Bauernmarkt: Nostalgie schlägt Mühsal

  Glinde: Kupfermühle | Glinde. Gut 1000 Gäste hingen am Pfingstmontag auf dem Bauernmarkt in Glinde alten Träumen nach - und lernten etwas über die mühsame Arbeit vergangener Zeiten.
„Was macht der da? Fräsen?“ Solche Fragen hörte Matthias Baden nicht zum ersten Mal, als er seine Drechselmaschine anschmiss, um einen kleinen Knauf für ein Holzregal mit Knöpfen für Handtücher wie zu Omas Zeiten zu fertigen.
Waagerecht spannte er ein etwa vier Zentimeter langes Rundholz aus Buche ein, die Maschine ließ den Rohling um die eigene Achse rotieren, und Baden hielt das Drechseleisen ans Holz, dass die Späne nur so flogen. Vor den Augen der Zuschauer entstand innerhalb einer knappen Viertelstunde der kleine Knauf.
„Vom Drechseln kann heute niemand mehr existieren“, erzählte der hauptberufliche Werkzeugmacher aus Soderstorf. Die Zeit, die er für die einzelnen Teile seiner Geschenkideen aus Holz aufbringen müsse, wolle heute niemand mehr bezahlen.
Auch Steffi und Christian Schmidt, die gerade nach Neuengamme gezogen sind, wollten aus der Geschichte lernen und Sohn Luka (2) einmal zeigen, wie eine Mühle funktioniert, berichtete seine Mutter. „Wir haben in der Bergedorfer Zeitung gelesen, dass wir hier noch sehen können, wie sich das Wasserrad dreht.“
Wie viel Zeit einzelne Arbeitsgänge das Handwerk früher kosteten, das konnten die insgesamt etwa 1000 Gäste des Heimat- und Bürgervereins sowie des Stadtmarketings auch an anderer Stelle des Bauernmarktes erfahren: Vor dem nach historischem Vorbild rekonstruierten Kugel-Lehmofen standen viele Schlange, weil sie eines der 40 frisch gebackenen Brote kaufen wollten. Vorher mussten Kurt Lauer, sein „Lehrling“ Peter Ostrowsky und Bäcker Manfred Meyns ordentlich schwitzen. Lauer hatte schon am Vortag ein Feuer im Ofen entzündet, damit die Mauersteine die Temperatur besser speichern. Gestern um 9.30 Uhr hatte er das Feuer erneut entfacht. Bis 12 Uhr war es bis auf die Glut hinuntergebrannt. Drinnen herrschte eine Temperatur von etwa 450 Grad Celsius. Dann räumten Lauer und Ostrowski Glut und Asche aus und säuberten das Innere. „Drinnen fällt die Temperatur jetzt auf etwa 280 Grad“, erläuterte Meyns.
Im Team schoben sie die 40 Roggenmischlaibe mit Sauerteig nacheinander auf dem Schlagschieber in den Ofen. Meyns sprühte noch etwas Wasser hinein, damit die Laibe noch etwas aufgehen konnten. Dann war die Klappe zu und wieder Geduld gefragt: Eine Stunde Backzeit brauchten die Brote.
„Die Kruste macht den Geschmack aus. Sie wird in dem Feuerofen kräftiger und der Geschmack überträgt sich auf die Krume“, erläuterte Meyns, der diese Art des Backens noch durch seinen Vater kennt. Bis in die 1950er-Jahre hatte er auch noch solch einen gemauerten Ofen in der Backstube stehen. Auch Marga Andresen aus Nettelnburg, die interessiert bei den Arbeiten zuschaute, erinnerte sich an einen ähnlichen Ofen in ihrer Kindheit auf dem Land in Pommern. „Damals haben wir darin für die ganze Woche gebacken“, erzählte die 69-Jährige. „Das ist das Schöne hier beim Bauernmarkt“, stellte die Nettelnburgerin fest. „Wer sich hier und im Heimatmuseum umschaut, kann wunderbar Träumen und Erinnerungen nachhängen.“
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