Totenshopping – Miss Marple kommt nicht zur Ruhe

Königin der Texte Charlene alias Miss Marple jagt immer noch den Betrüger ihres Vaters
Mein Vater hat sich neulich einen nagelneuen Laptop für 400€ bei Otto bestellt. Schon 3 Tage später hatte der Paketdienst den Karton bei den Nachbarn abgegeben.

Und heute kam wieder eine Sendung von O2 für ihn.

Das wäre an sich nichts Ungewöhnliches. Ist es in diesem Falle aber. Dumm gelaufen, denn mein Vater wohnt hier nicht mehr. Seine neue Anschrift ist jetzt Friedhof Rahlstedt, Grab A 8 u. Er ist nämlich im Januar gestorben. Mir ist bislang kein Fall bekannt, in dem Verstorbene sich Waren nach Hause bestellt haben. Ein Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde wäre also wohl angemessen.

Oder auch nicht.

Als ehemaliger Staatsbeamter ist mein Vater über jeden Verdacht erhaben.
Mit den Betrügereien ging es schon im Herbst letzten Jahres los. Da kamen fast jede Woche Vertragsunterlagen, Rechnungen oder Auftragsbestätigungen von Telekommunikationsunternehmen. Während die Deutsche Telekom nur einmal eine Rechnung geschickt hat, kamen von Telefónica unter den vielfältigsten Markennamen unterschiedlichste Schreiben.

Wie nett auch, dass man telefonisch dort entweder niemanden erreichen kann oder abgewimmelt wird. Dabei machen sich doch diese Unternehmen als Handlanger von Betrügern strafbar und sollten froh sein, wenn sie darauf hingewiesen werden!

Natürlich haben wir gleich Strafanzeige bei der Polizei eingereicht, da mein Vater in seinem hohen Alter zwar körperlich eingeschränkt, im Kopf aber ganz klar gewesen ist. Wer nicht aus dem Haus geht, bestens mit Technik versorgt ist und von Handys gar nichts hält, schließt keine solchen Verträge ab. Beamte im Ruhestand würden erst recht niemals auf die Idee kommen, eine fremde Kontonummer anzugeben!

Zahlreiche Anrufe und Briefe an die betroffenen Unternehmen hatten keinen durchschlagenden Erfolg. Die Telekom hielt es nicht mal für nötig, darauf zu reagieren.

Telefónica antwortete zwar mit den absurdesten Schreiben und Anrufen offensichtlich ahnungsfreier Mitarbeiter, schloss aber trotzdem laufend neue Verträge unter wechselnden Markennamen mit Betrügern ab, die Namen und Adresse meines Vaters vorgaben. Wer Verträge abschließt, sollte im Sinne eines rechtmäßigen Geschäftsmodells prüfen, mit wem er Geschäfte abschließt. Telefónica ist das restlos egal. Munter werden kriminelle Machenschaften von diesem Telefongiganten unterstützt und unbescholtene Bürger geschädigt.

Heute also wieder ein Umschlag von O2 für meinen Vater. Ich werde seine neue Adresse darauf schreiben und ihn wieder in den Briefkasten werfen. Oder sollte ich einfach alles, was für ihn geliefert wird, ungeöffnet in den Keller stapeln, bis die Idioten es wieder abholen?

Es wird sicher lustig, wenn die Lieferanten versuchen, Mahnungen an meinen Vater zu schicken. Was muss eigentlich noch passieren, damit endlich mal jemand aufwacht!?! Anzeige bei der Polizei, Schreiben an die Unternehmen, immer wieder Mitteilung des Aktenzeichens, Artikel in der Tagespresse… alles auf meine Kosten? Eine Unverschämtheit! Bei Telefónica und Konsorten scheint das niemanden zu interessieren. Aber nachher wollen die dann womöglich Geld von meinem Vater sehen, Mahngebühren, Gerichtskosten und was weiß ich noch alles – oder auch von seiner Witwe. Alte Leute betrügen, das können sie, aber Courage zeigen, saubere Geschäfte machen, Servicefreundlichkeit bieten, das können die Großunternehmen im Zeichen der Globalisierung wohl nicht!

Kein Wunder eigentlich, wenn die mächtigsten Männer der Welt von alternativen Fakten sprechen, um Lug und Trug zu verharmlosen.

Interessant war das Gespräch mit der netten Dame bei Otto. "Wir können leider nicht nachvollziehen, wer die Bestellung aufgegeben hat." Da fragt sich Otto Normalverbraucher, wie das angehen kann. Heißt das nun, ich kann für Frau Merkel – einfach so – ein Pferd bestellen, und niemand kann hinterher sagen, wer das war? Im Zeitalter der Digitalisierung, der lückenlosen Überwachung und des allgegenwärtigen NSA kann ich das einfach nicht glauben.

Stellt sich die Frage, wie die oder der Betrüger an die Daten meines Vaters gekommen ist. Da gibt es viele Möglichkeiten. Immer wieder treffen Schreiben ein, die um weitere Spenden betteln. Ob es nun die Johanniter Unfallhilfe, die DLRG, das Rote Kreuz, die SOS-Kinderdörfer, oder die Seenotretter sind – alle wollen sie nur eins: GELD. Überall dort wird er vermutlich mal etwas gespendet haben. Vielleicht hat jemand einen runden Geburtstag gefeiert und seine Gäste gebeten, statt Geschenke, einen Betrag an die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger oder den Tierschutzverein zu spenden. So einfach sind die an seine Adresse gekommen, die von dort durchgesickert sein könnte.

Auch im Telefonbuch hätte man nachschlagen können. Selbst die Ortsämter verkaufen die Adressen der Bürger, was seit einigen Jahren legal ist. Wie bekannt wurde, sind auch bei einem Cyberangriff bei dem Internetgiganten Yahoo Kundendaten gestohlen worden. Möglich, dass Betrüger darüber seine Daten ergattert haben.

Ungefähr einmal pro Woche kommt ein Anruf, "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben einen BMW 3er gewonnen!". Wir legen jedes Mal auf, denn meine Mutter braucht in ihrem Alter keinen neuen BMW, und natürlich hat auch keiner von uns im Lotto gespielt. Die Anrufe sind nervig und penetrant.

Nur wenig seltener rufen die angeblichen Marktforschungsinstitute an, die auch nie genug davon bekommen.

Darüber hinaus gibt es die Anrufe in englischer Sprache, die vorgeben, von Microsoft zu kommen. Perfekt ausländischer Akzent. Ich kann nur warnen: Bloß nicht darauf hereinfallen! Gerade ältere Menschen werden damit geradezu bombardiert und wenn man nicht aufpasst, abgezockt.

Geschockt war unlängst eine Dame von Stiftung Hagenbeck, die am Telefon eine Spende akquirieren wollte. Ich habe ihr gesagt, sie müsse im Himmel anrufen, wenn sie meinen Vater sprechen wolle. Das verschlug ihr kurz die Sprache. Als sie sich berappelt hatte, fragte sie, ob sie ihn dann von der Liste streichen solle. Na was wohl sonst?!?

Wie lange mag das noch so weitergehen? Was mag noch alles geliefert werden, frisch bestellt von meinem verstorbenen Vater?

Und damit das nochmal deutlich gesagt wird: mein verstorbener Vater bestellt sich keine Handyverträge und auch keine Laptops und auch sonst nichts. Und sollte er es doch tun, dann auf jeden Fall nicht an seine alte Anschrift. ER LIEGT AUF DEM FRIEDHOF!
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