Heide- und Bockbierfest in Colbitz 10.09.2016

  Colbitz: Colbitz | Früher hielt ich die Lüneburger Heide für das einzige Heidegebiet. Dann sah ich große Heideflächen in England auf dem Weg durch den Lake Distrikt und dachte, sie wäre dann wohl die einzige Heide in Deutschland. Inzwischen weiß ich es besser.

Ich kenne die Neemitzer Heide-Kronprinzessin. Neemitz liegt im Wendtland, Gorleben ist sicher vielen ein Begriff. Aber auch in Colbitz gibt es ausgedehnte Heideflächen. Colbitz liegt bei Magdeburg, also ganz woanders. Dort ist der größte und modernste Gefechtsübungsplatz Deutschlands, wenn nicht sogar Europas. Eine ganze Stadt mit U-Bahn soll man dort gebaut haben. Und dort gibt es eben ausgedehnte Heideflächen, die man nicht betreten kann, weil dort die Bundeswehr übt. Einerseits ist das schade, andererseits schützt das Tiere und Pflanzen, die anderswo bedroht wären.

Die 20. Colbitzer Heidekönigin Liv hatte mich in ihre Stadt eingeladen. Gefeiert wurde das Heide- und Bockbierfest. Ich fand, dass ich dort wieder einiges lernen konnte, und nahm die Einladung dankend an.

Außer mir waren nur die lokalen Hoheiten und die Neemitzer Kronprinzessin zugegen, da gleichzeitig in Sangerhausen der Sachsen-Anhalt-Tag gefeiert wurde. Aber es waren sehr viele Besucher gekommen. Offenbar ist Bockbier ein sehr zugkräftiges Argument für einen Besuch in Colbitz.

Im Festzelt auf dem Marktplatz versammelte sich die Prominenz zum Bockbieranstich. Nach einigen Reden von Bürgermeistern und Politikern wurde die Ziege hereingeführt, die auf dem Wagen das Bockbierfass hatte. In den Reden war es auch um den Bau der Autobahn A14 gegangen, der durch den Ziegenmelker verzögert wurde. Ich fragte mich, ob Bockbier von der Ziege gemolken wird…

Aber das Internet klärte mich auf. Bei dem Ziegenmelker handelt es sich um einen Vogel, dessen Vorhandensein von Naturschützern zum Grund gemacht wird, die Autobahn zu verhindern, obwohl die strukturschwache Region diese dringend braucht. Gerichtsverfahren und Verhandlungen haben den Bau erheblich in Verzug gebracht. Es geht also nicht nur in Finkenwerder beim Ausbau der Airbus Werke um einen Vogel, sondern auch im Raum Magdeburg.

Mit Musik und Beifall begleitet wurde das Fass auf der Bühne angestochen.
Das frische Bockbier floss in ein großes Bierglas und wurde sodann der Ziege kredenzt, die gar nicht sehr begeistert zu sein schien, obwohl sie diese Prozedur schon seit Jahren kennt. Eigentlich sollte das ein Bock machen, den man aber nicht hatte, und so musste halt Frauenpower herhalten…

Während sich das Volk auf dem Marktplatz mit Bockbier vergnügte, wurden wir Hoheiten herumgeführt, sprachen mit den Besitzern verschiedener Marktstände und besuchten eine Ausstellung über Tansania in der großen evangelischen Kirche.

Der Pfarrer erzählte uns viel über das Land, die Leute und die Aktivitäten zur Unterstützung der Bevölkerung.

Das Ehepaar Hollenbach (Jens Hollenbach ist Gemeinderat) betreute die Ehrengäste umsichtig. Am Stand einer kleinen Brauerei probierten wir besondere Bierspezialitäten.

Mittags gab Liv ihre Krone weiter an ihre Nachfolgerin. Die entstehende Pause überbrückte die Königin der Texte mit Reden auf der Bühne, die vom zahlreichen Publikum sehr gut aufgenommen wurden.

Die Krönungszeremonie wurde begleitet von einem großen gemischten Chor und Musikern. Als neue 21. Heidekönigin wurde die 19. Heidekönigin erneut inthronisiert.

Eine Abordnung der Bergleute vom nahe gelegenen Kalibergwerk Zielitz war zugegen, und ich unterhielt mich angeregt mit ihnen. Auf dem Abraumberg, dem Kalimandscharo, war ich zwei Jahre vorher beim Blütenfest in Rogätzgewesen, und die Marslandschaft und fantastische Aussicht von dort hatten mich fasziniert.

Vielleicht bekomme ich doch noch eine Führung durch das Bergwerk, das im Gegensatz zum Besucherbergwerk Merkers noch in Betrieb ist und daher nur in Sonderfällen besichtigt werden kann.

Im Museumshof gab es nicht nur lecker Kaffee und Kuchen, sondern auch eine Ausstellung kunsthandwerklicher Arbeiten.

Besonders faszinierend fand ich die Lebensmittel aus Stein, die eine Künstlerin geschaffen hatte.
Alles zum Anbeißen echt – und doch nur aus Stein!

Nach der Führung besichtigten wir noch eine Gemäldeausstellung in der kleinen katholischen Kirche, die von Flüchtlingen aus Sudetendeutschland (Böhmen) erbaut wurde und heute nur noch überleben kann von Spenden und engagierten Bürgern.

Zwei Künstlerinnen aus der Ukraine, die in Magdeburg leben, hatten ihre lebhaften und kunstvollen Naturbilder zur Verfügung gestellt. Sie wollten mit ihnen ausdrücken, dass man die Natur schützen soll. Helle Farben gaben Zuversicht.
Die Besucher waren sehr angetan.

Der Kantor spielte eigens für die Hoheiten ein Konzert auf der Orgel.

Am Abend waren Marktplatz und Park bei lauen Sommertemperaturen von Menschenmassen bevölkert. Im Festzelt auf dem Marktplatz spielte die sehr starke Band "Dizzy o' Whizzy".

Mein Knopfi aus Schmölln war begeistert und durfte mit auf die Bühne.

Im Park spielte eine Gruppe aus Leipzig "Die Original Landstreicher" mehr schlagermäßig.

Knopfi gönnte sich erst mal ein Bockbier. Na dann prost!
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