Königin der Texte trifft Süntelgeist

Der Süntelgeist Elvira Wittich
 
Gradierwerk Bad Münder von 1999
Bad Münder: Bad Münder am Deister |

Bad Münder

So wie Hamburg Bergedorf Charlene, die Königin der Texte hat, so hat Bad Münder den Süntelgeist als Symbolfigur. Ein Grund mehr, ihm einen Besuch abzustatten.

Die 18.000 Einwohner-Stadt Bad Münder liegt etwa 15 km von Hameln entfernt, wo die norddeutsche Tiefebene mit dem Deister endet und das Weserbergland mit dem Süntel beginnt. Auf der tektonischen Platte dazwischen liegt der Ort, der schon 1033 geschichtliche Erwähnung fand. Bad Münder wurde mehrfach komplett zerstört. Die Stadtherren wollten solche Katastrophen für die Zukunft verhindern, bauten eine Stadtmauer mit 2 Toren und ein steinernes Kornhus. Das war etwas sehr Außergewöhnliches, da man üblicherweise nur Festungsanlagen aus Stein baute, alles andere aber als Fachwerkbauten. Im 30jährigen Krieg wurde die Stadt erneut dem Erdboden gleichgemacht. Nur das Kornhus blieb erhalten.

Der Süntelgeist

Der Süntelgeist ist ein weiblicher Troll aus dem Süntelgebirge. Er führt mit viel Humor und Sachkenntnis Touristen durch Bad Münder.

Salz

In Bad Münder gab es mehrere artesische Quellen, unter anderem auch salzige. Bevor man die Siedetechnik erfand, wurde das Salz mit Hilfe von Gradierwerken konzentriert. Dabei wurde das salzige Wasser über eine Kaskade aus Schwarzdornreisig, das besonders langlebig ist, herabgerieselt. Unerwünschte Beimischungen wurden so am Reisig abgelagert, während ein Teil des Wassers in der Luft verdunstete. Die Sole, die unten an kam, war salzig genug, um sie zum Kochen zu verwenden.

Salz war früher so wertvoll wie Gold. So entstand ein blühender Salzhandel, der Bad Münder Reichtum brachte. Manche wurden so reich, dass sie sich Häuser aus Stein (statt Fachwerk) leisten konnten, also steinreich. Daneben gibt es zahlreiche liebevoll renovierte Fachwerkhäuser. Sie haben zumeist noch erkennbare Toröffnungen, wo früher die landwirtschaftlichen Wagen rein fuhren. Damit die Häuser nicht beschädigt wurden, gab es Radabweiser Steine. Fuhr ein Wagen zu knapp dran vorbei, dann kratzte er die Kurve. Es ist interessant, wie viele Redewendungen aus dem Mittelalter wir heute noch verwenden ohne deren Ursprung zu kennen.

Die reichen Bauersfrauen hatten einen Erker mit Fenstern nach 3 Seiten an ihrem Haus, von wo sie das gemeine Gesindel überwachen konnten. Starb die Bauersfrau, dann war sie weg vom Fenster.

Die einfachen Leute hatten dagegen nichts außer ihren Kleidern auf dem Laib und ihren Löffel, mit dem sie zu den Mahlzeiten aus dem gemeinsamen Topf aßen. Anschließend wurde er abgespült und mitgenommen. Starb ein einfacher Mensch, dann gab er den Löffel ab.

In Bad Münder gibt es auch zwei interessante Brunnen. Der eine stellt eine Magd dar, die in Jakob verliebt war, der als einfacher Arbeiter bei einem anderen Bauern die Ziegen hütete. Während die Familie der Magd ihr die Hochzeit erlaubte, wurde Jakob einfach an die Söltjer (Salzwerker) verkauft. Seitdem wartet die Magd auf ihn, während er die schwere Salzarbeit machen muss.

Vor etwa 130 Jahren war das Salzgeschäft wohl nicht mehr so lukrativ, und der Ort verlegte sich auf Kuren und Gesundheit. Der Kurpark wurde angelegt, ein Kurhotel gebaut, welches heute allerdings abbruchreif ist. Die Quellen, die reich an Mineralien sind, wurden für Heilanwendungen verwendet. Heute gibt es mehrere Reha-Kliniken und eine Spezialklinik für Fortpflanzungsmedizin.

Die Stadtmauer ist längst Vergangenheit. Nur ein winziges Stück von ein paar Metern hat aus dem 14 Jahrhundert überlebt. Die Häuser sind sämtlich nach dem 30jährigen Krieg neu erbaut worden. Der Ort ist auch nicht mehr getrennt in die Vorstadt Salz und Bad Münder. Weitere umliegende Ortschaften wurden eingemeindet. Wenn es nicht Bad Münder selbst ist, das viele Besucher anzieht, dann ist es die Landschaft, in die der Ort eingebettet ist. Panoramawege bieten einen herrlichen Blick über die seichten Höhenzüge, am 1999 restaurierten Gradierwerk im Kurpark kann man etwas Gutes für seine Bronchien tun, Konzerten im Kurpark lauschen oder beim Wandern seine Gesundheit pflegen.

Bad Münder hat eine weitere Besonderheit zu bieten: die Süntelbuchen. Der Sage nach ist der Blitz in eine Buche eingeschlagen. Als aus der Asche neue Triebe aufkeimten, wuchs ein Baum, der so verästelt war, dass die Bauern mit ihm nichts anfangen konnten. Seitdem gibt es nur hier Süntelbuchen. Lange Zeit wurden diese von Bauern ausgerottet, aber inzwischen züchtet man sie, was durchaus schwierig ist. Die Süntelbuche im Kurpark ist etwa 30 Jahre alt, die hinter dem Rathaus wohl 130.

Noch beeindruckender ist der Baum, wenn man ihn aus nächster Nähe von unten sieht.
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