Die spannende Geschichte der Kirche von Kindelbrück, Thüringen

Die Kirche von Kindelbrück aus der Luft
 
Alte Kirchenunterlagen
 
Der Altar
Kindelbrück: Kirche von Kindelbrück | Welcher Ort mit Geschichte hat keine Kirche?

In Kindelbrück ist noch eine vorhanden. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat es früher mehrere gegeben.

Kindelbrück liegt in Thüringen, also in den sogenannten "neuen Bundesländern", war also früher DDR, und da fängt unsere Geschichte an.

Unsere Geschichte

Sicher hat die Kirche bessere Zeiten erlebt, von denen man in den alten Unterlagen nachlesen könnte.

Auch wenn diese Begriffe heute keine Rolle mehr spielen sollten, haben wir Wessis gehört, dass es in der DDR Planwirtschaft gab. Da Pläne selten perfekt funktionierten, waren manche Dinge knapp oder nicht verfügbar. Das galt z. B. für Baumaterial. Kirchen waren damals nur geduldet und wurden daher vom Staat nicht unterstützt. Kein Wunder, dass die Kirche von Kindelbrück genauso verfiel, wie viele Häuser und Straßen.

25 Jahre nach der "Wende"

ist vieles wieder aufgebaut, restauriert, schön gemacht, und es gibt neue Straßen. Dummerweise leiden die meisten an Asphaltkrebs und lösen sich bereits wieder auf, aber das ist nicht unsere Geschichte.

Zum Zeitpunkt der Wende war die Kirche jedenfalls in einem erbärmlichen Zustand. Das Gebäude war baufällig, das Dach undicht und man stand vor der Wahl abreißen oder dringende Reparaturen durchführen. Man sammelte Geld für ein neues Dach und holte Sanierungsangebote ein. Schließlich hatte man 250.000 Mark zusammen. Plötzlich aber ging der Pfarrer fort.

Als die Bauarbeiten beginnen sollten, stellte sich heraus, dass die Spenden verschwunden waren, ebenso das Altarbild. Man fand noch die abgesägten Beine, aber der Altar war leer, man konnte hindurch gucken.

Außerdem waren auch die vielen Orgelpfeifen der großen Pfeifenorgel verschwunden. Unser Experte erklärte uns, dass die riesigen Bälge und Windladen für 32 Register vorhanden seien. Spieltisch und Pfeifen jedoch sind verschollen. Man vermutet, dass der Pfarrer die Pfeifen einzeln verkauft hat. Allerdings konnte man niemandem etwas nachweisen, denn die Kirche hat nach Weggang des Pfarrers offen gestanden, so dass im Prinzip auch jemand anders gestohlen haben könnte. Aber wer kann schon unbemerkt Pfeifen von 32 Registern, die teils sehr groß sind und gewiss nicht von einer Person alleine getragen werden können, mitten im Ort rausschleppen? Der Pfarrer hat theoretisch 5 Jahre Zeit dafür gehabt, denn so lange war er im in Kindelbrück.
Die Bürger von Kindelbrück mussten also noch einmal Spenden sammeln. Wäre das verschwunden Geld wieder aufgetaucht, hätte man die Kirche grundsanieren können. So konnte man nur das Nötigste bezahlen, und so ist das Kirchenschiff benutzbar. Steigt man hinauf zum 1. Rang, dann sieht man schon vieles, was restauriert werden müsste. Die Fresken an der Decke durften nicht ausgebessert werden. Der Denkmalschutz schreibt vor, dass dieselben Farben verwendet werden müssen, mit denen sie ursprünglich gemalt wurden, nur gibt es diese nicht mehr. Eigentlich Blödsinn, denn wenn man gute moderne Farben gleicher Tönung nehmen würde, bliebe es bezahlbar und würde wieder schön.

Im ersten Rang sind die Bänke mit alten Türen absperrbar, wie man es in alten Kirchen öfter findet.

Steigt man weiter hinauf in den 2. Rang, muss an über die Absperrung steigen, die dort vor Gefahr wegen Baufälligkeit warnt. Der Boden des 2. Ranges sieht auch sehr nach Baustelle aus. Der Blick ins Kirchenschiff ist sehr schön. Schade, dass Kirchenbesucher hier nicht mehr herkommen dürfen.
Mit unserem Orgelbauer nehmen wir die verbliebenen Reste der Orgel unter die Lupe. Wo der Spieltisch gestanden hat, ist ein Loch hinter 2 Holzklappen versteckt. Dahinter eine Abseite mit Stühlen, die wohl vom Chor benutzt wurden. An der Holzwand fotografiere ich alte Inschriften.

Auf den Holzstufen hier rechts und links haben offenbar Menschen die gewaltigen Blasebälge mit vollem Körpereinsatz betätigt. Mehrere Meter lange Balken dienten als Hebel.

Über unseren Köpfen sehen wir Windladen, das Kernstück einer Kirchenorgel. Wollte man sie wieder aufbauen, müsste man viel Geld investieren. Sehr viel Geld. Ein Jammer!

Der Spieltisch mit Klaviaturen und sämtlicher Mechanik ist weg.

Weiter steigen wir auf einer Holztreppe, die provisorisch angebracht wurde, um den Turm hinauf zu gelangen, nachdem die steinerne Wendeltreppe zusammengebrochen ist. Selbst die verbliebene oberste Stufe der Wendeltreppe wackelt bedenklich.

Durch einen Mauerdurchbruch können wir auf den Dachstuhl über dem Kirchenschiff blicken. Einige Sonnenstrahlen dringen durch das Dach. Vor einigen Jahren hat man unter dem Dachstuhl die hölzerne Decke eingezogen, weil die Kirche immer wieder von Vögeln verwüstet wurde.

Im Turmaufgang hängen gelegentlich Stromkabel mit und ohne Stecker in der Gegend herum. Halogenstrahler deuten darauf hin, dass man irgendwie Licht machen könnte. Allerdings bleibt es dunkel, auch als wir den Stecker in die Steckdose stecken.

Auf einer Holztreppe steigen wir vorsichtig weiter hinauf. Wie gut, dass uns wenigstens ein Handy die Finsternis ein wenig erhellt.

Wir gelangen in den Glockenraum mit ziemlich großen bronzenen Glocken. Die Fenster sind mit Läden verschlossen, die sich so einfach nicht öffnen lassen. Durch einen Schlitz fotografiere ich hinaus.

Eine über und über mit Vogelkot überzogene hölzerne Treppe führt weiter hinauf. Sie macht keinen vertrauenserweckenden Eindruck. So steigen wir lieber wieder hinunter in die Sicherheit des Kirchenschiffs.

Schaut man Richtung Altar, dann sind links im Kirchenschiff hölzerne Verschläge, die einst Kabinen für wohlhabende Bürger waren, die dort ihre Stammplätze hatten. Die Zeiten sind längst vorbei, und wo werden sie als Abstellräume genutzt, und die Sichtöffnungen sind zugehängt.

Der Altar sieht heute auch wieder besser aus. Das hat Kindelbrück der Hochzeit von Christoper und Jessica Ernst zu verdanken. Es war die erst Hochzeit seit langer Zeit, die wieder in der reparierten Kindelbrücker Kirche gefeiert wurde. Christopher, über den ich vor kurzem bereits berichtet habe, hat den Platz des verschwundenen Altarbildes mit schwarzem Stoff ausgespannt, mit Draht und Reagenzgläschen versehen, in die man sehr schöne Blumendekorationen stecken kann. Das hat er zum Heimatfest 2014 wieder grandios bewiesen.

Tja, bloß eine Kirche von unzähligen, und dennoch erzählt sie uns eine so wechselhafte von guten und schlechten Zeiten geprägte Geschichte…
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.