Bergedorferin krönt Nemitzer Heidekönigin

  Trebel: Nemitzer Heide | Manches Fest kündigt sich ein ganzes Jahr vorher an, manches nur einen Tag. So spontan kam die Einladung zum Heidefest nach Nemitz. Nun wird wahrscheinlich kaum einer meiner Leser von Nemitz gehört haben. Es ist ein wirklich kleiner Ort nicht weit von Trebel. Auch noch nie gehört? Was fällt Ihnen denn zu „Wendland“ ein? Gorleben? Stimmt, das ist nur wenige Kilometer entfernt.

Wenn wir „Heide“ hören, denken wir normalerweise an die Lüneburger Heide, die wahrscheinlich jedem hier ein Begriff ist. Aber es gibt in Deutschland weitere Heidegebiete, z. B. die Colbitz-Letzinger-Heide bei Magdeburg oder eben die Nemitzer Heide, die als Europas schönste Heidefläche gilt.

Heideflächen wuchern von alleine wieder zu. Der Wald erobert sie zurück, wenn nicht Mensch oder Tier dies verhindern. Die Heidegebiete gelten als Naturschutzgebiete, und deshalb werden sie gepflegt. Üblicherweise lässt man dort Schafe weiden, die fast alles wegfressen und nur die Heide stehenlassen.

Schafe sind bei uns heute nicht mehr so wichtige Nutztiere wie früher. Schäfer ist für viele kein erstrebenswerter Beruf mehr. Aber es gibt sie noch, die leidenschaftlichen Schäfer, die aus Überzeugung in der Natur fernab der Großstädte leben und sich für den Landschaftsschutz engagieren. Auf dem Schäferhof in der Nemitzer Heide traf ich einen von ihnen. Seit Generationen waren die Vorfahren als Schäfer bekannt.

Schäfer sein ist nicht gleichzusetzen mit Schafe hüten. Schäfer müssen halbe Tierärzte sein, die sich um die Schafe kümmern und auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen, die nötig sind, um die Heidelandschaft zu erhalten. Ohne Naturschutzgelder aus der EU wäre das gar nicht möglich, erfuhr ich. Zum Schafehüten hat der Schäferhof Angestellte.

Auch dass Schäfer oft in der Einsamkeit leben, ist ein Irrtum. Die Heideflächen ziehen so viele Touristen an, dass hier eigentlich immer Besucher sind und was los ist. Mit der Ruhe und Abgeschiedenheit ist es also nicht mehr weit her.

Zum Heidefest kommen natürlich immer besonders viele Besucher. Es spielten Musiker wie Fairykelt mittelalterliche und keltische Musik oder die Big Band des Gymnasiums Lüchow. Marktstände, Buden für das leibliche Wohl und ein Aufmarsch der Oldtimerautos aus dem Wendland gehörten dazu. Das 30. Nemitzer Heidefest war ein großes Ereignis für die Region, die Heide stand in voller Blüte und das Wetter war hervorragend. Mit der dreispännigen Pferdekutsche konnte man bei Musik und Gesang eine Ausfahrt machen.
Neben der Königin der Texte Charlene Wolff aus Hamburg war auch die Eisprinzessin aus Adendorf als Gasthoheiten zugegen, zudem zahlreiche ehemalige Nemitzer Heideköniginnen und natürlich die amtierende Königin und Prinzessin.

Mir wurde die große Ehre zuteil, die Heidekönigin Mascha abzukrönen, die Prinzessin Elena zur Königin und die neue Heideprinzessin Sarah zu krönen. Der Bürgermeister, die Schäferfamilie und zahlreiche Besucher wohnten der Zeremonie bei. Der bekannte Hoheitenfotograf Andreas Lawrenz war eigens aus Thüringen angereist.

Die Nemitzer Heide ist gar nicht so weit von Hamburg entfernt. Allerdings muss man etwas mehr Zeit einplanen, weil es keine Autobahnen dorthin gibt. Das ist vielleicht sogar ein Vorteil, denn im Wendland findet man noch viel Landschaft, idyllische kleine Orte, Felder und Äcker, Wiesen und Wälder.

Zum Abschied schenkte mir die Heidekönigin noch eine Flasche White Wendisch Liquor. Der wird mit Schafsmilch gemacht. Schmeckt aber nicht nach Schaf, etwas aus der Region und durchaus trinkbar. Während ich ihn probiere, denke ich an das schöne Fest zurück. Bestimmt fahre ich wieder hin…
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