200.000 Tonnen wiegt Hamburgs neues Baby und die Karten sind ausverkauft

   
Hamburg Hafencity Bau der Elbphilharmonie Mai 2009
Hamburg: Elbphilharmonie | Nun hat Hamburg also doch gewonnen – den Wettlauf um die Fertigstellung. Es war ein spannendes Rennen. Wer stellt sein Großprojekt zuerst fertig, Berlin den Flughafen BER, Stuttgart sein Projekt 21 oder Hamburg seine Elbphilharmonie? Die Hansestadt meldet die Vollendung.
Mit großem Bahnhof wird heute, am 11. Januar 2017 die Eröffnung der Elbphilharmonie gefeiert. Wie muss man sich das vorstellen?
Es gab da diesen alten Kaispeicher von 1963, der als Ersatz für den alten aus kaiserlicher Zeit (1875) auf dem großen Grasbrook gebaut worden war (wo der berüchtigte Seeräuber Klaus Störtebeker den Legenden nach hingerichtet worden sein soll).
Kakao und Kaffee wurden dort gelagert, und man ist überrascht, wenn man hört, dass der Speicher danach furchtbar gestunken haben soll. Als der Wandel vom Stückgut zu Containern immer mehr um sich griff, wurde auch dieses große Lagerhaus nicht mehr benötigt. Engagierte Leute wollten ein neues Wahrzeichen für Hamburg bauen, ein Gebäude mit Konzertsälen, das weithin sichtbar und eine neue Attraktion der Hafenstadt werden sollte. 70 Millionen sollte es kosten, und die würde man größtenteils aus privaten Mitteln bekommen. Man war damals recht optimistisch und dachte, das ließe sich in wenigen Jahren realisieren.
Den alten Kaispeicher von 1963 wollte man erhalten und oben drauf eine moderne Glaskonstruktion bauen. Eine Verbindung von alt und neu.
Nun war dieser natürlich nicht dafür ausgelegt, und so musste der alte Bau zunächst mit verstärkten Fundamenten versehen und entkernt werden. Immerhin wiegt das neue Gebäude ca. 200.000 Tonnen und damit erheblich mehr als zur Zeit, als es als Lagerhaus existierte.
Die Elbphilharmonie ist einer der vielen neuen Bauten, die auf der Fläche des ehemaligen Freihafens stehen und sich Hafen City nennen, ein neuer Stadtteil, der als größte Baustelle Europas bekannt war und teilweise noch ist. Dazu gehört auch die neuste U-Bahnlinie U4, die unter der Elbphilharmonie hindurch führt. Es soll einst ein Bahnhof dort entstehen, von dem man heute noch nichts sieht.
Die Architekten Herzog & de Meuron, die auch das "Vogelnest" zur Olympiade 2008 in Peking erbaut haben, lieferten den imposanten Entwurf.
Imposant wurde dann allerdings auch die Summe der Kosten. Von 789 Millionen Euro ist die Rede. Beim Bau kam es zu allerlei unvorhergesehenen Problemen, die gelöst werden mussten. Mit dem Opernhaus von Sydney wird die Elbphilharmonie oft verglichen – dabei denkt man nicht daran, das auch diese erheblich teurer wurde als geplant. Geht man an die Grenzen des Machbaren, dann tauchen immer Fragen auf, die man vorher nicht bedacht hat, und wenn die Verträge es nicht anders regeln, muss der Bauherr dann nachlegen.
In der Elbphilharmonie gibt es neben einem Parkhaus, dem Westin Hotel, Wohnungen und den Konzertsälen vor allem die öffentliche Galerie mit Gastronomie und einem atemberaubenden Blick auf die Stadt und den Hafen.
Noch ist alles ganz neu. Da ist der Andrang riesengroß. 72.000 Tickets für Konzerte waren innerhalb von Minuten ausverkauft. Für Normalbürger ist es also schwierig bis unmöglich, eines zu ergattern. Aber die Veranstalter wollen nachlegen, weitere Konzerte einschieben und dann auch zwischendurch Karten dafür anbieten.
Wer sich das neue Wahrzeichen Hamburgs einmal ansehen will, kann mit der Tube, der mit 80 Metern längsten gewölbten Rolltreppe der Welt bis zum Aussichtsfenster auf die Landungsbrücken und dann weitere 20 m bis zur Galerie fahren. Da die Zahl gleichzeitiger Besucher begrenzt ist, muss man kostenlose Tickets lösen. Sollte der Andrang groß sein, dann ist u. U. mit Wartezeiten zu rechnen. Alternativ kann man auch über das Internet Karten für 2 € kaufen und muss dann nicht warten.
Wenn der erste Ansturm vorüber ist und nicht ausgerechnet das brillanteste Fotografierwetter ist, entspannt sich die Situation wahrscheinlich. Ob das auch für die Nachfrage nach Konzertkarten gilt, warten wir mal ab.
Am 11. Januar 2017 hatte ich Gelegenheit, an der Pressekonferenz zur Eröffnung teilzunehmen. 320 Journalisten und Medienvertreter aus aller Herren Länder waren akkreditiert.
Scharfe Sicherheitskontrollen sollten verhindern, dass die Eröffnungsfeier gestört würde. Die Polizei fuhr Legosteine aus Beton auf und war mit einem Großaufgebot vertreten, denn am Abend würden Bundespräsident Gauck und die Kanzlerin Angela Merkel erwartet. Zur Pressekonferenz erschienen allerdings "nur" der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz sowie wichtige Vertreter von Herzog & de Meuron, NDR und des NDR Elbphilharmonie Orchesters, die hier ihre neue Heimat gefunden haben.
Nach einleitenden Reden bekamen die Presseleute Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ob Deutsch, Englisch oder Französisch – es gab Dolmetscher, die es simultan übersetzten. Selbst aus Shanghai war ein Radiosender vertreten, und es wurden Headsets auch in Chinesisch angeboten. Hamburg gilt ja als Tor zu China. Viele der Waren aus China werden im Hamburger Hafen umgeschlagen, es gibt die Chinawochen und sehr viele chinesische Firmen in der Hansestadt ebenso wie deutsche Firmen, die Handel mit China treiben oder dort Niederlassungen besitzen.
Für Touristen ist die Elbphilharmonie gewiss eine Attraktion, die sie gerne näher kennenlernen möchten, die Passagiere der vielen Kreuzfahrtschiffe eingeschlossen. Aber der Neubau wird durchaus auch kontrovers gesehen. Man fragt sich, warum Hamburg 789 Millionen Euro für einen Prunkbau, ein neues Wahrzeichen ausgeben muss, wenn man davon bessere Schulen und Kindergärten bauen, die Kultur fördern oder die ewig und zunehmend verstopften Straßen reparieren könnte. Diese Frage kann ich nicht beantworten.
Man fragt sich auch, warum man das aus Steuergeldern finanzieren muss, wo es doch anfangs geheißen hat, der überwiegende Teil würde privat finanziert. Mancher möchte die Elbphilharmonie auch boykottieren, weil er dagegen war, dass seine Steuern in Beton und Stahl gegossen wurden. Ich sage mir, ein nennenswerter Teil der Steuern, die ich bezahlt habe, ist in die Elbphilharmonie geflossen. Sie gehört also auch mir – egal ob ich das gut oder schlecht finde. Sie ist ohnehin da, und es ändert nichts daran, wenn ich sie boykottieren würde. Also gehe ich hin. Ich habe auch das Argument gehört, man müsse das nicht auch noch durch die hohen Preise des Hotels dort unterstützen. Es stimmt, die Preise sind nicht gerade niedrig. Aber man sollte auch bedenken, dass es sich um ein 5-Sterne-Hotel handelt, und dort kann man keine Preise erwarten wie an der Frittenbude um die Ecke. Man muss ja dort nicht einkehren. Ein Rundgang über die Galerie ist den Besuch auf jeden Fall wert. Bei gutem Wetter kann man den Blick genießen, wenn es stürmt, kann man sich richtig durchpusten lassen, und wenn gerade Nebel herrscht, kann man hoffen, dass er plötzlich aufreißt und fantastische Ausblicke freigibt.

Bei stürmischem Wetter wird man auf der Plaza ganz schön durchgepustet, aber man kann auch drinnen hinter den Glasscheiben bleiben. Die Wellen der Architektur setzen sich dort in Form einer Art Muschel fort.

Die jahrelange Baustelle ist nun keine mehr. Die Mahatma-Ghandhi-Brücke ist auch erneuert worden, und so kann man die "Elphi" sowohl von der U-Bahn Station Baumwall als auch von der Station Überseequartier gut zu Fuß erreichen. Das Parkhaus bietet 520 Plätze. Bei 2.100 Plätzen im großen, 550 im kleinen Saal, 150 Sitzplätzen im Kaistudio 1, den Wohnungen und dem Hotel ist das sehr knapp bemessen.
Die Elbphilharmonie ist eröffnet. Die Musiker sind begeistert von der Akustik der genialen neuen Konzertsäle, und das Publikum wird es auch sein, wenn es ab jetzt Konzerte dort besuchen kann. Die Wände sind auf ganz besondere Weise geformt und die Säle komplett federnd gelagert.
Der Hamburger Bürgermeister hat nochmal betont, dass es ihm wichtig war, dass es bezahlbare Eintrittskarten geben wird. Dass sie denn auch verfügbar sind, das konnte keiner versprechen.

Ein Video gibt es nun auch:
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