Zünfte – Vom Mittelalter bis heute

Als Zünfte bezeichnet man Zusammenschlüsse von Handwerkern zur Wahrnehmung gemeinsamer Interessen. Manche kennen sie auch unter dem Begriff Gilde, Gaffel oder Zeche. Seit dem Mittelalter gibt es die Vereinigungen und sie existierten bis ins 19. Jahrhundert. In wenigen Regionen wie die Schweiz gibt es auch heute noch Zünfte.

Der Aufbau und soziale Strukturen


Lehrlinge
Wer einer Zunft beitreten wollte, konnte als sogenannter Lehrling aufgenommen werden. Meistens handelte es sich um Jungen aus einer Bürgerfamilie. Voraussetzung für den Eintritt war eine ehrbare Geburt, das heißt, die Eltern durften nicht von unehrbaren Berufen, wie Henker oder Schäfer stammen. Die Lehrzeit beträgt etwa drei bis sechs Jahre und Lehrlinge erhielten nur einen sehr geringen Lohn. Dazu mussten sie meistens noch Lehrgeld bezahlen und waren abhängig von ihrem Meister.

Gesellen
Nach der Ausbildung, wird der Lehrling zum sogenannten Gesellen. In vielen Zünften waren Wanderungen vorgeschrieben, die der Geselle hinter sich bringen musste. Das Bürgerrecht erhielt der Geselle selten. Ihnen fehlte das nötige Kapital um sich als Meister selbständig zu machen. Viele Gesellen versuchten mit der Heirat einer Witwe oder Meistertochter eine Werkstatt zu übernehmen.

Meister
Je angesehener eine Zunft war, umso mehr versuchten die Meisterfamilien den Eintritt Fremder zu erschweren. Zum Beispiel gab es eine Zulassungsquote oder eine Begrenzung an zugelassenen Meistern. Meistersöhne sollten sich mit Meistertöchtern aus demselben Gewerbe verheiraten – auch geschlossenen Heiratskreise genannt. Wer Meister werden wollte, musste viele Kriterien erfüllen. Zum einen musste er eine gewisse Zeit als Geselle am Ort gearbeitet, sowie die mehrjährige Gesellenwanderung erfolgreich hinter sich gebracht haben. Des Weiteren musste der Geselle viel Geld ausgeben. Zum Beispiel war ein Meisterstück anzufertigen, das aus eigener Tasche bezahlt werden musste und von den Meistern geprüft wurde. Mängel die gefunden wurden, mussten mit einer Geldbuße bezahlt werden. Beiträge an die Zunft musste abgegeben werden sowie Wachskerzen für die Kirche eingekauft werden mussten. Ein Brustpanzer sollte entweder selbst hergestellt oder erworben werden. Als ob das noch nicht genug war, musste Gesellen das Bürgeraufnahmegeld zahlen und ein Haus besitzen beziehungsweise das nötige Geld dafür vorlegen. Die Aufnahme war dann noch mit einem mehrgängingen Mahl für alle Meister der Zunft verbunden, das auch aus der Tasche des Gesellen bezahlt werden musste. Um die Konkurrenz gering zu halten, wurde es den Gesellen schwer gemacht zum Meister aufzusteigen.

Zunftkleidung


Zu erkennen sind die Mitglieder an dertraditionellen Zunft- und berufsbezogenen Arbeitsbekleidung. Dazu gehören die praktischen schwarzen oder grauen Zunfthosen mit Leder und Schlag. Sowie ein T-Shirt oder Zunftstaude mit dem jeweiligen Zunftzeichen. Aber auch die typischen schwarzen Zunftsakkos oder Westen aus Leder, mit den auffälligen 6 Knöpfen, gehören zum Outfit.
Durch die Einführung der Gewerbefreiheit wurden die Zünfte im Laufe des 19.jahrhunderts abgeschafft. Allerdings kann man auch heute noch, zwar sehr selten, wenige Gesellen auf ihrer Wanderung sehen.
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