• Reform und Modernisierung der Ausbildung: Neben zusätzlichen kostenfreien Ausbildungsplätzen an den Pflegeschulen wird eine gemeinsame Ausbildung von Kranken- und Altenpflege sowie eine Pflegeausbildung im Modulsystem benötigt
• Feste und verlässliche Arbeitszeiten verbessern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
• Gesundheitsfördernde Maßnahmen wirken Langzeitbelastungen effektiv entgegen und ermöglichen einen längeren beruflichen Verbleib.
• Der Pflegebedürftigkeitsbegriff muss dringend geändert werden – weg von der Minutenpflege hin zur individuellen und patientenorientierten Pflege.
• Auch der Personalbemessungsschlüssel muss verändert werden. Eine Pflegekammer und eine Berufsordnung, wie sie bei allen anderen Heilberufen schon lange üblich sind, würden das Image und die gesellschaftliche Anerkennung verbessern.
• Für die Finanzierung ist eine solidarische Bürgerversicherung, in die alle Bürger entsprechend ihres Einkommens einzahlen, erforderlich.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.