Die Wiege der Raumfahrt

Technikmuseum Dessau, JU 52
 
Astronaut Peter Ghost und Königin der Texte Charlene Wolff (auf der Leipziger Buchmesse 2016)
Dessau-Roßlau: Dessau | Seit Urzeiten haben sich die Menschen mit den Sternen beschäftigt. Ob es Stonehenge, die Höhlen von Lascaux oder die Himmelsscheibe von Nebra waren, überall finden sich Zeugnisse über den Traum der Menschheit, mehr über die Gestirne zu erfahren.

Lange Zeit war nicht daran zu denken, die Erde zu verlassen. Die Erde wurde aber von der Scheibe, die der Mittelpunkt der Welt war, zu einer Kugel, die winzig wie ein Sandkorn in einem gewaltigen Universum schwebt begleitet von mehr oder weniger winzigen anderen Staubkörnern, die in einer unermesslich riesigen Leere existiert.

So wie der Mensch einst das Rad erfand, um den Ort zu verlassen, wo er geboren war, so erfand er eines Tages Fluggeräte und schließlich auch Raketen. Wer das Rad erfunden hat, ist leider nicht überliefert, wohl aber, wer zu den Pionieren der Raumfahrt gehörte.

Die Chinesen haben sicherlich lange zuvor die Feuerwerksraketen erfunden und hatten Waffen, die das gleiche Prinzip benutzten lange bevor jemand in Europa sich damit beschäftigte.

Am 21. Februar 1931 startete Johannes Winkler in Dessau die erste europäische Flüssigkeitsrakete. Winkler hatte mit Veröffentlichungen die Aufmerksamkeit der Flugzeugwerke Junkers in Dessau geweckt. Dort bewies er, dass eine Rakete mit Flüssigtreibstoff grundsätzlich fliegen konnte – wenngleich beim ersten Versuch nur 3 m hoch. Nach einer Überarbeitung flog die HW1 genannte Rakete 60 m hoch und etwa 200 m weit.

Dass Robert Goddard auf seiner Farm in Massachusetts ihm 1926 zuvorgekommen war, war zu der Zeit nicht bekannt.

Man kann damit sagen, dass Dessau die Wiege der europäischen Raumfahrt ist. Dort angesiedelt waren die Junkers Werke, die allerlei verschiedene technische Dinge herstellten. Der Bereich Wärmetechnik, der heute zur Bosch-Gruppe gehört, stammt von dort ebenso wie die damals legendären Junkers Flugzeugwerke. Die Ju52 oder liebevoll "Tante Ju" genannten Flugzeuge fliegen heute noch in einzelnen Exemplaren. Mit dem Ende des 2. Weltkrieges war es zunächst vorbei mit der deutschen Luftfahrt.

Der Verleger Karsten Lückemeyer, bekannt auch als Astronaut Peter Ghost führte mich zum Winkler Gedenkstein und ins Technikmuseum seiner Heimatstadt. Karsten Lückemeyer kann man als ein Dessauer Original bezeichnen, Winkler als historischen Wegbereiter der Raumfahrt.

Zugegeben, der Stein ist nicht beeindruckend, wohl aber was dort in Dessau erarbeitet wurde!

Die Forschungen von Winkler waren die Grundlage für praktisch sämtliche Raketen, die wir heute kennen, ob es nun die Saturn der Amerikaner ist, Space Shuttle oder die Buran-Raumfähre der Sowjets oder Konzepte, die darauf aufbauen und noch gar nicht umgesetzt sind.

Es überrascht mich immer wieder, wie weit fortgeschritten man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bereits war und wie viele Grundlagen damals für unsere heutige Welt gelegt wurden.

Die Rakete von Winkler war noch winzig und primitiv, aber ohne sie hätte es die Mondlandung, die Satelliten und die Sonden nicht gegeben, die unser Sonnensystem erforscht haben und zur Erforschung anderer Sterne ins All geschossen wurden. Sie alle basieren nämlich auf demselben Prinzip.

Junkers befasste sich mit Flugzeugen, und Antriebe waren stets eine wichtige und kritische Komponente. Nicht selten waren wichtige Rohstoffe nicht verfügbar, und man musste nach Alternativen suchen. Ob Strahltriebwerke, Kolbenmotoren oder Raketenantrieb, im Dessauer Technikmuseum findet man alles, und wenn der Astronaut Peter Ghost es einem mit Leidenschaft erklärt, lernt man eine Menge dazu. Hätten Sie z. B. gewusst, dass für Raketen andere physikalische Gesetze gelten als für ballistische Projektile? Die einen drehen sich in den Wind, die letzteren werden vom Wind abgelenkt.

Einen Experten wie diesen hätte ich gerne im Luftfahrtmuseum von Wernigerode gehabt! Dort ist nämlich auch eine sehr umfangreiche technische Ausstellung, die den Besuch lohnt.

Ein ganz besonderes Ausstellungsstück ist der einzige Lastwagen mit Holzgasantrieb, den ich je gesehen habe. Auf der Ladefläche hatte dieser einen Tank, in dem Holz zum Schwelen gebracht wurde, dabei Gas abgab und so den Motor betreiben konnte. Not macht erfinderisch. Es gab damals nicht genügend Öl, und so musste man andere Brennstoffe finden, mit denen man Autos antreiben konnte. Die Zuckerrübe wurde ebenfalls aus der Not heraus entdeckt, weil Wirtschaftsembargos die Versorgung mit Zuckerrohr verhinderten.

Der Astronaut von Dessau führte mich ein wenig ein in die Geschichte seiner Stadt, die sicher noch viele interessante Dinge und Erkenntnisse zu bieten hat. Wie andere deutsche Städte wurde sie im 2. Weltkrieg kurz vor der Kapitulation schwer bombardiert und größtenteils zerstört. Historische Gebäude sind daher kaum erhalten geblieben. Vom Schloss steht noch ein kleiner Teil, der wieder aufgebaut wurde. Die meisten Gebäude sind aber nach dem Krieg entstanden. So auch der Ufo-Landeplatz (soll eigentlich die Tragfläche eines Flugzeugs darstellen).

Direkt hinter dem Einkaufszentrum befindet sich dieser zerfallende Komplex, der mal bessere Zeiten erlebt hat. Hier könnte Peter Ghost doch seinen Raketenlandeplatz bauen, ist doch schön zentral gelegen, aber das ist wohl noch Zukunftsmusik…
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