Drei Kronen & Ehrt

Charlene Wolff auf dem Weg ins Bergwerk
 
Im Bergwerk Drei Kronen & Ehrt
 
Königin der Texte im Bergwerk
Elbingerode (Harz): Drei Kronen & Ehrt | Den Harz kennen wohl alle, zumindest vom Namen her. Nicht Hartz, sondern Harz ohne T. Mit T ist das eine weniger erfreuliche Sache.

Der Harz ist von Hamburg aus gesehen das nächst gelegene Mittelgebirge. Heute verbinden wir es mit Wandern, Skilaufen – wenn das Klima erlaubt. Der Harz ist für uns Flachländer eine Abwechslung. Man kann montags noch nicht sehen, wer freitags zu Besuch kommt. Romantische Berge und Täler, kleine Orte mit Fachwerkhäusern, Schlösser, Stauseen… man findet dort viel Abwechslung.
Fast schon in Vergessenheit geraten ist, dass dort über Jahrhunderte hinweg Bergbau betrieben wurde. Es war damals weder möglich noch billiger, die Rohstoffe aus dem Ausland zu kaufen. Man war darauf angewiesen, die Bodenschätze in mühsamer Handarbeit und später mit Hilfe fast vergessener Maschinen aus dem Berg zu schürfen.

Die Bergmänner, auch Kumpel genannt, hatten eine schwere und gefährliche Aufgabe. Ist das wieder eine ungerechtfertigte Bezeichnung, Bergmänner? Nein. Tatsächlich wurde das Handwerk nur von Männern ausgeübt. Abgesehen davon, dass ich als Frau keine Lust dazu gehabt hätte in Staub und Dunkelheit Schwerstarbeit bei extremem Lärm zu leisten, gab es den Aberglauben, dass Frauen im Bergbau Unglück bringen würden. Wir kennen das von der Seefahrt. Man kann sich gut vorstellen, dass eine Frau in der Gruppe von Männern zu allerlei Eifersuchtsdramen führen könnte. Für Besucherbergwerke gilt das natürlich nicht, denn dort wird ja nicht mehr gearbeitet wie früher.

Für uns ein Glück, denn wir wollen kein Unglück bringen und trotzdem mal in die Unterwelt eintauchen.

Es gibt in Deutschland nicht mehr viele Orte, an denen man in den Berg einfahren und ein echtes Bergwerk besichtigen kann.

Das Bergwerk "Drei Kronen & Ehrt" in der Nähe von Elbingerode ist so ein Besucherbergwerk. Noch kann man dort nicht nur in den Berg schauen. Die Bergleute führen den Besuchern auch gerne die unglaublichen Maschinen vor, die dort unten noch betriebsbereit warten.

Die Kumpel hatten seinerzeit nicht so komfortable Wagen wie wir. Sie sind einfach auf die Loren gestiegen und rumpelnd zum Arbeitsplatz gekarrt worden. Dann ging es zu Fuß weiter, teils auch auf dem Hintern wie auf einer Rutschbahn.

Drei Kronen & Ehrt war ein Schwefelbergwerk. Es wurde nach der Wende 1990 geschlossen. Schwefel war und ist ein wichtiger Stoff für viele Produkte. Wir kennen Streichhölzer, Feuerwerkskörper, aber auch bei der Weinkelterei wurde Schwefelsäure zum Desinfizieren der Fässer verwendet.

Heute gibt es Verfahren, mit denen man Schwefelsäure aus den Abgasen von Kohlekraftwerken gewinnen kann. Der Grund für die Schließung der Bergwerke in Deutschland ist aber, dass man die Rohstoffe billiger aus dem Ausland einkaufen kann. Dort gibt es viele billige Arbeitskräfte, Vorkommen, die ergiebiger sind und die Wechselkurse tragen auch ihren Teil dazu bei.

Wir sehen hier einen Arbeitstisch auf Rädern mit wichtigen Werkzeugen. Was wir für einen Schrotthaufen halten könnten, ist die Realität. Im Berg herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, Schmutz und Staub und ganz viel Lärm. (wenn gearbeitet wird) Das Werkzeug rostet. So sah es also auch aus, als in Drei Kronen & Ehrt noch abgebaut wurde.

Der Bergmann zeigt uns auch die Maschinen, mit denen das Erz abgebaut wurde. Sie wurden mit Pressluft angetrieben und funktionieren noch erstaunlich.

Er warnt uns, dass es LAUT wird, legt einen Hebel um, und die Maschine röhrt los wie ein Dinosaurier und schießt vorwärts. Damit hatte keiner gerechnet. Mit einem Porsche scheinen die Maschinen es allemal aufnehmen zu können. Mit irrwitziger Geschwindigkeit rast so ein Monster auf mich zu. Ein Zug am Hebel und die Schaufel schießt empor und würde, wenn sie gefüllt wäre eine Tonne Gestein in den Wagen knallen. Ein Erlebnis, das sich kaum beschreiben lässt. Wie wild muss es hier unten zugegangen sein, als noch Schwefelkies abgebaut wurde! Ohrenbetäubend ist jedes einzelne Gerät. Wie laut muss es gewesen sein, als noch vier bis fünf Kumpel gleichzeitig gearbeitet haben!

Der Bergmann zerschlägt mit dem Hammer einen Erzklumpen. Wir dürfen alle mal dran riechen. Es riecht wie Streichhölzer oder Sylvesterfeuerwerk. Wir dürfen ein Stückchen mitnehmen. Er zertrümmert noch einen Klumpen, und es fliegen Funken.
Der Stein ist scharfkantig. Aber riechen tut er nur, wenn man drauf schlägt.
Überhaupt hatte ich befürchtet, dass es hier im Schwefelbergwerk unangenehm riechen würde. Aber das tut es gar nicht. Kein Geruch von verfaulten Eiern.

Wir haben die Exkursion begeistert aufgenommen. Als Stadtmenschen benutzen wir so viele Dinge ohne darüber nachzudenken, wie schwer dafür gearbeitet wurde, die Rohstoffe dafür zu gewinnen. Das Besucherbergwerk ist ein guter Beitrag, für mehr Verständnis und Respekt zu sorgen. Das kann einen dazu bewegen, länger darüber nachzudenken, ob man etwas wegwirft und uns den Sinn von Recycling bewusster zu machen. Außerdem ist das Besucherbergwerk ein aktiver Blick in die Vergangenheit. Ein unbezahlbares historisches Denkmal. Warum die Bergbaubehörde es schließen will, ist nicht einzusehen.

Drei Kronen & Ehrt ist über die Jahrhunderte wie ein Spinnennetz in den Berg hinein geschlagen worden. Manchmal 30 cm pro Tag dank schwerster körperlicher Arbeit in Dunkelheit, Lärm und Gefahr.

Da Foto gibt es leider überhaupt nicht wieder: diese Kaverne ist 25 m hoch. Die höchste sogar um die 70 m. Besucher dürfen deshalb nicht dorthin, weil man wegen der Höhe die Decke nicht mit einer Stange auf lose Brocken abklopfen kann. Das Rohr verbindet diesen Hohlraum mit einem darunter, durch den man das lose Gestein befördert hat. Auf einer tieferen Ebene wurde es mit Loren abtransportiert oder mit einem Fördermechanismus nach oben transportiert. Auf dem Berg standen Zerkleinerungsmaschinen, die man aber bereits abgebaut und in irgendeiner Kiesgrube abgestellt hat.

Der Harz bietet verschiedene Erze. Dieses Schwefelbergwerk ist von einer Haube aus Kalkgestein umgeben. An einigen Stellen sieht man daher weißes Gestein. Da das Gestein sehr hart ist, härter als Stahl, muss man die Stollen nicht abstützen, wie es in Kohlegruben notwendig ist. An einigen Stellen ist dies dennoch nötig. Man nimmt dazu Nadelholz, da es kracht, bevor es zusammenbricht. Buche wäre zwar stabiler, würde aber mit einem Krach zusammenbrechen, und man hätte keine Zeit mehr zur Flucht.

Im Tageslicht gefällt es uns doch besser, aber ich bin der Meinung, man darf nicht alle historischen Zeitzeugen einfach zu machen. Gerade dieses Bergwerk bietet ein tolles Erlebnis und auch viel zu lernen. Besonders im Zeitalter von Internet und Smartphones sollte man solche Zeitzeugen erhalten und bekannter machen.

Wer Drei Kronen & Ehrt noch erleben will, muss sich wohl beeilen – oder sich aktiv dafür einsetzen, dass es erhalten wird.

http://www.grube-einheit.de/
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