Leserbrief zu „In der Fußgängerzone kreischt die Kettensäge“ von Timo Jann/14.11.14

Geesthacht: Fußgängerzone |

Liebe Geesthachter Baumfreund/innen,

ja, das Fällen der elf Bäume war wie ein Schlag in unser Gesicht. Der Kampf für diese Bäume hatte im Mai 2008 bewirkt, dass SPD und Bd90/Grüne mit einer Mehrheit aus der Kommunalwahl hervorgingen und deswegen das Fällen von zwei Dritteln der Bäume in der Fußgängerzone verhindern konnten. Aber mit diesem Erfolg hätten wir uns nicht zufrieden geben dürfen. Denn die Baum-ab-Fraktion in Politik und Verwaltung ist immer noch stark!
Wir haben alle versagt! Schauen Sie sich doch einmal die Baumscheiben an. Schon vor sechs Jahren waren diese in einem Zustand, der die Bäume einen eklatanten Mangel an Nährstoffen, Regenwasser und Sauerstoff leiden ließ. Sie befanden sich in einer permanenten Stresssituation. Sofortmaßnahmen wären vonnöten gewesen, um die sträflich vernachlässigten, völlig ungeschützten Baumscheiben zu sanieren. Diese waren schon damals steinhart verdichtet vom achtlosen Betreten und Befahren, weswegen zu den Wurzeln weder Sauerstoff noch Regenwasser gelangen konnten. Schlimmstes Beispiel: Die Baumscheiben der beiden kleinen, vorzeitig vergreisten Rosskastanien vor der Hypo-Bank. Kastanien brauchen aber einen gut durchlüfteten und bewässerten Boden.
Die beim Pflanzen der Bäume vor Jahrzehnten angelegten Drainagerohre sind meines Wissens nie vom zuständigen Fachdienst in heißen Sommern für das Wässern oder Belüften der Wurzeln benutzt worden. Diese Rohre stecken noch in den Baumscheiben, zerquetscht vom jahrzehntelangen Betreten und Befahren, weil sie nicht regelmäßig gewartet wurden. Im Stammbereich auf Hundebeinhöhe ist die Rinde der meisten Bäumen von Urin verätzt.
Es ist wirklich kein Wunder, dass die Bäume krank wurden oder mickerten.
Aber dass Bäume abgestorben sein sollen, ist wenig überzeugend. Der Stumpf der Baumhasel vor Tchibo, beispielsweise, macht einen ausgesprochen vitalen Eindruck!
Wir müssen jetzt nach vorn schauen und retten, was noch zu retten ist, beispielsweise die beschlossenen Betonpodeste verhindern. Schauen Sie sich bitte einmal im Internet unter www.geesthacht.de „Umbau der Fußgängerzone Bergedorfer Straße“ an, wie die Rosskastanie am Kreissparkassen-Eck einbetoniert werden soll! Diese 50 cm hohen Betonwände sind naturfeindlich auch deswegen, weil sie mit Substrat aufgefüllt werden. Der Wurzelbereich bleibt aber auf dem bisherigen Niveau, weil ein Baum nicht nach oben neu auswurzelt. 50 cm tiefer jedoch gibt es kaum Luftaustausch, so dass der Sauerstoffgehalt im Boden nicht ausreicht. Das lässt die Bäume mickern oder krank werden. Manche Bäume sterben auch ab.
Bäume einbetonieren? Nein, danke! Ihre Baumscheiben müssen aber so angelegt werden, dass sie nicht mehr betreten, befahren oder von Hunden zum Urinieren benutzt werden können. Sie könnten mit steinernen Einfassungen versehen werden, damit das von den Wurzeln dringend benötigte Regenwasser auf den Baumscheiben verbleibt und nicht auf das tiefer gelegene Pflaster abfließt. Eine solche Maßnahme brauchen nicht nur die Bäume in der Fußgängerzone, sondern unbedingt auch die auf dem Schiller-Platz!
Ich argwöhne, dass in Wahrheit die elf Bäume dem gelb-grau-weißen und viel zu teuren Pflaster vom Schiller-Platz weichen mussten, das die Mehrheit der Ratsversammlung beschloss, das aber die Mehrheit der Bürger gar nicht will. Das gut erhaltene und schöne Pflastermaterial der Fußgängerzone soll komplett entsorgt werden. Trotz der angespannten Haushaltslage entschied sich die Ratsversammlung für diese unverantwortliche, doppelte Verschwendung unserer Steuergelder. Wenn aber Gelder für regelmäßige, baumfreundliche Wartung durch den zuständigen Fachdienst gebraucht werden, so heißt es: „Unsere Stadt hat kein Geld!“ Armes Geesthacht …

Mit baumfreundlichen Grüßen
Jutta Bellwinkel
Rathausstraße
Geesthacht
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