Maifest in der Knopfstadt Schmölln 2016

Von links nach rechts: Königin der Texte Charlene Wolff, Knopf-Maskottchen, Knopfprinzessin Conny Hunger in Schmölln
 
Der Marktplatz in Schmölln früh am Morgen
Schmölln: Knopfstadt Schmölln | Wenn ich von Schmölln spreche, denken viele, ich würde Mölln meinen. Es gibt aber auch eine Stadt Schmölln, und deshalb möchte ich in diesem Artikel ein wenig darüber berichten.

Wenn ich auf der Landkarte nachsehe, finde ich Schmölln von Hamburg aus gesehen noch hinter Leipzig. "Sachsen", denke ich und liege falsch, denn Schmölln liegt in Thüringen. "Thüringer Würstchen" fallen Ihnen jetzt wahrscheinlich ein, aber nicht Knöpfe. Tatsächlich hat Schmölln eine 950 jährige Geschichte, und Knöpfe spielen darin eine wichtige Rolle.

Zur Zeit der Segelschiffe kam ein findiger Tüftler und Fabrikant Hermann Donath darauf, dass man aus den Steinnüssen, die den Segelschiffen als Ballast dienten, wenn sie aus Südamerika nach Europa kamen, und die hier als Abfall anfielen, Knöpfe machen könnte. Steinnüsse muss man sich vorstellen als ziemlich riesige Früchte, in denen es sehr harte Kerne mit einer noch härteren Schale gab, die etwas größer waren als Kastanien. Es gab in Deutschland eine umfangreiche Textilindustrie. Knöpfe waren gefragt und das Material dafür teuer, und so konnte man gute Geschäfte machen, wenn man sich dieses billige Abfallprodukt der Seefahrt zunutze machte.

Es entwickelten sich um die 30 Knopffabriken, die in die ganze Welt exportierten und viele Menschen beschäftigten. Auch das Militär war ein Großabnehmer für Knöpfe, die die Uniformen zierten. Besonders in Kriegszeiten boomte das Geschäft. Die Fabriken brauchten Zulieferer von Maschinen, Schuhen für die Textilarbeiter usw. bis hin zu Zahnbürsten, die damals aus Knochen und präparierten Schweineborsten hergestellt wurden.

Knöpfe wurden nicht ausschließlich aus Steinnüssen hergestellt. Es gab auch welche aus Holz, aus Metall und aus Leder. Kunststoff kam erst viel später auf, denn der war noch nicht erfunden. Mit dem Aufstieg der Dampfschifffahrt und dem Niedergang der Segelschiffe wurde der Ballast nicht mehr gebraucht und wurde somit zu einem teuren Rohstoff. Auch heute gibt es noch Knöpfe aus Steinnüssen, aber das ist eher die Ausnahme. Überhaupt ist die Textilindustrie in Deutschland sehr zurückgegangen und somit auch der Bedarf an Knöpfen. Hinzu kamen die Erfindung des Reißverschlusses und andere Faktoren, die dazu geführt haben, dass es inzwischen nur noch eine Knopffabrik in Schmölln gibt, die am Tag 400.000 Knöpfe produziert.

Schmölln ist eine schöne alte Stadt mit etwa 11.500 Einwohnern in der herrlichen Landschaft Thüringens am Fluss Sprotte. Nachdem die Schornsteine der Industrie fast alle verschwunden sind und sich die Natur nach der Wende erholt hat, ist es ein beliebtes Reiseziel für Naturfreunde und Sportler geworden.

Am Wochenende zum 1. Mai wurde das Maifest auf einem der größten mitteldeutschen Marktplätze gefeiert. Eine mit bunten Bändern behängte Birke wurde von der freiwilligen Feuerwehr aufgestellt. Bürgermeister, die Knopfprinzessin und das Knopf-Maskottchen waren anwesend, ein Spielmannszug spielte und aus der Ferne waren eine ganze Reihe Hoheiten angereist, die dem Fest bei herrlichem Sonnenschein noch ein wenig mehr Glanz bereiteten.

Für Hamburg-Bergedorf war die Königin der Texte Charlene Wolff nach Schmölln gekommen, und der Gast mit der weitesten Anreise waren Ritter Reiner Schierhorn mit seiner Maid Martha aus Jaroslaw gekommen. Das liegt in Polen, nah an der ukrainischen Grenze. Orte der näheren und entfernteren Umgebung wurden von ihren Königinnen, Prinzessinnen, Feen und anderen Symbolträgern vertreten.

Am Abend gab es auf dem Marktplatz eine fantasievolle Feuershow von Ritter Reiner. Immer wieder denkt er sich etwas Neues aus und geht ans Limit. Er hat mir angeboten, auch in Hamburg aufzutreten.

Bei einem Stadtrundgang durften wir auch die ehemaligen Zisternen der Brauerei besichtigen, in denen heute die letzten Maschinen aus den alten Fabriken ausgestellt sind, Zeitzeugen aus der Vergangenheit.

Die Brauerei wurde eingestellt, weil das Wasser hier sehr hart ist und man Schwierigkeiten hatte, es für das Bier aufzubereiten.

Schmölln war eine geteilte Stadt. Bis 1997 wurde sie von der Bahnlinie zerschnitten, und die Schranken waren über 100 Jahre lang ein Grund für endlose Staus. Heute gibt es eine Unterführung unter der Bahnlinie Gera-Glauchau, und der Ort wurde mit Erhaltung des alten Stils sehr schön umgestaltet. Viele Plätze mit Brunnen gibt es in der Stadt.

Der harmlos wirkende Fluss Sprotte hat auch schon zu Überschwemmungskatastrophen geführt. Es mussten Häuser und auch ein Altersheim evakuiert werden, die an der Sprotte lagen.

In Schmölln hat es wie in Hamburg einen großen Brand gegeben, bei dem über 300 Häuser und auch die Kirche abgebrannt sind. In der Kirche St. Nikolai steht eine fantastische Jemlich-Orgel mit 58 Registern. Sie wird hydraulisch betrieben und hat ein Fernwerk über dem Kirchenschiff, das wie Engelspfeifen klingt. Der Kantor spielte für uns und wir konnten sogar ins Innere der Orgel hinein gehen. Orgeln sind die größten Musikinstrumente, die es gibt.

Hydraulische Orgeln unterscheiden sich von den sonst üblichen Orgeln mit Zügen dadurch, dass sich alle Elemente (Tasten und Register) mit weniger Kraft bedienen lassen, aber eine Zeitverzögerung haben, so dass man nicht gut nach Gehör spielen kann. Die Orgel wurde von dem Orgelbauer Jemlich 1919 gebaut und vor einigen Jahren grundsaniert. Davor hatte die Kirche aus Kostengründen eine zu kleine Orgel gehabt.

Der Erfinder des Kartenspiels "Schwarzer Peter", Otto Pech lebte im Altenburger Land. Er hat die Reliefs an diesem Gebäude der ehemaligen Allgemeinen Deutschen Creditanstalt entworfen und gefertigt.

Alles in Allem hat man sich sehr bemüht, es uns so angenehm wie möglich zu machen und uns viel zu zeigen. Einen schönen Bildband über die Knopfstadt gab es zum Abschied auch noch und den versprochenen Mutzbraten. Na dann bis zum nächsten Mal in Schmölln!

Eure Königin der Texte Charlene Wolff vom TextLabor Bergedorf

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