Kohltage in Marne

Kohlanschnitt 19.09.2017 auf Hof Timm, Friedrichskook, Altfelder Weg
 
Kohlanschnitt 19.09.2017 auf Hof Timm, Friedrichskook, Altfelder Weg Kohllosseum Wesselburen Marmelade mit rotem Spitzkohl
Marne: Kohlmarkt | Wenn der Herbst kommt, kommt auch die Erntesaison. In der Großstadt merken wir nicht sehr viel davon. Obst und Gemüse gibt es das ganze Jahr. Mal ist es teurer, mal billiger. Erst wenn man genauer hinschaut, sieht man, ob es aus Peru, Südafrika, Israel, Spanien, der Türkei oder aus Deutschland kommt. In ländlichen Gegenden gibt es jetzt Erntedankfeste.

In Dithmarschen (ich berichtete) werden dann die Kohltage gefeiert. Und wenn es so viel Kohl gibt (80 Millionen Köpfe!), dann fallen manchem auch ziemlich kreative Ideen ein, was man mit Kohl Ungewöhnliches machen kann. Z. B. die Kohlmarmelade. Ich will hier niemanden verkohlen, es gibt sie wirklich, und sie schmeckt gut, wenn auch nicht nach Kohl.

Ich bekam auch ein Kohlbrot geschenkt. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass das schmecken könnte. Aber nicht nur das, es schmeckt vorzüglich!

Die Kohltage werden in Dithmarschen gefeiert. Eine ganze Woche lang sind in verschiedenen Orten der Region Stadtfeste und andere Veranstaltungen. Am 23.09.2017 war ich in Marne. Für die Kohlregentinnen ist es eine hektische Zeit. Sie haben jede Menge Termine in unterschiedlichen Orten und schaffen kaum, rechtzeitig dorthin zu kommen. Überall wird gefeiert, und man möchte sie sehen.

Von den Kohlregentinnen gibt es zwei. Sie repräsentieren die Region und den Kohlanbau und laden auch Gasthoheiten wie unsere Bergedorfer Königin der Texte ein. Dann schlendern die Hoheiten über den Kohlmarkt in Marne, werden immer wieder angesprochen und fotografiert und geben dem Fest ein bisschen mehr Glamour.

Das hat natürlich einen doppelten Effekt: die Veranstaltungen werden damit aufgewertet und ziehen mehr Aufmerksamkeit auf sich – und auf der anderen Seite tragen die Hoheiten die Kunde in die Welt hinaus. Vielleicht kommen ein paar mehr Besucher zu den Kohltagen, weil sie meinen Bericht gelesen haben? Einen Besuch ist es allemal wert. Und gar so weit ist es von Hamburg nach Dithmarschen nicht, um die 100 km.

Dort dann direkt vom Erzeuger einzukaufen lohnt sich allemal. Und es gibt natürlich nicht nur Kohl. Zwar ist Dithmarschen die größte zusammenhängende Anbaufläche für Kohl in Europa, aber neben Kohl kommen natürlich jede Menge andere landwirtschaftliche Erzeugnisse aus dieser Region.

Milchkühe und Schafe sieht man auf den Weiden. "Sturm ist, wenn die Schafe keine Locken mehr haben", sagt man. Und Schafe (die sind angeblich dumm wie Brot) geben nicht nur Wolle.

Wie die Landwirtschaft funktioniert, kann man anhand historischer Landmaschinen kennenlernen. Eine alte Dreschmaschine stand in Marne. Ein alter Trecker wurde mit einer Kurbel von Hand angeworfen. Ein langer Lederriemen wurde vom Traktor angetrieben und setzte die Dreschmaschine in Gang. Ein Landarbeiter fütterte das Getreide in die Maschine. Ein weiterer lieferte Nachschub vom Hänger. Und während die Maschine ratterte, wurden die reifen Getreidekörner vom Stroh getrennt, welches dann in langsamem Tempo auf der anderen Seite der Maschine von einem anderen Arbeiter abgeholt und auf den Hänger gestapelt wurde.

Heutige Maschinen machen die gleiche Arbeit wesentlich schneller. Allerdings kann man ihnen nicht so gut zusehen, weil alles versteckt im Inneren der Maschine passiert. Es sind die gleichen Vorgänge, nur ist heute das meiste davon automatisiert. Die Maschine ist viel größer als früher, fährt über den Acker, mäht das Getreide, drischt es, dreht das Stroh zu Rollen auf und verpackt es in Plastikfolie, während auf der anderen Seite die Getreidekörner ausgespuckt werden – alles in einem Arbeitsgang. Selbst das Getreide ist heute anders als früher. Früher wurde für die Viehhaltung und andere Verwendungszwecke viel Stroh gebraucht. Die Halme standen sehr hoch, und man konnte sich im Kornfeld fast noch verstecken. Heute stehen die Halme viel niedriger. Trinkhalme bestehen inzwischen aus Plastik und das Pferd – früher das übliche Verkehrsmittel – ist heute zum Sportgerät degradiert.

Kohlrouladen müssen sein, die gehören dazu und sind total lecker und riesig! Dazu dann ein Dithmarscher Bier…

In der Probstei gibt es übrigens die Korntage. Die waren aber schon im August. Ein Highlight sind dort die Skulpturen und Bauwerke aus Stroh. Auch die Probstei liegt in Schleswig-Holstein. Hamburg kann sich glücklich schätzen, von so viel Landwirtschaft umgeben zu sein. Die Wege der Nahrungsmittel können kurz sein, und es gibt viel Nahrhaftes, Gesundes und Leckeres direkt aus der Natur.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.