Bergedorferin freut sich königlich beim Marneval

Unser Wagen "Spirit of India" mit der kompletten Mannschaft
 
Hier wird der Spirit of India lebendig
Marne: Marne | Norddeutschland gilt weithin als Karnevalswüste. Weit und breit sind kaum Jecken zu finden, von der großen Party LiLaBe mal abgesehen, das man dieses Jahr aus Bergedorf an den Hühnerposten verbannt hat. Karneval? Da lachen ja die Hühner!

Nun bin ich ein Mensch, der sich nicht damit zufriedengibt, sich etwas anzusehen. Ich möchte dabei sein, mitmachen, mich mitten ins Getümmel stürzen und Teil davon sein. Dann macht es mir dann erst richtig Spaß.

Durch Zufall stolperte ich über einen Aufruf im Internet. Der Bürgerverein Buchholz (ich dachte an Buchholz in der Nordheide) suche für seinen Wagen beim Rosenmontagszug durch Marne (Dithmarschen) noch Begleitpersonen, und so überlegte ich gar nicht lange, sondern bekundete mein Interesse. Schon lange hatte ich davon geträumt, einmal beim Karneval mitzumachen, und hier bot sich die Gelegenheit. Marne – Karneval –  Marneval.

Erst später verstand ich, dass der Wagen den "Spirit of India" darstellte und da ich ohnehin eine Affinität zu Asien habe, passte auch das wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Ich war nun noch mehr Feuer und Flamme und konnte auch einige meiner Bauchtanzsachen von vor ein paar Jahren verwenden, die prima zum Thema passten.

Am Rosenmontag in Marne angekommen lernte ich die Gruppe vom Bürgerverein Buchholz (bei Marne, anders als ich geglaubt hatte doch nicht in der Heide) kennen, mit denen ich bis dahin nur per Internet Kontakt gehabt hatte und wurde sehr herzlich empfangen. Der Wagen war mit Holz verkleidet und sehr schön und liebevoll gestaltet. Ich war sofort begeistert. Mit der Indischen Kultur war ich schon in Singapore, Malaysia und durch die Bollywoodfilme in Kontakt gekommen. Ich mag diese farbenfrohen, schwungvollen und unschuldigen Musikfilme und die mitreißenden Rhythmen der Musik.

Dass in Marne Karneval gefeiert wird, setzte mich in Erstaunen. Als ich aber sah, welch riesiger Umzug sich gute zweieinhalb Stunden lang durch die Stadt schlängelte, war ich schwer beeindruckt. Das Fernsehen berichtete von 20.000 Menschen, die zum Rosenmontag die Straßen säumen, auch wenn Marne eigentlich nur 5.300 Einwohner hat. Es ist DIE Karnevalshochburg von Dithmarschen, wenn nicht sogar von ganz Schleswig-Holstein. Und ich war dabei!

Die meisten Wagen wurden von Traktoren gezogen, die heute teils riesengroß sind, aber längst nicht mehr die lauten und groben Landmaschinen von früher. Sie fahren so sanft an, dass es kaum einen Ruck gibt, und mit welcher Geschicklichkeit die Fahrer sie mit den doch recht groß dimensionierten Wagen durch die engen Gassen von Marne steuerten, war beeindruckend.

Auf unserem Wagen "Spirit of India" hatten sich etwa 25 Leute versammelt, die als der Zug sich in Bewegung setzte, große Mengen an Süßigkeiten und Schnäpsen unter die Menschen warfen. Später lagen die Straßen voller Bonbons. Nun ist Marne wahrhaft ein süßes Städtchen im Nordwesten Deutschlands. 

Nicht nur die Teams auf den Wagen waren in bester Feierlaune und bunt verkleidet, auch die Zuschauer entlang der Straßen waren größtenteils in Karnevalskleidung oder zumindest angemalt. Dass der Rosenmontag im hohen Norden so viel Anklang und Mitstreiter findet, hat mich ziemlich überrascht.

Umzüge kenne ich von den zahllosen Hoheitentreffen, zu denen ich seit Jahren eingeladen werde. Aber keiner davon hat so viele Menschen angezogen, wie der Rosenmontagsumzug durch Marne. Und nur zum Karneval putzen sich die Menschen heraus als Gurke, Hexe, Clown, Obelix, rosa Elefant, Buddha, Rotkäppchen, Monster oder gar als Penis. Ein so schön buntes Bild, dass mein Kamerafinger gar nicht stillstehen wollte! Als Fotojournalistin war ich fasziniert.

Als Königin hatte ich beim Umzug schon mal ein Alleinstellungsmerkmal. Aber auch sonst bin ich eine Ausnahmepersönlichkeit und war deshalb auch gleich im NDR Schleswig Holstein Magazin zu sehen. Warum ich beim Karneval bin? Weil ich mitmachen möchte, nicht nur zusehen – mitmachen. Das macht mir Spaß. Dabei bin ich eine echte Hamburger Deern, also eigentlich vollkommen unvorbelastet von rheinischem Jeckentum.

Natürlich floss der Alkohol beim Karneval in Strömen, aber wenn man auf die Sicherheit eines Wagens achten soll und noch eine Rückfahrt mit dem Auto vor sich hat, muss man "trocken" bleiben. Zum Glück kann ich husten, ohne zu rauchen und fröhlich sein auch ohne Alkohol.

Die Stimmung war großartig, sowohl auf den Wagen wie auch bei den Jecken entlang der Straßen. Ich hatte riesigen Spaß, und hab viel Neues erlebt. Das Team aus Buchholz hat mich mit offenen Armen empfangen und ins Herz geschlossen. Ich sei der Grund, weshalb der Wagen "Spirit of India" den ersten Preis für den schönsten Wagen des Jahres bekommen hat. Das ist mir zu viel der Ehre. Aber dass wir gewonnen haben, freut mich sehr, denn alle haben sich von ganzem Herzen eingesetzt, und unser Wagen war wirklich wunderschön. Schade, dass er nur für diesen einen Tag hergerichtet wurde und dann wieder eingemottet wird. Viel zu schade!

Bis zum nächsten Jahr!

Im Sommer setzt man sich zusammen und sucht sich ein Motto für den nächsten Rosenmontag. Nach dem Umzug ist schon wieder vor dem Umzug. Vielleicht wird es ja „Greetings from Japan“. Ich hätte da schon ein paar tolle Ideen.

Ob ich dann wieder dabei bin? Daran hab ich eigentlich keinen Zweifel.
Mar'n hol fast!
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