SPD-Ortsverein feierte Jahresausklang mit einem geschichtlichen Vortrag über "Weihnachten nach dem Krieg"

Geesthacht: Gasthaus Hagen | Jahresausklang mit Keksen, Schmalzbrot und Glühwein und einem
Vortrag über „Weihnachten nach dem Krieg“


Einen fröhlichen, informativen und auch kurzweiligen Jahresausklang feierte der SPD-Ortsverein am 30.11.2011 auf seiner Weihnachtsfeier im Gasthaus Hagen. Mehr als 25 Mitglieder und Freunde des Ortsvereins waren gekommen, um einen Vortrag vom Heimat- und Geschichtsverein zum Thema „Weihnachten in der Nachkriegszeit in Geesthacht“ zu hören. Helmut Knust und Dr. Carsten Walcok referierten kurzweilig zu den Sitten und Gebräuchen in der Weihnachtszeit und hatten Fotos und Dokumente mitgebracht. Die alteingesessenen Geesthachter wie Johann Flindt und Gisela Ellerbrock konnten dazu noch einige „Döntjes“ beisteuern.
Insbesondere Geesthacht ging es nach dem Krieg nicht gut! Sehr viele Ostflüchtlinge waren in Schleswig-Holstein und damit auch bei uns in Geesthacht untergekommen. Dazu lebten in Geesthacht weiterhin frühere Zwangsarbeiter der Nobel-Fabriken und viele ausgebombte Hamburger. Es gab etliche Barackenlager, das letzte an der Grenzstraße wurde bis 1981 bewohnt!
Wenn man bedenkt, dass die Wachstumsraten der Volkswirtschaft 1955 bei 10 % lagen, so kann man sich vorstellen, was Arbeitslosenzahlen von bis zu 52% in Geesthacht zur gleichen Zeit bedeuteten. Weihnachten in den ersten 10 Jahren nach dem Krieg war geprägt von Elend, Kälte und Not. Es gibt aus der Zeit kaum Alltagsfotografien, das Fotografieren wurde erst später „modern“.
Geschenke in den Nachkriegsjahren waren vor allem selbstgestrickte Sachen, es gab so gut wie kein Spielzeug. Die Kinder der „Ur-Geesthachter“ hatten es dabei (rein materiell betrachtet) deutlich besser, als die Flüchtlingskinder. Der kleine Geesthachter Junge hatte sehr viel eher ein Holzpferd und seine Schwester schneller eine Puppe. Einen gewissen Nahrungswohlstand brachte dazu das Schweineschlachten zu Weihnachten. Weihnachtsdelikatessen in Geesthacht nach 1945? -Grünkohl mit Schweinemagen, gefüllt mit Hack und Kartoffeln! „Lecker“, behaupteten die Älteren unter uns! Später waren Würstchen mit Kartoffelsalat etwas Besonderes. Wer nicht selber schlachten konnte, musste seine Raucherkarten gegen Kartoffelkarten tauschen.
Der Heilige Abend war der „Dickbuksabend“, gerne rundete man das Mahl mit braunen Kuchen aus der Bäckerei Emmsen in Hamwarde ab! – Zu Fuß holte man die Kekse dort ab oder mit einem Pferdegespann, wenn man es gut hatte!
Trotz aller Not gab es den ersten verkaufsoffenen Marktsonntag bereits am 5.11.1945 mit einer Weihnachtsmesse. In den fünfziger Jahren kümmerte man sich auch wieder intensiver um das Schmücken des Weihnachtsbaums. -Das Lametta wurde hervorgeholt und gebügelt. Ärgerlich nur, dass es die Finger wegen seines Bleigehalts schwarz färbte! Und damals wie heute hieß es beim Kaufen der Weihnachtsgeschenke für die Lieben: „Kaufe stets nur mit Bedacht, darum kaufe in Geesthacht!“ (Nachlesbar in einer Zeitungsannonce aus der Zeit).
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