Kennt jemand Luisa Miller?

Charlene, die Königin der Texte aus Bergedorf in der Hamburger Staatsoper
 
Charlene in der Staatsoper
Hamburg: Hamburgische Staatsoper |

Luisa Miller? Kenn ich nicht.

So hätte ich noch vor kurzem geantwortet. Inzwischen weiß ich es besser, denn ich habe sie kennengelernt. In der Oper. Luisa Miller ist eine Oper von Verdi. Wer meint, Oper sei nur Gequieke und Gejaule, sollte sich mal eine Pekingoper anhören. Die Arien der klassischen Musik hören sich zugegebener Maßen anders an als der Gesang moderner Popmusik. Warum aber soll nicht Platz für beide Genres sein?

Die Oper entstand durch die Zusammenführung verschiedener Kunstrichtungen, nämlich der Musik, dem Gesang und dem Theater sowie dem Bühnenbau. In der Kombination reifte die Oper zu ihrem Höhepunkt heran. Und Oper ist nicht nur was für Opa!

Oper ist Kultur, und da geht man vornehm hin. Man erlebt es nicht alle Tage, und es kostet viel Geld. Außerdem ist es ein willkommener Anlass, mal sein kleines Schwarzes auszuführen.

Aber zurück zu Luisa. Wie zeitnah und dramatisch eine Oper sein kann, zeigt die erzählte Geschichte: Luisa hat sich in Rodolfo verknallt und er sich in sie. Zwar kennt sie seinen Vornamen, nicht aber seine Herkunft. Ein Verehrer, der seltsamer Weise "Wurm" heißt, hält bei Luisas Vater um ihre Hand an. Papa aber liebt seine Tochter und ist der ganz modernen Meinung, eine Hochzeit müsse auf Liebe gegründet sein, und die gab es nun mal nicht mit dem Wurm, sondern mit Rodolfo. Daraufhin war der Wurm mächtig sauer, erklärte dem Papa, Rodolfo sei der Sohn seines Herrn, worauf Papi schon Schwierigkeiten vorhersah. Als Rodolfos Vater, der Herzog von der Liebschaft seines Sohnes erfuhr, tat er alles, um eine solche Heirat zu verhindern. Er wollte seinen Sohn mit der Baronin verkuppeln, deren Mann er vor der Hochzeit zusammen mit Wurm ermordet hatte, um als Vetter an die Erbschaft zu kommen. Nur Rodolfo hatte von dieser Untat etwas mitbekommen.

Es wurden Intrigen gesponnen. Wurm zwang Luisa, ihre Liebe zu Rodolfo zu verleugnen, anderenfalls würde er ihren Vater hinrichten lassen. Das ließ sie zusammenbrechen. Der Brief wurde sodann ihrem Geliebten zugeschoben.
Unterdessen war der Vater tatsächlich freigelassen worden und traf Luisa, die sich aus Verzweiflung umbringen wollte, um ihre Liebe im Jenseits wiederzutreffen. Papa konnte sie aber überzeugen, dass sie ihm so viel bedeute, was sie ihm nicht nehmen dürfe, bis sie von ihrem Plan abließ und Papi versprach, mit ihm um Mitternacht zu flüchten.

Rodolfo tauchte auch wieder auf. Luisa kriegte es nicht gebacken, ihren Schwur endlich zu vergessen und ihm von der Intrige zu erzählen. Inzwischen tranken die beiden etwas. Als Luisa merkte, dass der Tod nach ihr griff (denn es war Gift gewesen), gab sie endlich diesen verdammten Schwur auf und gestand Rodolfo den Verrat. Der begann inzwischen auch schon zu sterben.

Die Szene wechselte. Luisa war inzwischen hinüber, Papa war am Boden zerstört und Rodolfo taumelte noch. Wurm wollte ihn erledigen, aber Rodolfo war schneller mit seinem Schwert. Der Herzog jammerte um seinen Sohn, der als nächstes in die ewigen Jagdgründe einging, und zog sich dann die Perücke vom Kopf, was so viel bedeuten sollte, dass er demaskiert wurde, sein Verbrechen nun also sichtbar war. Die Guillotine, die auf der Bühne stand, haben sie nicht ausgelöst. Sie brauchen ja den Herzog noch für die nächsten Aufführungen.

Das Stück zeigt, welche dramatischen Folgen Zwangsheiraten haben können und wie leicht Liebende in ihrem Glauben an die Liebe erschüttert werden können. Die Oper von Verdi bot natürlich auch die von Opern bekannten Gesänge, bei denen hundertmal besungen wird, dass jemand stirbt, bevor er dann wirklich zu Boden geht.

Fazit

Eine Aufführung, die mich bewegt und begeistert hat. Verstanden habe ich kein Wort, schließlich wurde auf Italienisch gesungen. Ich habe erst später bemerkt, aber es war extrem hilfreich: oben, knapp unter der Bühnendecke wurden deutsche Untertitel projiziert. Übrigens war Rodolfo ein knuddeliger Typ, den sich Luisa, die auch recht schnuckelig aussah, geangelt hatte. Die Hamburger Staatsoper war gut besucht, und es gab so manchen Bravo-Ruf aus dem Publikum. Empfehlenswert.
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