Kathrin Wagner-Bockey, Rede in der Ratsversammlung am 30.09.2011, Schulsozialarbeiter 4 und 5.

Rede in der Ratsversammlung 30.09.2011 zum Thema:
Schulsozialarbeiter 4 und 5!


Hannah steht mit gesenktem Kopf auf dem Schulhof. Inmitten aller anderen Schüler ist sie allein. Was ist los?
Herr Tiedemann steht auf dem Schulhof. Er sieht sie. Als sie an ihm vorbeigeht, fragt er „Was ist los?“ –„Nichts“ „Du weiß, dass ich da bin?!“ „Es ist nichts“...
Zwei Schulstunden später, sitzt sie in seinem Büro. „Ich weiß nicht, was ich tun soll. Die anderen Mädchen reden nicht mehr mit mir. Marleen hat zu ihnen gesagt, wenn jemand mit mir spricht, ist er raus aus der Clique.
Immer, wenn ich zu Hause bin, kriege ich Mails...ich sei eine Schlampe...ich sei fett...sie wollen mich nicht haben, in der Klasse...

Herr Groh, sehr geehrte Damen und Herren,
ich weiß, viele von Ihnen denken, das betrifft mich nicht. Meinen Kindern / Enkelkindern geht es gut in der Schule, sie sind behütet und Schulsozialarbeit ist etwas, für Kinder,
• die am Rand stehen,
• deren Eltern sich nicht kümmern,
• die schlechte Noten mit nach Hause bringen und die auf Krawall gebügelt sind? -Weit gefehlt. Mobbing gab es auch früher schon, damals hieß es „Hänseln“ und es wurde nicht so ein Aufsehen darum gemacht? –Vielleicht.

Gesellschaften entwickeln sich weiter und damit verbunden verändern sich auch die Ansprüche, die an das Zusammenleben gestellt werden. –Im Guten, wie im Schlechten. Schulsozialarbeit ist entstanden aus veränderten Bedürfnissen in der Schule. Das ist ein Fakt. Man kann diese Feststellung ignorieren, man kann die Notwendigkeit der SSA bestreiten oder die schlechten Eltern dieser Welt zu mehr Erziehungsarbeit aufrufen. Aber dann lässt man die Schule, die Schüler und die Lehrer allein.

Ich habe neulich einen anonymen Brief bekommen. Darin wurde ich aufgefordert, die Bemühungen für weitere Schulsozialarbeiter in Geesthacht fallen zu lassen. Denn mehr Schulsozialarbeiter machten mehr Probleme, das bräuchte kein Mensch. Das ist so aber nicht richtig, die Probleme sind da. Wir können davor die Augen verschließen, oder damit umgehen.

Wenn wir damit umgehen wollen, müssen wir jetzt die Chance ergreifen, die uns durch die Mittelzuweisung aus Bund und Land entsteht.
Deshalb hatten wir seitens der SPD frühzeitig den Antrag gestellt, einen weiteren Schulsozialpädagogen einzustellen. –Und das ist auch der Grund, warum wir dem Erweiterungsantrag der FDP guten Mutes und relativ leichten Herzens gefolgt sind.

Dass wir dabei von der FDP noch überholt wurden, hat uns überrascht, aber, meine Damen und Herren, es stört uns nicht. Und wir sind felsenfest davon überzeugt, dass Schulsozialarbeit allen Schülern Zugute kommt. Eine gute Klassengemeinschaft erzeugt eine gute Lernatmosphäre. Ein guter Umgang miteinander entlastet Schüler, Eltern und auch Lehrer.(...)

Unsere Schulsozialarbeiter hier vor Ort haben innerhalb kürzester Zeit ein tragfähiges Netzwerk geschaffen. Ich wurde angenehm überrascht im Arbeitskreis häusliche Gewalt, als ich persönlich erleben durfte, wie eng die Zusammenarbeit zwischen Schulsozialarbeit und dem ASD bereits heute ist. Genauso ist es gut, genauso ist es richtig.

Gleichzeitig sind die Schulsozialarbeiter im System Schule gut angekommen. Sie sorgen dafür, dass sich das gesamte Netzwerk an potentiellen Hilfeinstitutionen am Knotenpunkt Schule trifft. Damit hat Schulsozialarbeit auch eine wichtige Steuerungsfunktion.

(Und am Rande: Ja, Schulsozialarbeit hat Schnittstellen mit der Jugendpflege. Aber nein, sie ist nicht dasselbe! )

Was bedeuten mehr Schulsozialarbeiter für Geesthacht? Mehr Schulsozialarbeiter bedeuten eine verbesserte Betreuungssituation an den einzelnen Schulen. Schulsozialarbeiter sind keine Feuerwehrmänner und –frauen. Sie sind dem Präventionsgedanken verpflichtet und bauen an der Lebenswelt Schule.

Die Stadt Geesthacht kann mit dem Instrument Schulsozialarbeit eine tatsächliche, praktische Unterstützung leisten. Schulsozialarbeit ist keine Investition in Beton, sondern ein eine Investition in die Köpfe und Herzen unserer Kinder. Deshalb bitten wir sehr herzlich um eine breite Unterstützung des gemeinsamen Antrags der FDP und SPD-Fraktion

(Ergebnis der Abstimmung: Der Antrag, gemäß der Mittelzuweisung 2 weitere Schulsozialarbeiter (zunächst befristet für zwei Jahre) einzustellen, wurde mit den Stimmen von SPD, FDP, Grünen und den Linken angenommen.)
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