Rhododendronfest in Sülzhayn 29.05.2016

Fahrt durch den Harz
 
Vor der Kirche von Sülzhayn
Ellrich: Kurpark Sülzhayn | Eines haben viele Orte im Osten gemeinsam, sie haben Namen, die uns überhaupt nicht geläufig sind. Sülzhayn – das klingt irgendwie nach Sülze, Fleisch in Gelee. Als Kurort war es mir auch nicht bekannt. Aber dann war ich dort eingeladen…

Durch fruchtbare Landschaft fuhr ich über Magdeburg nach Sülzhayn (Stadt Ellrich). Das gehört zu Nordthüringen und zum Harz. Auch das war neu für mich. Kleine Ortschaften, Wälder, steile Täler lagen auf dem Weg, und die Straße schlängelte sich entlang der Harzer Schmalspurbahnen und romantischer Flüsse. Manchmal sah der Harz aus wie ein Hochgebirge. Ohne den Navigator hätte ich den Weg nicht so leicht gefunden. Auch wenn man oftmals über die Technik flucht, war ich doch sehr froh, dass es diese praktische Erfindung gibt. Und dann sagte mir die elektronische Stimme, ich sei an meinem Ziel angekommen.

Das Örtchen mit vielen alten Fachwerkhäusern machte einen aufgeräumten Eindruck. An der Straße blühten herrliche Rhododendren. Gegenüber lag ein kleiner aber feiner Kurpark, und dort herrschte noch geschäftiges Treiben. Leute eilten hin und her und bauten Bänke auf, schleppten Kuchen und Getränke, Besucher strömten herbei, und rundherum blühte der Rhododendron in leuchtenden Farben.

Nun war es ein Sonntag, für den die Wetterdienste Unwetter vorhergesagt hatten. Schwer hing der Dunst in der schwülwarmen Luft. Würde womöglich gleich ein Gewitter losbrechen? Nein, der Wettergott meinte es gut mit Sülzhayn und schickte sogar noch die Sonne.

Petra Heydecke, die Vorsitzende vom Kulturverein begrüßte uns Hoheiten, und Bernd Illhardt kümmerte sich rührend um uns. Der Festplatz füllte sich zusehends mit Besuchern. Einen Umzug sollte es auch geben. Bei der schönen als Fachwerk gebauten Kirche in der Ortsmitte sammelten sich Hoheiten, Fanfarenzug und Vereine und zogen dann angeleitet von einer Akrobatin auf Stelzen mit strahlend weißem Kleid und roten Flügeln die Straße hinauf zum Kurpark.

Zu DDR-Zeiten war Sülzhayn ein geschäftiger und gefragter Kurort, der bedeutend und groß war. Im Zonenrandgebiet gelegen, kam nicht jeder dorthin, eher nur die oberen 10.000 (wie man so schön sagt). Von diesem ehemaligen Glanz zeugen manche verfallenden Häuser und der Kurpark, in dem zum Rhododendronfest wieder das Leben brodelte. Ein Besucher klagte mir, dass dort heute sonst gähnende Leere herrsche, wo früher richtig viel los war. Die Wende hat vieles verändert, aber die Kurkultur, die es in ganz Deutschland früher gab, ist ja allgemein sehr zurückgedrängt worden. Auch im Westen gibt es einst mondäne Kurorte, die heute schwer ums Überleben kämpfen müssen. Es ist alles eine Geldfrage.

Auf der Bühne spielten Fanfarenzug, Musiker, tanzten Vereine, es gab eine Hochzeitsmodenschau, Vorstellung der Hoheiten und andere unterhaltsame Programmpunkte. Bei der Autogrammstunde wechselten viele Autogrammkarten den Besitzer. Bergedorf war vielen ein Begriff (Überraschung!), und die Königin der Texte war gefragt. Ich freue mich immer über die guten Gespräche mit Menschen aus den Orten, die ich besuche. Ein Herr erzählte mir, er habe 1985 im Flüchtlingsheim in Billstedt gewohnt, nicht weit von Bergedorf. Als Fernfahrer sei er überall in ganz Deutschland gewesen.

Die Moderatorin Frau Kirchner hatte sich gut vorbereitet und wusste sogar, dass es in Bergedorf eine Sternwarte gibt. Die Zeitung NNZ lichtete unsere Hamburger Königin im Großformat ab. Auch die Thüringer Landeszeitung berichtete.
Es war ein gelungenes Fest, und zum Abschied gab es auch noch ein Geschenk für die Gasthoheiten. Ein Becher, der an die schöne Zeit erinnern soll.
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