Angler wollen Aale retten

Galsaal, nur wenige Gramm schwer, bleistiftgroß.
Jeder von ihnen ist nur etwa sieben Gramm schwer, bleistiftgroß und blitzschnell: Gut 85000 winziger Aale hat der Angelsport Verband Hamburg (ASV) in Hamburger Gewässer gesetzt. Etwa 600 Kilogramm Aal wurde in speziellen 1000-Liter-Thermotanks per Lkw der „Aal-Versandstelle“ an die Besatzstellen transportiert. Dort gelangte er in „handlichen“ Portionen in die Alster, die Dove- und Gose-Elbe, den Hohendeicher See, die Norderelbe und die Bille.
Schon seit 20 Jahren besetzt der Verband heimische Gewässer mit den jungen Glasaalen, bis vor drei Jahren allerdings in weitaus geringerer Zahl. „Dabei werden nicht nur verbandseigene Gewässer, sondern auch freie bedacht“, erklärt Michael Grabow, im ASV-Präsidium Referent für Gewässerfragen und Vorsitzender des Angel Sport Vereins Overhaken. Die Tiere stammen aus Wildfang aus der Karibik. Sie wurden auf Fischfarmen angezogen und vom Verband gekauft. Die Aktion wird von den Anglern selbst finanziert, etwa durch die Fischereiabgabe, die jeder Angler zu Beginn der Saison zahlt, um einen gültigen Fischereischein zu bekommen. Hamburgweit gibt es etwa 18000 in Vereinen organisierte und dazu etwa 20000 nicht organisierte Angler.
Die Zahl der auszubringenden Besatzfische ist in der jüngsten Vergangenheit gestiegen, weil. „die Bestände schlichtweg zusammen gebrochen sind“, sagt Michael Grabow. Eine große kommerzielle Fischfangflotte dezimiert den Fisch erheblich. Die meisten Glasaale werden an der französischen Atlantikküste gefangen, nach Fernost exportiert oder zu Fischkonserven verarbeitet. „Der Aal ist vom Aussterben bedroht“, sagt Grabow, es werde bereits diskutiert, ihn unter Schutz zu stellen. In Schweden und Dänemark gebe es bereits Fangverbote, EU-weit existieren strenge Auflagen. So müssen die geangelten Tiere bestimmte Mindestgrößen erfüllen (in Hamburg 45 Zentimeter).
Auch der Klimawandel dürfte dazu beitragen, dass sich der Aal in europäischen Gewässern zunehmend rar macht. Denn der Aal schlüpft im Westatlantik (Sargassosee). Die ihrem Aussehen entsprechend benannte Weidenblattlarve braucht allein drei Jahre, um an die europäischen Küsten zu gelangen, wandelt sich dabei zum Glasaal. Die Polschmelze ändert allerdings zunehmend das Strömungsverhalten des Golfstroms, in dem die Aale schwimmen. Die Tiere lassen immer öfter weite Teile europäischer Küsten aus, gelangen in geringerer Zahl flussaufwärts in die Binnengewässer. Beachtlich ist in den Zusammenhang auch der erstaunliche Lebenszyklus der Aale. Weibliche Tiere werden erst mit etwa 14 Jahren geschlechtsreif. Zum Ablaichen geht es „zurück zu den Wurzeln“ auf eine tausende Kilometer lange Wanderung in die Sargassosee. Dort sterben sie nach dem Ablaichen und der Kreislauf beginnt von Neuem.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.