AD(H)S und das Wirrwarr der Gefühle

Kinder und auch Erwachsene mit AD(H)S sind impulsiv, haben extreme Stimmungsschwankungen und leiden häufig an Aggressionen. Betroffene leiden meist an „überschießenden“ Emotionen, obwohl sie selber kaum Zugang zu ihnen haben.

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die typischen AD(H)S Symptomatiken, z. B Impulsivität und Unaufmerksamkeit mit Problemen der Emotionswahrnehmung und Verarbeitung im Zusammenhang stehen. Dies dürfte erklären, warum bei vielen Betroffenen das „Belohnungssystem“ nicht richtig funktioniert und sie sich nur selten über ihre Leistungen freuen können.

Was sind Emotionen


Emotionen sind „ ein Erlebniszustand, der aus bestimmten Bewertungen resultiert und dem bestimmte Handlungen folgen“. Emotionen entstanden im Laufe der Evolution und sind automatisierte oder / und erlernte Reaktionen auf innere und äußere Reize. Emotionen kommen und gehen und geben uns u. a Informationen über andere und sie drängen uns bestimmte automatisierte / erlernte Handlungen auf.

Emotionen werden im limbischen System wahrgenommen. Die Amygdala, der Mandelkern im limbischen System hat hier „ das Sagen“ und prüft ständig, ob eine Situation gefährlich ist oder nicht. Diese Bewertungen von Situationen erfolgen in jeder Sekunde und das Blitzschnell. Und genau dies kennen viele Betroffene mit AD(H)S: das schlagartige Kippen der Stimmung, von Himmel hoch jauchzend zu Tode betrübt in 0,03 Sek. Diesen Vorgang können wir nicht steuern oder willentlich beeinflussen und sind ihm somit „ausgeliefert“.

Aufgrund der Bewertung des Mandelkerns wird nun, genauso blitzschnell ein Handlungsablauf in Gang gesetzt. Diese Handlungen erfolgen meist auch automatisch und nicht willentlich gesteuert – doch dies kann man lernen. Hierfür ist ein Bereich im Stirnlappen des Gehirns zuständig, und man kann, mit etwas Übung lernen, diesen zu beeinflussen und somit die Handlungen „neu“ zu programmieren.

AD(H)S und Emotionen


AD(H)S und Emotionen kann ein schwieriges Thema sein. Es gibt AD(H)S´ler die keine Gefühle empfinden und nur sehr schwer und schwach und es gibt AD(H)S´ler die „Überkochen“ vor Gefühlen. Bewiesen werden konnte, dass viel AD(H)S´ler Schwierigkeiten mit dem Belohnungssystem haben und sehr wenig Freude empfinden können. Ebenfalls klar ist mittlerweile, dass sich negative Emotionen bei ihnen stärker in der Amygdala, dem Mandelkern, „einbrennen“ als positive Emotionen.

Häufig kommt es im Alltag zu Problemen, da die Betroffenen nicht abschätzen oder merken können, welche Bedürfnisse und Emotionen ihr Gegenüber gerade empfindet. Kinder und auch Erwachsene können verletzet reagieren, ohne es zu wissen oder zu wollen – sie haben keinen optimalen Zugang zu den Gefühlen anderer und können nicht abschätzen, was ihre eigene Reaktion bei ihrem Gegenüber auslöst.


Hilfreiche Möglichkeiten


Als hilfreich haben sich „Achtsamkeitstraining“ und „Emotionstraining“ erwiesen. Hier lernen die Betroffenen, in manchmal ansträngender Kleinarbeit, ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle zu erkennen und anzunehmen. Vielfach haben Kinder gelernt, ihre Gefühle ( wie Aggression und Wut ) zu unterdrücken und zu verdrängen. Hier kommt es darauf an, wieder einen Zugang zu ihnen zu bekommen. Ebenfalls „erlernt“ wird im Achtsamkeitstraining, die eigenen „Stressmacher“ zu erkennen und zu verstehen und zu fühlen, wie man eigentlich auf diese Situationen reagiert um zu sehen, ob es vielleicht eine bessere Alternative gibt mit diesen Situationen um zu gehen.

Hilfreich hierbei ist eine Liste, mit Bedürfnissen und Gefühlen, die den Betroffenen helfen kann, ihre eigenen Bedürfnisse „wieder zu erkennen“. Hierbei gilt es auch den Unterschied zu erkennen zwischen z. B Aggressivität – Wut – Genervtheit – Unzufriedenheit. Diese Einteilung nach „Schweregrad“ der Emotionen ist wichtig, um eine angepasste neue Handlungsweise zu erlernen.
Das Emotionstraining ist ebenfalls als „Türöffner“ der Gefühle gedacht. „Was ist Freude, wann fühle ich Freude, wie fühlt sich Freude an, kann ich diese beeinflussen“. Ebenfalls wichtig ist das Erkennen, verstehen und akzeptieren der Gefühls – und Bedürfniswelt des Gegenübers.

AD(H)S Coaching für Erwachsene
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