Königin der Texte Charlene auf der Grünen Woche in Berlin

Auf der Grünen Woche in Berlin (IGW = Internationale Grüne Woche)
 
Viele Symbolfiguren bringen ihre Botschaft dem Publikum nahe
 
Fernsehteams berichten von der Messe
 
Die Erdbeerprinzessin Steffi, die unglaubliche Lavendelprinzessin Clara und die außergewöhnliche Königin der Texte Charlene Wolff aus Bergedorf vom Textlabor-B
Berlin: Messegelände Berlin |

Königin der Texte auf der Grünen Woche

Die alljährlich stattfindende Grüne Woche in Berlin ist die weltgrößte Messe für Gastronomie und Landwirtschaft. Sie wird derzeit auf dem Messegelände unserer Bundeshauptstadt ausgerichtet. Die Bergedorfer Königin Charlene Wolff war auf Einladung des fnl Erlebnisbauernhofs dabei.

Wie passt eine Kulturbotschafterin aus Bergedorf auf eine Landwirtschaftsmesse?

Zum einen lassen sich Kultur und Essen nicht voneinander trennen, wie schon aus dem Wort "Esskultur" klar wird. Ein schöner Text, gute Musik und ein genüssliches Essen, vielleicht mit einem guten Wein oder einem zünftigen Bier, das ist deutlich mehr als Nahrungsaufnahme, das hat Stil und Kultur. Kultur wie sie bei uns im Textlabor-B gelebt wird.

Zum anderen lassen sich all die vielen Produkte, für die sich unter anderem eine ganze Reihe von Produktköniginnen – es heißt, es gäbe in Deutschland mehr als 2000 amtierende Hoheiten – würdevoll ehrenamtlich engagieren, ohne Texte überhaupt nicht vermarkten. Werbetexte, Gebrauchsanleitungen, Beschriftungen, Erklärungen; all diese bestehen aus Texten, und so ist es nur logisch, wenn eine Königin der Texte eben diesen Aspekt von Kultur auf einer Messe wie der Grünen Woche repräsentiert. Zugegeben, eine Rosenkönigin, Apfel-, Kirsch- oder Erdbeerkönigin, ja selbst ein Rübenkönig sind weit weniger erklärungsbedürftig, aber auch die Erklärung, was eine Königin der Texte ist, ist Text.

Eindrücke von der IGW (Internationale Grüne Woche)

Da ich ehrenamtlich und somit auf eigene Kosten unterwegs bin (möchte mich nicht vielleicht jemand sponsern?), habe ich mich mit Stefanie Wenzel, unserer Vierländer Erdbeerprinzessin zusammengetan. Unsere gemeinsamen hoheitlichen Aktivitäten haben uns sehr schnell zu Freundinnen werden lassen, so könnte man uns als "bewährtes Team" bezeichnen.

Ich betrete die Messe und man heißt uns herzlich willkommen. Bald tauchen immer mehr Königinnen auf. Ein großes Hallo und freundschaftliche Umarmungen. Viele kennen sich schon von Königinnentag, der ja Anfang Oktober 2013 in Hamburg und speziell in Bergedorf stattgefunden hat. Andere habe ich bislang nur über das Internet kennengelernt, und sich jetzt persönlich zu begegnen, ist sehr schön. Selbst Königinnen aus Österreich sind angereist.

Von fünf bis siebenundsiebzig

Die jüngste ist unsere unglaubliche Lavendelprinzessin Clara mit ihren fünf Jahren. Die Edle von Torgau mit ihren 77 Jahren sehe ich nicht, aber ein so großes Spektrum deckt die "königliche Familie" ab.

Regionen

Einzelne Bundesländer haben ganze Hallen oder Bereiche für sich. Ein Kamerateam vom RBB möchte uns für die Sendung ZIB (Ausstrahlung 20.01.2014 18:30 Uhr) filmen. Wir werden es in der Mediathek übers Internet ansehen können, da RBB in Bergedorf nicht ausgestrahlt wird.

Die Regionen präsentieren sich mit Produkten und Sehenswürdigkeiten. Prospekte – auch sie enthalten Texte.

Es ist ein wenig auch eine Reisemesse. Unsere Lavendelprinzessin ist leidenschaftliche Sammlerin von königlichen Autogrammkarten. Als Königin der Texte bin ich die einzige, die sowohl deutschsprachige als auch englischsprachige hat. Es ist schließlich eine internationale Messe.

Thüringen, Brandenburg, Sachsen, NRW, Schleswig Holstein, natürlich Berlin, Bayern... Die Regionen sind alle vertreten. Hamburg sehe ich nicht. Das Alte Land ja. Gut, ich habe sicher nicht alles gesehen.

Es gibt eine Arbeitsgemeinschaft Deutsche Königinnen, die ihre Produktköniginnen auf der Bühne präsentieren will. Unfreundlich verweist mich der Vorsitzende Matthias Röper von der Veranstaltung. Am Königinnentag hatten wir noch sehr freundliche Gespräche geführt, und deshalb verstehe ich das gar nicht. Ich bin keine Produktkönigin und nicht geladen, daher ist mir klar, dass ich dort nicht auf der Bühne stehen würde, aber dass mir jemand sagt, er wolle mich nicht in der Halle sehen, ist völlig unangemessen. Eine so niveaulose Behandlung bin ich nicht gewohnt. Die Menschen begegnen mir mit Respekt, Freundlichkeit, und immer wieder wollen sie mit mir fotografiert werden, ja umarmen mich spontan.

Ich gehe weiter und komme in die Landwirtschaftshallen. Die Messe ist riesengroß. Die Tierhalle enthält Boxen, in denen verschiedenste Arten Rinder sich ausruhen. Rindfleisch ist eben nicht gleich Rindfleisch. Da gibt es neben "gewöhnlichen" Rindern Highland Cows, Galloways, Cebus und ich weiß nicht, welche Rassen noch. Als "Stadtmädchen" ist vieles für mich neu, spannend und unbekannt. Zum Beispiel wie gewaltig groß die Tiere zum Teil sind. Richtige Kolosse. An einem Gehege treffe ich auf die "Königin der Schweine", so wird sie mir vorgestellt. Ich bin mir nicht zu schade, die Schweine in ihrem Verschlag zu besuchen. Sie mögen mich und lecken mein Kleid an. Für das Gehen im Stroh ist es eigentlich zu lang, und damit ich nicht stürze, muss ich es hochheben. Die Königin der Texte im Schweinepferch – mal eine neue Erfahrung. Die Borstenviecher fühlen sich angenehm und warm an.

In der nächsten Halle fotografiere ich Rentiere in ihrem geräumigen Gehege.

Riesige Landmaschinen sehe ich, eine Halle mit Heimtieren, vor allem Katzen und Hunde, aber auch Exoten.

An anderem Ort präsentieren sich mehr oder weniger bekannte Länder. China wirbt mit hochwertigen Landwirtschaftsprodukten.

Unter Lamborghini hatte ich mir bislang Luxus Sportwagen vorgestellt, aber hier stehen Traktoren.

Belarus, Kirgisistan, die Philippinen, die Niederlande, Thailand, Marokko, Ungarn, Polen, Kenia, Andalusien… ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Ein Land präsentiert Granatapfelweine in fantasievollen Glasflaschen, zum Beispiel in Form von Pferden.


Wie ich so alleine über die Messe streife, spricht mich eine Frau an, ich sei die schönste aller Königinnen. Es gibt natürlich ein Gruppenfoto, und dann gibt Sie mir Ihre Karte und lädt mich in die Bayernhalle zu einem Glas Wein ein. Sie ist bayerische Landtagsabgeordnete. Später höre ich noch oft, ich sei die schönste Königin. Das kann zwar nicht stimmen, tut meinem Selbstbewusstsein aber gut.

In der Thüringen Halle ruhe ich mich bei einem Becher Kaffee aus. Auf der Bühne präsentiert Radio Brocken ein buntes Programm und interviewt mich. Eine ältere Dame bittet mich, ihr vom Sitz hoch zu helfen, was ich als soziales Engagement einer Königin natürlich gerne tue. Aus sie freut sich über meine Autogrammkarte.

Ich treffe Andrea Konn, die Nürnberger Volksfestkönigin, eine meiner größten Fans vom Königinnentag. Selbst der gebrochenen Fuß konnte sie nicht davon abhalten, dabei zu sein. Mit Krücke humpelt sie die schier endlosen Wege, bei denen meine Füße sich schon wie heißer Brei anfühlen. Ich sage, wir hätten ihr einen Thron auf Rädern besorgen sollen. Ich wäre mir nicht zu schade gewesen, sie zu schieben. Das habe ich bereits Franziska angeboten, der Glücksburger Rosenkönigin, die sich beim Volleyball das Knie verdreht hat. Aber sie musste sich operieren lassen und konnte daher nicht kommen.

Der Berliner Kurier möchte uns fotografieren. Wir sind Königinnen. Wenn wir etwas dagegen hätten, dann hätten wir das Amt nicht antreten dürfen. Wir hätten uns auch in das Gehege mit der riesigen schwarzweißen Sau begeben, aber die hatte so viele süße kleine Babys, da wollen wir nicht stören.

Gern geben wir den Reportern Auskunft, und am Montag, den 20.01.2014 soll der Artikel gedruckt werden.

Königinnenparade

Zur Königinnenparade auf dem Erlebnisbauernhof versammeln sich die Hoheiten. Ich treffe Inegrü, die Rennsteighexe wieder und den Rübenkönig und ungezählte bekannte Symbolfiguren, von denen ich auch eine bin.

Julia saß, eine schon auf den ersten Blick absolut sympathische, integre und selbstbewusste Frau instruiert uns, wie der Umzug ablaufen soll. Wir stellen uns an der Treppe auf, und es ist mit den ausladenden Kleidern eine Kunst, stolperfrei die Treppe zu steigen und sich nicht gegenseitig auf den Saum zu treten.

Gemächlich flaniert die Schlange der Königinnen durch die Halle, die Wege gesäumt mit Kamera-bewaffneten Zuschauern. So viele Hoheiten sieht man selten auf einer Veranstaltung. Wir nähern uns der Bühne, wo Fernsehkameras das fantastische Bild einfangen. Es ist alles hervorragend organisiert. Jeder Platz wird genau angewiesen. Auf der Bühne werden wir alle mit Handschlag vom Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied und Dr. Anton Kraus, dem Geschäftsführer der Fördergemeinschaft nachhaltige Landwirtschaft (fnl) begrüßt, die zu diesem Treffen eingeladen hat. Ein Foto aus der Sicht der Königinnen zeigt, wie viel Interesse uns entgegengebracht wird.

Zum Abschluss gibt es ein Glas Sekt und ein Interview mit der Berliner Morgenpost. Für ein sehr gelungenes Foto reicht der Strom gerade noch. (Der Artikel soll voraussichtlich am Mittwoch, den 22.01.2014 erscheinen)

Nachhaltigkeit

Nachhaltige Landwirtschaft ist spätestens seit der Expo 2000 ein viel verwendeter Begriff für die Beständigkeit einer soliden Landwirtschaft. Nachhaltigkeit betrachtet die langfristigen Auswirkungen und soll so eine Landwirtschaft ermöglichen, die auf Dauer und über Generationen hinweg funktioniert.

Was die Bundeswehr auf den IGW zu suchen hat, erschließt sich mir nicht wirklich. Ich diskutiere darüber mit einem Herrn, der mir erklärt, er habe einen Ersatz für die Drohnen gefunden, um die es vor kurzem einen Skandal gab. Dann zeigt er mir ein Motorrad aus massivem Holz mit Schaukelkufen.

Der Erlebnisbauernhof der fnl bietet Landwirtschaft zum Anfassen. Da ziert sich die Königin auch nicht, auf den riesigen Trecker zu steigen oder sich vom Fachmann über den Raps, der hier schon blüht, informieren zu lassen.

Am Ende

Meine Kondition ist ziemlich am Ende und die Füße qualmen. Noch einmal in die Bayernhalle. Dort wollten wir uns wiedertreffen. Von einem Stand werde ich auf einen Espresso und eine Reihe Fotos eingeladen. Meine Autogrammkarte bekommt einen Ehrenplatz, und ich darf erst wieder gehen, nachdem ich reichlich geherzt wurde.

Die Munsteraner Weinkönigin ist mit ihrer Fotografin unterwegs, und es stellt sich heraus, dass die bei mir um die Ecke in Lohbrügge wohnt.

Wenn die Füße bloß nicht so weh täten! Aber ich hätte ja auch nicht gleich am ersten Tag sämtliche Hallen besichtigen und danach noch nachts bis halb zwei in der Disco tanzen müssen. Aber wenn die Bayern alle mit mir tanzen wollen, wie kann ich da nein sagen?

Am Abend fahren wir heim. Ich bin froh, dass Steffi fährt, denn ich fühle mich total gerädert und etwas unwohl. Schade, dass die nächste Grüne Woche erst im kommenden Jahr stattfindet. Aber ich habe wieder eine Einladung von einer Königin bekommen. Da fahre ich gewiss hin. Es ist zwar noch eine Weile hin, aber…

Vor lauter Eindrücken kann ich kaum schlafen.
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